Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum Raucher beim Aufhören zunehmen

29.08.2013
Die meisten Raucherinnen und Raucher nehmen einige Kilos zu, wenn sie mit Rauchen aufhören. Der Grund liegt nicht in der erhöhten Kalorieneinnahme, sondern in der veränderten Zusammensetzung der Darmflora nach dem Rauchstopp. Diesen Schluss legt eine vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte Untersuchung nahe.

Wenn sich Raucherinnen und Raucher von ihren Glimmstengeln trennen, nehmen achtzig Prozent von ihnen im Durchschnitt sieben Kilos zu. Ihr Gewicht steigt, auch wenn sie gleich viel oder sogar weniger Kalorien aufnehmen als vor dem Rauchstopp. Worauf ist diese Gewichtszunahme zurückzuführen?

Auf eine veränderte Zusammensetzung der Bakterienvielfalt im Darm, lautet die Antwort von Forschenden um Gerhard Rogler vom Universitätsspital Zürich. Wie sie kürzlich in der Fachzeitschrift «PLoS One» nachgewiesen haben (*), nehmen nach dem Rauchstopp jene Bakterienstämme überhand, die auch in der Darmflora von Fettleibigen dominieren.

Vergleich von Stuhlproben

Rogler und seine Kolleginnen und Kollegen von der Schweizer IBD-Kohorten-Studie haben das in den Fäkalien vorhandene Erbgut der Darmbakterien untersucht – und sich über je vier Stuhlproben gebeugt, die sie in einem Zeitraum von neun Wochen von zwanzig verschiedenen Personen bekommen hatten: von fünf Nichtrauchern, fünf Rauchern und von zehn Personen, die eine Woche nach Studienbeginn einen Rauchstopp eingelegt hatten.

Während die Bakterienvielfalt in den Exkrementen der Raucher und Nichtraucher sich im zeitlichen Verlauf nur wenig veränderte, führte der Rauchstopp zu grossen Verschiebungen in der Zusammensetzung der mikrobiellen Darmbewohner.

Auf Kosten von Vertretern der Stämme Firmicutes und Actinobacteria breiteten sich Mikroben der Stämme Proteobacteria und Bacteroidetes aus. Gleichzeitig nahmen die Probanden, die mit Rauchen aufgehört hatten, durchschnittlich 2.2 Kilo zu, obwohl sich an ihrem Ess- und Trinkverhalten nichts änderte (ausser dass sie gegen Schluss der Studie im Schnitt ein wenig mehr Alkohol konsumierten als vor dem Rauchstopp).

Effizientere Verwertung

Ihre Resultate widerspiegelten diejenigen aus früheren Versuchen mit Mäusen, sagt Rogler. Als andere Wissenschaftler vor einigen Jahren Fäkalien fettleibiger Mäuse in den Darm normalgewichtiger Mäuse transplantierten, beobachteten sie, dass sowohl die Ausbreitung der Proteobacteria- und Bacteroidetes-Stämme in der Darmflora als auch das Gewicht der behandelten Mäuse zunahmen. Offenbar verwertete die neue Darmflora die in der Nahrung enthaltene Energie effizienter.

Rogler und seine Kolleginnen und Kollegen vermuten, dass derselbe Effekt auch bei ihren Probanden zum Tragen kommt. Die nach dem Rauchstopp anders zusammengesetzte Bakterienvielfalt im Darm stellt dem Körper wahrscheinlich mehr Energie zur Verfügung, dadurch legen die frischen Nichtraucher an Gewicht zu.

(*) L. Biedermann, J. Zeitz, J. Mwinyi, E. Sutter-Minder, A. Rehman, S. Ott, C. Steurer-Stey, A. Frei, P. Frei, M. Scharl, M. Loessner, S. Vavricka, M. Fried, S. Schreiber, M. Schuppler and G. Rogler (2013). Smoking cessation induces profound changes in the composition of the intestinal microbiota in humans. PLoS One online.
doi: 10.1371/journal.pone.0059260
(Manuskript beim SNF erhältlich; E-Mail: com@snf.ch)
Schweizer IBD-Kohorten-Studie
Mit dem Ziel, chronisch entzündliche Darmerkrankungen (im Engli-schen: «Inflammatory Bowel Diseases oder IBD) besser zu verstehen, haben sich Fachspitäler, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte und universitäre Instituten zusammengeschlossen. Sie sammeln medizi-nische Daten von unterdessen beinahe 2000 Betroffenen, die sich an dieser Langzeitstudie beteiligen. Die Studie wird seit 2005 vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert.
Kontakt
Prof. Dr. Gerhard Rogler
Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100
CH-8091 Zürich
Tel.: +41 (0)44 255 94 77
E-Mail: Gerhard.Rogler@usz.ch

Martina Stofer | idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch
http://www.ibdcohort.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen