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Psychische Erkrankungen als Wechselwirkung zwischen Genen und Lebensgeschichte verstehen

04.03.2011
Neuer Forschungsschwerpunkt „Psychiatrische Genetik” an der UMG: Die Suche nach der Wechselwirkung zwischen Umwelt und Genen soll neue Wege für eine individuelle Diagnostik und Behandlung von psychischen Erkrankungen eröffnen.

An den Genen kommt auch die moderne Psychiatrie nicht vorbei. Schizophrenie, die bipolare (manisch-depressive) Erkrankung oder auch Depression, nahezu alle häufigen psychischen Störungen sind genetisch beeinflusst.

Die moderne Psychiatrie sucht deshalb intensiv nach neuen Behandlungsstrategien, die bei den Ursachen ansetzen können. Der Blick auf die Gene verspricht, psychische Erkrankungen individueller erkennen und behandeln zu können. So könnte der Blick auf die Gene hilfreich sein, um den Erfolg einer Behandlung vorauszusagen oder Nebenwirkungen von Medikamenten vorab einzuschätzen.

In der klinisch-genetischen Forschung arbeiten Grundlagenforscher wie Genetiker und Epidmiologen mit Medizinern in der klinischen Praxis eng zusammen. In der Universi-tätsmedizin Göttingen (UMG) wurde dazu ein Forschungsschwerpunkt "Psychiatrische Genetik" an der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie eingerichtet. Die Leitung des Forschungsschwerpunktes hat der Mediziner und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Prof. Dr. Thomas G. Schulze. Mit seiner Forschung möchte er die Grundlagen schaffen, dass für Menschen mit psychischen Erkrankungen Behand-lungsstrategien entwickelt werden können, die noch mehr als bisher auf die individuellen Gegebenheiten des Patienten eingehen.

"Psychiatrisch-genetische Forschung ist kein Neuland. Aber was bisher fehlt, ist die Orientierung an klinisch-relevanten Fragestellungen", sagt Prof. Dr. Thomas Schulze. "Bisher hat sich die Forschung vor allem auf Diagnosegruppen konzentriert, also darauf, ob zum Beispiel jemand eine Schizophrenie oder bipolare Störung hat. Für den Patienten, seine Angehörigen und den Arzt ist aber die Frage, wie jemand auf eine Therapie anspricht oder wie sich die Symptomatik über die Zeit ändert von viel größerer praktischer Relevanz als die Einordnung in eine Diagnosegruppe. Daher wollen wir die Behandlung von Patienten mit einer schizophrenen und bipolaren Erkrankung über einen längeren Zeitraum untersuchen." Die Forscher interessieren sich dabei besonders für mögliche genetische und neurobiologische Determinaten des Verlaufs. Die Erkenntnisse der Forschung sollen klären, warum es unter den bisherigen Behandlungsstrategien zu Rückfällen kommt und warum einzelne Patienten auf bestimmte Behandlungsverfahren nicht ansprechen. Diese Fragen möchte Prof. Schulze gemeinsam mit Partnern in der Region untersuchen. Ein "PsychoseZentrum Niedersachsen" ist im Aufbau. Hierbei soll intensiv mit den psychiatrischen Lehrkrankenhäusern der Universitätsmedizin Göttingen in Niedersachsen, Nordhessen und Bremen zusammengearbeitet werden, um große Patientenkohorten für diese Forschung zu erreichen. Die gewonnenen Biomaterialen, zum Beispiel DNS oder Proteine, sollen in einer modernen Biobank so aufbewahrt werden, dass sie der Wissenschaft für die Bearbeitung möglichst vieler Fragestellungen auch noch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zur Verfügung stehen.

ZUR PERSON
Thomas G. Schulze hat sein Studium der Humanmedizin an der Universität Erlangen-Nürnberg, in Barcelona und in den USA absolviert. Seit 1997 beschäftigt er sich wissenschaftlich mit psychiatrisch-genetischen Fragestellungen. Das Hauptaugenmerk seiner Forschung richtet sich auf die genetischen und umweltbedingten Ursachen von psychischen Erkrankungen wie der bipolaren (manisch-depressiven) Erkrankung, der Schizophrenie oder der Depression. In seinen bisherigen Positionen in Deutschland, unter anderem am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, hat er maßgeblich an der Etablierung großer Kollektive von Patienten und Kontrollpersonen mitgewirkt. Solche "Kollektive" bieten die Grundlage für wirklichkeitsnahe Studien und Forschungen. Ein besonderer Fokus seiner Arbeit liegt auf der Untersuchung von möglichen genetischen Gemeinsamkeiten und Überlappungen unterschiedlicher Krankheitsgruppen.

National wie international ist Professor Schulze als Forscher umfassend vernetzt. Er ist Mitglied im Nationalen Genomforschungsnetzes des BMBF, des Bipolar Disorder Genome Study (BiGS) Consortium in den USA sowie des internationalen Psychiatric Genomewide Association Study Consortium. Außerdem gehört er mehreren nationalen und internationalen Fachverbänden an. Er ist im Board of Directors der International Society of Psychiatric Genetics (ISPG) und Mitglied in mehreren Editorial Boards renommierter Fachzeitschriften. Prof. Schulze hat über 100 wissenschaftliche Artikel publiziert und wurde in seinem Fachgebiet mehrfach ausgezeichnet.

Weitere Informationen
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie
Leiter Bereich Psychiatrische Genetik, Prof. Dr. Thomas G. Schulze
Telefon 0551 / 39-6730, thomas.schulze@med.uni-goettingen.de
Von-Siebold-Str. 5, 37075 Göttingen

Stefan Weller | Uni Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de

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