Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn psychische Belastungen am Arbeitsplatz krank machen: VDBW stellt Leitfaden vor

13.10.2008
Mehr Prävention zugunsten psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz – VDBW will Politik und Unternehmen sensibilisieren und neue Rahmenbedingungen schaffen / 800 Arbeitsmediziner tagten in Dresden

Psychische und soziale Belastungen am Arbeitsplatz, Stress, angespanntes Arbeitsklima oder ungelöste Konflikte sind immer häufiger Auslöser für Krankheiten. Diese Problematik steht im Mittelpunkt der 24. Arbeitsmedizinischen Herbsttagung des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) vom 9. bis 11. Oktober in Dresden.

800 Arbeitsmediziner kamen aus der ganzen Bundesrepublik zu der Tagung zusammen. Der Berufsstand will künftig verstärkt auf das Thema aufmerksam machen und aktiv in Sachen Prävention werden. Dazu sollen auch Politik, Hochschulen und Arbeitgeber für die Problematik sensibilisiert und zum Gegensteuern ins Boot geholt werden. Der VDBW hat sich zum Ziel gesetzt, systematisch Hilfestellungen zu entwickeln und gute Rahmenbedingungen zugunsten psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz mitzugestalten. Außerdem ein aktueller Appell des Verbands an die Politik: Psychische Belastungen sollten systematisch in der Analyse von Arbeitsbedingungen berücksichtigt werden.

Stress und seine Folgen stellen aktuell die vierthäufigste Krankheitsursache am Arbeitsplatz dar – mit stark steigender Tendenz. Vor diesem Hintergrund präsentierte der VDBW gleich zum Tagungsauftakt in Dresden den neu entwickelten Leitfaden „Psychische Gesundheit im Betrieb“. Betriebsärzte und Personalverantwortliche erhalten darin wertvolle Hinweise. „Betriebs- und Werksärzte kennen die Krankheitsbilder und Probleme, die am Arbeitsplatz entstehen, aus ihrer Praxis genau. Sie behandeln individuell, unterstützen ihre Patienten dabei, Stress durch zweckmäßige Bewältigungsstrategien abzumildern. Wir vom Verband wollen mit dem Leitfaden helfen, das jeweils optimale Vorgehen zu finden und alle Aspekte des Krankheitsbildes zu berücksichtigen“, erklärt VDBW- Präsident Dr. med. Wolfgang Panter.

Zwang zu schnellen Entscheidungen, hohe Verantwortung, technische Störungen, Zeitdruck und zwischenmenschliche Probleme stehen in vielen Betrieben weit oben auf der Tagesordnung. Die moderne Arbeitswelt, in der ständige Verfügbarkeit gefordert ist, führt dazu, dass sich Berufstätige verausgaben und unter Druck gesetzt werden. „Industrie und Volkswirtschaft verzeichnen Schäden in Höhe von rund 15 Milliarden Euro jährlich, die durch Arbeitsausfall aufgrund von psychischer Fehlbelastung und Stress am Arbeitsplatz bedingt sind“, so Panter weiter. Führungsebenen nähmen die Problematik bislang noch nicht ernst genug. „Betriebsärzte werden immer häufiger mit den gesundheitlichen Auswirkungen von psychischen Fehlbelastungen konfrontiert und spüren, dass Handlungsbedarf besteht - auch im Sinne der Arbeitgeber, da langwierige Folgeerkrankungen über den Erfolg eines Unternehmens mit entscheiden.“

Die neue Publikation greift arbeitsmedizinische Herausforderungen in der modernen, komplexer werdenden Berufswelt auf. Daneben sollen durch den fachlichen Ratgeber Anregungen zum Erhalt der psychischen Gesundheit im Betrieb gegeben werden: „Wir Betriebsärzte sind am Puls der Arbeitwelt und beraten Mitarbeiter ganz individuell. Jeder Beschäftigte hat unterschiedliche Bewältigungsstrategien. Die ärztlichen Hinweise sind dann ganz unterschiedlich: von sportlichen Aktivitäten als Ausgleich bis zu autogenem Training – je nach Persönlichkeitsstruktur. Auch in kleinen Unternehmen muss Gesundheitsmanagement etabliert werden, was in Großbetrieben oftmals schon eingeführt ist,“ erklärte Dr. Anette Wahl-Wachendorf, Arbeitsmedizinerin und Präsidiumsmitglied des VDBW.

Prof. Dr. med. Klaus Scheuch, Leiter des Instituts und der Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin der Technischen Universität Dresden: „Es gibt keinen Beruf, in dem kein Stress auftreten kann. Allerdings kann in bestimmten Lebensphasen Stress besonders häufig auftreten, so etwa in der Berufseinstiegs- und der Berufsausstiegsphase.“

Weitere Faktoren sind schlechtes Betriebsklima, Defizite im Führungsverhalten, unklare Arbeitsorganisation, mangelnde Transparenz von Entscheidungen und Angst vor Arbeitsplatzverlust. Typische Folgen von dauerhaftem psychischen Fehlbelastungen reichen von Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Nervosität über Rückenschmerzen und Bluthochdruck bis hin zu chronifizierten Symptomen wie etwa Depressionen, Erkrankungen im Magen- und Darmbereich sowie Herz-Kreislauf-Beschwerden – ein breites Spektrum an Krankheitsbildern. Unbehandelt können psychische Krankheiten zu längeren Ausfallzeiten in Unternehmen und zum Ausscheiden aus dem Beruf oder Frühverrentung führen.

Es lohnt sich, in betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention zu investieren, stellt der VDBW fest. Das Bewusstsein für Prävention muss steigen, denn nur eine gesunde Belegschaft ist leistungsfähig. Dazu gehört auch ein gesundes Arbeitspensum und sensibilisierte Arbeitgeber.

In einem breit gefächerten Programm greift der VDBW bei seiner Jahrestagung in Dresden zahlreiche Themen sowohl aus der betriebsärztlichen Tätigkeit als auch aktuelle berufspolitische Trends auf. Vorträge, Seminare und Unternehmensexkursionen rund um „Gesundheit in der Arbeitswelt“ sorgen für einen professionellen Erfahrungsaustausch. Verbunden mit der Tagung ist eine Fachausstellung, die neue Produkte aus dem Arbeits- und Gesundheitsschutz vorstellt.

Der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) ist der Berufsverband deutscher Arbeitsmediziner und der größte arbeitsmedizinische Fachverband Europas. Er vertritt seit über 50 Jahren die Interessen seiner rund 3.000 Mitglieder. Zu den Aufgaben des VDBW gehören die Förderung der Qualität arbeitsmedizinischen Betreuung, die Integration des präventiven Fachgebietes Arbeitsmedizin in das medizinische Versorgungssystem und die Unterstützung von Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention in den Betrieben. Der VDBW unterstützt gemeinsam mit anderen maßgeblichen Fachdisziplinen und Institutionen die Gewinnung und Auswertung neuester arbeitsmedizinischer Erkenntnisse sowie deren Weitergabe in die Praxis und wirkt an der Gestaltung arbeitsmedizinischer Programme mit. Die Zentrale des VDBW ist in Karlsruhe.
Verbandskontakt:
Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V., Hauptgeschäftsführer Jochen Protzer, Friedrich-Eberle-Str. 4a, 76227 Karlsruhe,

T: 0721 933 8181, F: 0721 933 8186, E-Mail: jochen.protzer@vdbw.de

Jochen Protzer | Pressebuero DauthKaun
Weitere Informationen:
http://www.vdbw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften