Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Prostatakrebs: Wie aggressiv der Tumor ist, lässt sich an seinen microRNAs ablesen

24.02.2012
Kleine Regulatormoleküle, die microRNAs, scheinen einen relevanten Einfluss auf die Aggressivität des Prostatakarzinoms zu haben.

Eine interdisziplinäre Forschergruppe der Klinik für Urologie und der Institute für Pathologie an der Charité - Universitätsmedizin Berlin und der Universität Rostock in Kooperation mit dem Berliner Forschungsinstitut für Urologie führt derzeit eine umfangreiche Analyse der microRNAs im Prostatakrebs durch. Ziel des Projektes ist es, das Wachstumsverhalten dieses Tumortyps besser vorhersagen und damit den Patienten in Zukunft eine maßgeschneiderte Therapie ihrer Krebserkrankung anbieten zu können.


Feingeweblicher Querschnitt durch eine menschliche Prostata: In der Mitte erkennt man die schlitzförmige Harnröhre. Das Areal des Prostatakrebses ist durch Punkte markiert. Am linken Bildrand zeigt sich eine fingerförmige Ausbreitung des Tumors in das umgebende Gewebe als Hinweis auf ein aggressives Verhalten. Quelle: Prof. Dr. Andreas Erbersdobler


Feingeweblicher Schnitt und mikroskopisches Bild durch das Gewebe eines Prostatakarzinoms. Im oberen Bildrand sind noch einige normale Prostatadrüsengänge zu erkennen. Quelle: Prof. Dr. Andreas Erbersdobler

Das Prostatakarzinom, die Krebserkrankung der Vorsteherdrüse, ist in der westlichen Welt die häufigste bösartige Erkrankung des Mannes und die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Eine Besonderheit dieses Tumors ist sein individuell sehr unterschiedliches biologisches Verhalten. Dieses reicht von relativ harmlosen Tumoren, die lediglich einer regelmäßigen Beobachtung bedürfen, bis zu hochaggressiven Tumorformen, die einer radikalen Operation oder einer Strahlentherapie zugeführt werden müssen und dennoch oft nicht geheilt werden können. Klinische Untersuchungen und feingewebliche mikroskopische Analysen können die Aggressivität eines Tumors zwar bis zu einem gewissen Grad vorhersagen, im Einzelfall bleibt jedoch oft eine Unsicherheit bezüglich der optimalen Therapieform. Die Hoffnung zur besseren Vorhersage des biologischen Verhaltens des Prostatakarzinoms setzt nun auf neue, molekulare Marker dieses Tumors.

MicroRNAs sind kurze Sequenzen des menschlichen Erbmaterials, die an der Regulation der Genaktivität beteiligt sind. Bisher wurden etwa 1.000 verschiedene Formen entdeckt. Untersuchungen mehrerer Arbeitsgruppen haben ergeben, dass microRNAs auch wesentlich an der gestörten Genregulation in menschlichen Tumoren beteiligt sind. Dabei lassen sich microRNAs, die die Tumorentstehung eher unterdrücken, von solchen unterscheiden, die Tumorentstehung und -Wachstum fördern. MicroRNAs sind in Tumorgewebe und Normalgewebe deshalb unterschiedlich stark vertreten. Die Berliner Arbeitsgruppe konnte bereits zeigen, dass bestimmte Expressionsmuster von microRNAs in urologischen Tumoren wiederkehren und mit dem biologischen Verhalten des Karzinoms in Zusammenhang stehen.

Die Wissenschaftler wollen nun eine größere Zahl von Prostatatumoren, die durch eine Operation entfernt wurden, auf ihr spezifisches microRNA-Profil untersuchen. Die Analysen der microRNAs nehmen die Forscher an archiviertem Gewebe vor, welches von Patienten im Rahmen von routinemäßige Kontrollen zur Verfügung gestellt worden ist.

Die Forscherteams um die Professoren Jung und Erbersdobler vergleichen die microRNA-Profile aus Gewebeproben von Patienten, die innerhalb von zwei Jahren nach der operativen Prostataentfernung bereits ein Wiederauftreten des Tumors erlitten mit Patienten die mindestens fünf Jahre keinen neuen Tumor entwickelt haben. Die Studie gliedert sich dabei in eine Identifizierungsphase, in der die relevanten microRNAs gefunden werden sollen, eine Validierungsphase, in der die Ergebnisse an einem größeren Kollektiv überprüft werden, und eine Verifizierungsphase, in der die gewonnenen Erkenntnisse an einem Kollektiv eines anderen Klinikums bestätigt werden sollen.

In einer statistischen Auswertung überprüfen die Forscher ihre Ergebnisse auf deren Vorhersagekraft und arbeiten diese gegebenenfalls in bereits bestehende Vorhersagemodelle ein. „Wir hoffen, dass mit den gefundenen microRNA-Profilen die Aggressivität von Prostatakarzinomen in Zukunft besser eingeschätzt und den Patienten damit eine auf das individuelle Risiko maßgeschneiderte Therapie angeboten werden kann“, resümiert Professor Jung

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 200.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt (Projektleitung):
Prof. Dr. med. Klaus Jung
Klinik für Urologie, Forschungsabteilung
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Berliner Forschungsinstitut für Urologie
E-Mail: klaus.jung@charite.de
Weitere Mitglieder der Forschergruppe
Andreas Erbersdobler, Ordinarius für Pathologie an der Universität Rostock (Andreas.erbersdobler@med.uni-rostock)
PD Dr. med. Carsten Stephan (carsten.stephan@charite.de)
Dr. rer. nat. Annika Fendler (annika.fendler@mdc-berlin.de)

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Der Mensch besitzt dreimal mehr braunes Körperfett
01.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Zellen passen sich ultraschnell an die Schwerelosigkeit an
28.02.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher ahmen molekulares Gedränge nach

Enzyme verhalten sich im geräumigen Reagenzglas anders als im molekularen Gedränge einer lebenden Zelle. Chemiker der Universität Basel konnten diese engen Bedingungen nun erstmals in künstlichen Vesikeln naturgetreu simulieren. Die Erkenntnisse helfen der Weiterentwicklung von Nanoreaktoren und künstlichen Organellen, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Small».

Enzyme verhalten sich im geräumigen Reagenzglas anders als im molekularen Gedränge einer lebenden Zelle. Chemiker der Universität Basel konnten diese engen...

Im Focus: Researchers Imitate Molecular Crowding in Cells

Enzymes behave differently in a test tube compared with the molecular scrum of a living cell. Chemists from the University of Basel have now been able to simulate these confined natural conditions in artificial vesicles for the first time. As reported in the academic journal Small, the results are offering better insight into the development of nanoreactors and artificial organelles.

Enzymes behave differently in a test tube compared with the molecular scrum of a living cell. Chemists from the University of Basel have now been able to...

Im Focus: Mit Künstlicher Intelligenz das Gehirn verstehen

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas über den Schaltplan des Gehirns bekannt.

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas...

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ – deutschlandweit größte Fachkonferenz 5.-8. März in Würzburg

01.03.2017 | Veranstaltungen

Nebennierentumoren: Radioaktiv markierte Substanzen vermeiden unnötige Operationen

28.02.2017 | Veranstaltungen

350 Onlineforscher_innen treffen sich zur Fachkonferenz General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ – deutschlandweit größte Fachkonferenz 5.-8. März in Würzburg

01.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CeBIT 2017: Automatisiertes Fahren: Sicheres Navigieren im Baustellenbereich

01.03.2017 | CeBIT 2017

Hybrid-Speicher mit Marktpotenzial: Batterie-Produktion goes Industrie 4.0

01.03.2017 | Energie und Elektrotechnik