Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie passt sich das Herz-Kreislaufsystem an die Schwerelosigkeit an?

02.03.2010
MHH-Forscher will von der Raumfahrt lernen
Neuer MHH-Podcast

Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wollen von Kosmonauten lernen, wie Kreislaufprobleme entstehen. "Wir hoffen durch den Vergleich der Daten von Patienten und Kosmonauten die Ursachen für Kreislaufprobleme besser zu verstehen und sie in Zukunft effektiver behandeln zu können", sagt PD Dr. Jens Tank, Leiter der Arbeitsgruppe Klinische Pharmakologie des Herz-Kreislaufsystems am MHH-Institut für Klinische Pharmakologie.

In dem Forschungsprojekt untersucht er die Auswirkungen der Langzeitschwerelosigkeit auf die Regulation der Herz-Kreislauffunktion bei Kosmonauten. "Wir arbeiten dazu eng mit einer Arbeitsgruppe vom Moskauer Institut für biomedizinische Probleme (IMBP) unter der Leitung von Professor Roman Markovich Bajewski zusammen", erzählt der Facharzt für Klinische Pharmakologie und Innere Medizin.

Professor Bajewski, ein Pionier der Raumfahrtmedizin, ist mit verantwortlich für die Gesundheitskontrolle der Kosmonauten während ihres sechsmonatigen Aufenthaltes an Bord der Internationalen Raumstation (ISS). Ziel des Projektes ist es, ein einfaches Gerät zu entwickeln und herzustellen, das zur Testung der Kreislaufregulation an Bord der ISS genutzt werden kann.

In einem ersten Teilprojekt entwickelten die Wissenschaftler das Gerät "Puls", das vier Jahre lang im russischen Modul der ISS erfolgreich eingesetzt wurde. "An insgesamt acht Kosmonauten konnten wir mit Hilfe einfacher Messungen von Pulsfrequenz und Atemfrequenz, während sechs Monaten im All und in den ersten Tagen nach der Landung wichtige Erkenntnisse sammeln", sagt Dr. Tank. In einem zweiten Schritt entwickelten die Wissenschaftler das Gerät "Pneumocard", das seit März 2007 an Bord der ISS eingesetzt wird. Es erlaubt, dank zweier zusätzlicher Messkanäle, Aussagen zur Funktion des Herzens. "Auch diese Messungen, die von den Kosmonauten selbstständig und in Perfektion durchgeführt werden, liefern bereits interessante Ergebnisse", berichtet der Forscher.

180 Tage lang sind die Astronauten auf der ISS extremen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Getrennt von Familie und Freunden, in einer künstlichen Raumstation, umgeben von lebensfeindlichen Bedingungen müssen sie höchste Leistungen erbringen. Der Körper muss allerdings völlig ohne Schwerkraft auskommen, an die er ein Leben lang gewöhnt war. Die Orientierung und einfache Bewegungen fallen anfangs schwer, das Blut steigt zu Kopf, die Nase ist verstopft, man schläft schlecht und einige Kosmonauten kämpfen in den ersten Tagen mit der Raumkrankheit. Langfristig merken die Muskeln und die Knochen, dass sie nicht mehr gegen die Schwerkraft ankämpfen müssen und verlieren an Masse. Auch das Herz wird kleiner. "Insgesamt fühlen sich die Kosmonauten nach der Anpassungsphase aber sehr wohl. Die ersten Ergebnisse von "Pneumocard" zeigen, dass die Schwerelosigkeit für das Herz und den Kreislauf eher gut sind, aber jeder Kosmonaut etwas anders reagiert", erklärt Dr. Tank.

Viel schwieriger scheint die erneute Anpassung an die Schwerkraft nach der Landung zu sein. Der Wiederaufbau der Muskulatur, des Knochens sowie der körperlichen Leistungsfähigkeit erfordern Zeit und spezielle Trainingsprogramme. "Große Probleme haben die Kosmonauten in den ersten Tagen nach der Landung mit längerem Stehen. Das Herz rast und gelegentlich kommt es auch zu einer Ohnmacht. Derartige Störungen der Kreislaufregulation treten auch bei Patienten auf", sagt der Mediziner. Fachbegriffe für diese Störung sind Orthostatische Intoleranz oder Synkopen. Diese Patienten interessieren die Arbeitsgruppe von Dr. Tank besonders, da sie bisher schlecht therapierbar sind.

Forschung zu Hören: Hören Sie sich dazu den neuen MHH-Podcast Weltraumedizin unter http://www.mh-hannover.de/mhh-podcast.html an.

Weitere Informationen erhalten Sie bei PD Dr. med. Jens Tank, Facharzt für Klinische Pharmakologie und Innere Medizin, Telefon (0511) 532-2723, tank.jens@mh-hannover.de.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik