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Paradigmenwechsel in der Krebsheilkunde

22.05.2009
90. Deutscher Röntgenkongress erörtert die Rolle der Radiologie für die Onkologie

"Radiologen begleiten Krebspatienten oftmals über Jahre hinweg und liefern fortwährend wichtige Informationen für den Behandlungsprozess", sagt Professor Dr. Claus Claussen, Professor für Radiologie und Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Tübingen und Präsident des 90. Deutschen Röntgenkongresses.

Erstmals in der Geschichte des traditionsreichen Kongresses wird das Programm in Kooperation mit der Deutschen Krebsgesellschaft gestaltet. Prof. Claussen erläutert, warum die Radiologie für die Onkologie so wichtig ist - und was er unter dem Paradigmenwechsel in der Krebsheilkunde versteht.

Berlin, im Mai 2009. Krebs ist nach wie vor eine große Herausforderung für die Medizin. Mit steigender Lebenserwartung sowie kritischen Veränderungen sozialer und umweltökologischer Lebensbedingungen steigt auch die Häufigkeit von Krebserkrankungen. Den medizinischen Problemen gesellt sich ein ökonomisches hinzu. Einerseits müssen innovative Behandlungskonzepte einer breiten Bevölkerungsschicht verfügbar gemacht werden, andererseits aber auch die steigenden Kosten für die medizinische Behandlung aufgebracht werden. Sowohl aus medizinischer als auch aus ökonomischer Perspektive essenziell ist hierbei die interdisziplinäre Vernetzung der Fachkompetenzen.

Tumorboards
Nur die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit der Onkologen aller chirurgischer und konservativer Disziplinen, der Radioonkologen, der Radiologen und Nuklearmediziner ermöglicht ein optimales Behandlungskonzept, das von der Erstdiagnose über die Therapieplanung bis hin zur Therapiekontrolle reicht. Tumorboards, also regelmäßige Konferenzen verschiedener Fachkollegen, sind ein hervorragendes Instrument, individuelle Behandlungskonzepte mit den Richtlinien der Fachgesellschaften zu verbinden und die richtige Therapie für den Patienten festzulegen.
Individualisierte Medizin - individualisierte Bildgebung
Krebserkrankungen sind komplex. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit eines individuellen Vorgehens beim einzelnen Patienten. Die Bildgebung spielt bei dieser "individualisierten Medizin" eine wesentliche Rolle. Denn der Radiologe begleitet onkologische Patienten oftmals über viele Jahre hinweg und liefert fortlaufend therapeutisch wichtige Informationen über das individuelle Ausbreitungsmuster der Erkrankung und die Veränderung unter der Therapie.
Krankheits-, nicht organbezogen
Maligne Erkrankungen sind - von einigen Tumorarten abgesehen - potenziell systemisch, können also alle Körperregionen betreffen. Daher werden Informationen über das individuelle Ausbreitungsmuster der Erkrankung im gesamten Körper benötigt. Der Radiologie kommt hier eine Schlüsselstellung zu. Denn die Fortschritte der Schnittbildverfahren Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT), Positronen-Emissionstomografie (PET) und der Hybridgeräte (PET/CT), ermöglichen einen raschen Überblick über Tumorausbreitung im erkrankten Köper. Das ist ein großer Fortschritt und ein Paradigmenwechsel in der Medizin: Wir arbeiten nicht mehr rein organbezogen, sondern krankheitsbezogen.
Molekulare Bildgebung
Die onkodiagnostische Forschung legt heute einen Schwerpunkt auf die Entwicklung von Methoden zur simultanen Erfassung morphologischer, biologischer und funktioneller Gewebeeigenschaften. Der Begriff der "Molekularen Bildgebung" umfasst dabei all diejenigen bildgebenden Verfahren, mit denen sich molekulare Strukturen oder biologische Prozesse mit Hilfe geeigneter Marker nachweisen und auch quantitativ beurteilen lassen. Ziel ist es, Informationen über einen Tumor zu gewinnen, zum Beispiel über tumorbiologische Funktionen wie die Zellteilung oder die Ausbildung von Blutgefäßen, die den Tumor versorgen. Die gerätetechnische Integration von PET und CT (PET/CT) hat sich bereits kurz nach ihrer Einführung im Jahr 2001 als klinisch bedeutsam für die Onkologie erwiesen, da tumorspezifische funktionelle Veränderungen (PET) anatomischen Strukturen (CT) zugeordnet werden können.
Fortschritt MRT
Die Entwicklung der hochaufgelösten Ganzkörper-MRT hat einen weiteren, wichtigen Fortschritt für die onkodiagnostische Radiologie gebracht. Vergleichsstudien von Ganzkörper-MRT und Ganzkörper-CT und -PET/CT zeigen, dass die MRT besser geeignet ist zur Detektion von Fernmetastasen im zerebralen Bereich, der Leber und der Knochen. Mit Spannung verfolgen und gestalten Radiologen darüber hinaus die Entwicklung von MR/PET.
Interventionelle Radiologie
Schließlich kann der Radiologe mehr als "nur" diagnostizieren. Mit der interventionellen Radiologie, einem jungen Zweig der bildgebenden Wissenschaft, bringt er sich aktiv in den therapeutischen Prozess ein. Bildgesteuerte minimalinvasive Eingriffe, wie Gewebeentnahmen und lokale Therapieverfahren wie etwa das Verkochen von Tumorgewebe (Radiofrequenzablation) oder das Verschließen der Blutzufuhr von Tumoren (Embolisation) sind schonende und wirksame Verfahren der radiologisch geprägten Krebstherapie.
Fazit
Die Radiologie ist nun gefordert, methodische und klinische Studien zu kombinieren, um die diagnostische Effizienz und therapeutische Relevanz der modernen bildgebenden Verfahren zu untersuchen. Gleichzeitig gilt es, die Herausforderungen durch die großen Bilddatenmengen, den zunehmenden Zeitdruck und die Leistungsverdichtung durch effizientere Untersuchungsabläufe und gesteigerte Kompetenz zu meistern. Das wichtigste aber ist der fachliche und persönliche Austausch der Radiologen mit ihren klinischen Kollegen. Der Röntgenkongress bietet hierfür hervorragende Gelegenheit.
Der 90. Deutsche Röntgenkongress - interdisziplinär und praxisbezogen
Der 90. Deutsche Röntgenkongress findet in diesem Jahr vom 20. bis 23. Mai in Berlin auf der Messe Süd statt. Die Deutsche Röntgengesellschaft e.V. als Ausrichter des Kongresses erwartet auch für diesen Kongress wieder mehr als 7.000 Teilnehmer aus ganz Deutschland und dem Ausland. Neben den wissenschaftlichen Präsentationen und Postern zum aktuellen Stand der Forschung erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit, in Workshops, Refresherkursen und interdisziplinären Falldiskussionen ihre Kenntnisse zu den einzelnen Themengebieten zu vertiefen und Neues zu entdecken. Darüber hinaus präsentiert eine umfangreiche Industrieausstellung mit rund 130 Ausstellern neueste Entwicklungen der Medizintechnik.

Florian Schneider | idw
Weitere Informationen:
http://www.drg.de

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