Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Organspende: Nicht das Alter, sondern der biologische Zustand zählt

02.06.2010
Deutsche Herzstiftung appelliert an Bereitschaft älterer Menschen zur Organspende – „Extremer Mangel“ an Spenderherzen in Deutschland
(Frankfurt a. M., 2. Juni 2010) Kommt das Herz eines Menschen, der älter als 60 Jahre ist, für eine Organübertragung in Frage? Die Expertenantwort lautet: Grundsätzlich ja. Entscheidendes Kriterium ist nicht das Alter, sondern der biologische Zustand des Spenderorgans. Voruntersuchungen klären nicht zumutbare Vorerkrankungen.

Wenn am Tag der Organspende am 5. Juni Informationskampagnen bundesweit zur Organspende aufrufen, dürften sich viele der über 60-Jährigen fragen: Kommen meine Organe für eine Verpflanzung überhaupt in Betracht? „Um Spender zu sein, gibt es keine Altersgrenze“, sagt Prof. Dr. med. Dr. h.c. Friedhelm Beyersdorf, Direktor der Abt. für Herz- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung. „Außerdem geht es bei der Zuordnung des Organs um Blutgruppe, Körpergröße und Gewicht“, so Prof. Beyersdorf weiter.

Hierzulande herrscht ein „extremer Mangel“ an Spenderherzen, klagt Prof. Beyersdorf. Nur 347 Herz- und 16 kombinierte Herz-Lungen-Transplantationen wurden 2009 bundesweit durchgeführt. Das sind fünf Prozent weniger als im Jahr zuvor, so die Berechnungen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Den 363 Spenderherzen stehen allerdings rund 950 wartende Patienten gegenüber, die auf eine Herztransplantation hoffen. Hinzu kommt, dass die Sterblichkeit bei den Empfängern angestiegen ist. Die Wartezeit für die häufig todkranken Patienten ist viel zu lang, so dass sich deren Zustand dramatisch verschlechtert. „Wir führen 90 Prozent aller Transplantationen bei Empfängern durch, die auf der Intensivstation liegen“, bemerkt das Beiratsmitglied der Herzstiftung.

Um gegen dieses enorme Gefälle zwischen niedriger Spender- und hoher Empfängerzahl anzukämpfen, akzeptieren heute Transplantationszentren wie das Freiburger Universitätsklinikum auch „grenzwertige Organspender“, wie Prof. Beyersdorf einräumt. Zu diesen zählen Risikopatienten mit starkem Nikotinkonsum oder hohem Blutdruck. Bei ihnen wird mit Hilfe einer Herzkatheter-Untersuchung, der Koronarangiographie, abgeklärt, ob der Organzustand eine Verpflanzung zulässt. So lassen sich Koronarstenosen erkennen, die eine Übertragung verbieten würden. Für eine Herzspende kommt nicht in Frage, wer eine Herzklappen- oder Bypassoperation hinter sich hat und einen oder mehrere Stents (Herzkranzgefäßstützen) eingesetzt bekam. „Hier ist eine Arteriosklerose derart fortgeschritten, dass das behandelte Herz einem Empfänger nicht mehr zuzumuten ist“, betont Prof. Beyersdorf. Schwieriger sind Verpflanzungen der Herzen von Spendern, die zwischen 70 und 80 Jahre alt sind. Hier müsse jedes Transplantationszentrum selbst über den Zustand des Organs befinden und dann entscheiden.

Ein Organspendeausweis kann kostenlos bei der Deutschen Herzstiftung über die Telefonnummer 069 955128-0 bzw. mit einer E-Mail an info@herzstiftung.de angefordert werden.

Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle
Michael Wichert / Pierre König
Tel. 069/95 51 28-114/-140
Fax: 069/95 51 28-345
E-Mail: wichert@herzstiftung.de
koenig@herzstiftung.de

Pierre König | idw
Weitere Informationen:
http://www.herzstiftung.de

Weitere Berichte zu: Herzstiftung Organspende Spenderherz Verpflanzung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kleine Strukturen – große Wirkung

21.11.2017 | Materialwissenschaften

ESO-Beobachtungen zeigen, dass der erste interstellare Asteroid mit nichts vergleichbar ist, was wir bisher kennen

21.11.2017 | Physik Astronomie

DFKI-Roboter erkunden autonom Lavahöhlen auf Teneriffa

21.11.2017 | Energie und Elektrotechnik