Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nierenersatztherapie bei Kindern verbessern

18.06.2012
Heidelberger Wissenschaftler beteiligen sich an europaweit größtem Ausbildungs- und Forschungsnetzwerk für Bauchfelldialyse

Wissenschaftler aus acht europäischen Ländern – darunter ein Team des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg, dem deutschlandweit größten Kinder-Nierenzentrum – haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam die Bauchfell- oder Peritonealdialyse zu verbessern.

„Die Peritonealdialyse ist vor allem bei Kindern ein bewährtes Blutreinigungsverfahren bei Nierenversagen, in dem noch viel Entwicklungspotenzial steckt“, betont Professor Dr. Claus Peter Schmitt, Oberarzt der Sektion Pädiatrische Nephrologie am Heidelberger Zentrum. Mit seinem Team will er die schädlichen Langzeitwirkungen dieser Dialyseform auf das Bauchfell untersuchen und Gegenmaßnahmen entwickeln. Außerdem sollen Spezialisten ausgebildet werden, um die Anwendung auch auf erwachsene Patienten zu erweitern. Die EU fördert das Netzwerk EuTRiPD (European Training and Research in Peritoneal Dialysis) unter Federführung der Universitätsklinik Amsterdam drei Jahre lang mit 3,2 Millionen Euro.

Anders als bei der bekannteren Hämodialyse muss bei der Peritonealdialyse das Blut nicht außerhalb des Körpers über einen speziellen Filter geleitet werden: Über einen Katheter wird eine spezielle Dialyselösung in die Bauchhöhle gefüllt und mehrmals pro Tag bzw. Nacht gewechselt. In diese Lösung gibt das gut durchblutete Bauchfell (Peritoneum) schädliche Abfallprodukte des Stoffwechsels sowie überschüssiges Wasser aus dem Blut ab. Das schonende Verfahren ist vor allem bei kleinen Kindern die Therapie der Wahl: Ihr Blutvolumen ist so gering, dass ihr Kreislauf durch den vorübergehenden Blutentzug bei der Hämodialyse zusammenzubrechen droht.

Mit verbesserter Dialyselösung Schäden am Bauchfell verhindern

In Bezug auf ihre Wirksamkeit sind beide Dialyseverfahren gleichwertig. Die Peritonealdialyse bietet allerdings einige Vorteile: Sie kann zu beliebiger Zeit zuhause selbstständig durchgeführt werden. Die Patienten sind in ihrem Alltag weniger eingeschränkt als bei der Hämodialyse und fühlen sich u.a. wegen der gleichmäßigeren Entgiftung insgesamt oft wohler. Doch es gibt einen entscheidenden Nachteil: Mit der Zeit verändert sich die Struktur und damit die Durchlässigkeit des Bauchfells; die Reinigungsfunktion verschlechtert sich und nach wenigen Jahren müssen bereits viele Patienten auf Hämodialyse umstellen, wenn bis dahin keine Spenderniere zur Verfügung steht.

An dieser Stelle setzt das Heidelberger Forschungsprojekt an: Mit seinem Team baut Professor Schmitt eine bisher einmalige Gewebebank mit Bauchfellproben betroffener Kinder auf. „Bei Kindern können wir die Veränderungen des Bauchfells während der Dialyse präziser untersuchen als bei Erwachsenen, da sie keine Vorerkrankungen haben, die ebenfalls das Bauchfell beeinträchtigen“, erklärt der Kinder-Nephrologe.

Die Proben werden den Kindern entnommen, wenn zu Beginn der Therapie der Katheter gelegt und schließlich – in Deutschland bei Kindern im Durchschnitt nach anderthalb Jahren – die Spenderniere eingepflanzt wird. An diesen Gewebestücken untersuchen die Wissenschaftler mit Hilfe verschiedener bildgebender und molekularbiologischer Methoden, wie sich in dieser Zeit das Bauchfell verändert und welchen Einfluss die verwendeten Dialyselösungen darauf haben. „Unser Ziel ist es, Dialyselösungen zu entwickeln, die das Bauchfell erhalten und schützen“, so Schmitt. „Zum einen, um diese schonende Form der Dialyse länger zu ermöglichen, zum anderen um Spätschäden insbesondere an den Knochen und dem Herz-Kreislaufsystem zu vermeiden.“

Mehr Patienten sollen profitieren

Bisher kommt die Peritonealdialyse nur bei ca. zwei bis drei Prozent der erwachsenen Patienten mit Nierenversagen zum Einsatz. „Die Peritonealdialyse steht bisher noch im Hintergrund und wird den Patienten trotz ihrer Vorteile seltener angeboten. Es gibt einfach zu wenig Erfahrung auf diesem Gebiet“, bemängelt Schmitt. „Es besteht ein großer Bedarf an Forschung und Ausbildung.“ Neben der Weiterentwicklung des Verfahrens selbst ist es daher ein wichtiges Anliegen von EuTRiPD, Nachwuchsmediziner und -wissenschaftler zu Spezialisten auszubilden, um zukünftig mehr Patienten diese Behandlungsmöglichkeit zugänglich zu machen.

Weitere Informationen unter:
http://www.eutripd.eu
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Sektion-Paediatrische-Nephrologie

Kontakt:
Prof. Dr. med. Claus P. Schmitt
Geschäftsführender Oberarzt der Klinik Kinderheilkunde I
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg
Tel.: 06221 56-36688 (Sekr.)
E-Mail: claus.peter.schmitt@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Julia Bird
Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-7071
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: julia.bird(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs
Leiterin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-4536
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de
http://www.eutripd.eu/
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Sektion-Paediatrische-Nephrologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie