Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Beurteilungssystem für die Behandlung von zufällig entdeckten Aneurysmen

27.08.2015

Unter der Leitung der Neurochirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf hat ein internationales Forscherteam weltweit erstmalig ein systematisches Beurteilungsmodell für die Behandlung von nicht-rupturierten Aneurysmen der Hirngefäße entwickelt. Das sogenannte „Unruptured Intracranial Aneurysm Treatment Score (UIATS)“-System soll die Therapieentscheidung bei Patienten vereinheitlichen und optimieren. Die zentrale Frage kreist dabei in der Regel um die Entscheidung zwischen einer invasiven, d.h. einer chirurgischen / radiologischen Behandlung, oder der konservativen Verlaufsbeobachtung des Aneurysmas.

Damit einher geht die Abwägung zwischen dem Risiko für Komplikationen bei der Durchführung eines Eingriffs, beziehungsweise dem potentiellen Risiko einer mitunter lebensbedrohlichen Blutung durch Platzen des Aneurysmas bei der Verlaufsbeobachtung.


Das Bild zeigt ein hirnarterielles, sackförmiges Aneurysma, wie es bei etwa drei Prozent der Weltbevölkerung vorkommt. (Bild:HHU)

Ab sofort ist die Publikation über das Klassifikationssystems (UIATS) online unter www.neurology.org  einsehbar. Die Arbeit erscheint im Print am 8. September 2015 in Neurology, dem weltweit größten Journal für Neurologie der American Academy of Neurology.

Hirnarterielle Aneurysmen sind sackförmige Ausstülpungen der Gefäßwand, die bei etwa drei Prozent der Weltbevölkerung vorkommen. Aufgrund der zunehmenden Verfügbarkeit bildgebender Verfahren, wie z.B. der Magnetresonanztomographie (MRT), werden diese potentiell lebensgefährlichen Gefäßwandveränderungen immer häufiger zufällig entdeckt.

Da diese Patienten meist wegen einer anderen Erkrankung oder Symptomen, die nicht direkt einem Aneurysma zuzuordnen sind, einen Arzt aufsuchen, erfolgt die Abstimmung durch Ärzte verschiedenster Fachdisziplinen (Allgemeinmedizin, Neurologie, Neurochirurgie und Radiologie). Aufgrund deren unterschiedlichen Fachwissens in Bezug auf Aneurysmen fällt die Einschätzung über eine adäquate Behandlung häufig sehr verschieden aus.

Ausgehend von diesen sehr unterschiedlichen Herangehensweisen riefen 39 weltweit anerkannte Aneurysmaexperten vor vier Jahren eine fächerübergreifende Arbeitsgruppe ins Leben. Ziel der Arbeitsgruppe unter der Leitung von Neurochirurgen der Universitätskliniken Düsseldorf (Priv. Doz. Dr. Nima Etminan) und Toronto (Prof. Dr. Loch Macdonald) war es, ein System zu entwickeln, welches alle relevanten Faktoren bei der Beurteilung eines Aneurysmas berücksichtigt.

Behandelnde Ärzte können so letztlich sowohl individuelle als auch vereinheitlichte Therapieempfehlungen ableiten. Dazu wurde die Relevanz verschiedenster Faktoren, wie Größe, Form und Ort des Aneurysmas, sowie Alter und Lebenserwartung des Patienten, erfasst. Diese sind letztlich entscheidend für die Wahl der Behandlung:

Bei einem 77-Jährigen Patienten mit einem glatt geformten, fünf Millimeter großen Aneurysma sowie dem gleichzeitigen Vorliegen von Lungenkrebs (Lebenserwartung unter fünf Jahre), ist eine konservative Therapie/ eine Beobachtung die adäquate Variante. Eine 32 Jahre alte rauchende Frau mit Bluthochdruck und einem irregulär geformten, ebenfalls 5mm großem Aneurysma würde man hingegen eher invasiv behandeln.

Abschließend bestätigten 30 weitere unabhängige und internationale Aneurysmaexperten mit hoher Übereinstimmung die Gültigkeit von Therapieempfehlungen des „Unruptured Intracranial Aneurysm Treatment Score (UIATS)“- Systems. Eine Smartphone-App für den ärztlichen Gebrauch ist dazu bereits in Erprobung.

Publikation: The unruptured intracranial aneurysm treatment score: A multidisciplinary consensus by Nima Etminan, Robert D. Brown, Jr., Kerim Beseoglu, et al., DOI 10.1212/WNL.0000000000001891 Neurology published online August 14, 2015
www.neurology.org

Kontakt:
PD Dr. med. Nima Etminan, Leitender Oberarzt, E-Mail: etminan@uni-duesseldorf.de

Weitere Informationen:

http://www.uniklinik-duesseldorf.de/presse/detailansicht/article/neues-beurteilu...

Susanne Dopheide | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie