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Neuer Ansatz für Behandlung von bösartigen Hirntumoren

28.09.2009
Chemotherapie allein ebenso effektiv wie Strahlentherapie / Neuer positiver Prognosefaktor gefunden

Nach der Operation ist eine Chemotherapie allein für Patienten, denen ein sehr bösartiger Gehirntumor (anaplastisches Gliom) entfernt wurde, ebenso erfolgreich wie eine Strahlentherapie. Die Patienten überleben damit im Durchschnitt > 30 Monate ohne Rezidiv.

Eine von Heidelberger und Züricher Wissenschaftlern geleitete Studie der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Krebsgesellschaft konnte zeigen, dass die Patienten in der Primärtherapie in gleichem Maße von einer alleinigen Chemotherapie wie von einer alleinigen Radiotherapie (Bestrahlung) profitieren.

Außerdem konnte die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Wolfgang Wick, Ärztlicher Direktor der Abteilung Neuroonkologie des Universitätsklinikums Heidelberg, Professor Dr. Michael Weller, Direktor der Neurologischen Klinik des UniversitätsSpitals Zürich, sowie Professor Andreas von Deimling, Ärztlicher Direktor der Abteilung Neuropathologie des Universitätsklinikums Heidelberg, einen neuen Faktor identifizieren, der für eine positive Prognose - unabhängig von der Behandlungsform - spricht. Die Ergebnisse der Studie sind im "Journal of Clinical Oncology" veröffentlicht.

In Deutschland erkranken jährlich ca. 4.500 Menschen an einem Gliom, einem bösartigen Hirntumor. Rund 5 Prozent der primären Hirntumoren sind sogenannte anaplastische Gliome. Sie sprechen etwas besser auf die Therapie an als die meisten anderen bösartigen Hirntumoren. Das mediane Überleben in der Studie lag bei > 80 Monaten. Da sich die Tumoren sehr verzweigt im umliegenden Gewebe ausbreiten, können sie nicht vollständig entfernt werden. Eine nachfolgende Therapie in Form einer kombinierten Radiochemotherapie (Bestrahlung und Chemotherapie) ist der derzeitige Standard, schädigt aber häufig auch gesundes Hirngewebe, so dass z.B. die kognitiven Fähigkeiten des Patienten abnehmen.

Primäre Chemotherapie als gleichwertige Therapiemöglichkeit

Zwei vor kurzem durchgeführte Studien der European Organization for Research and Treatment of Cancer (EORTC) und der Radiation Oncology Therapy Group (RTOG) haben gezeigt, dass die kombinierte Radiochemotherapie nach dem bisher üblichen Schema keine besseren Therapieergebnisse bringt als die alleinige Radiotherapie. Die NOA-Studie wies nun nach, dass auch eine alleinige Chemotherapie nach chirurgischer Entfernung des Tumors einen gleichwertigen Erfolg hat. "Diese zusätzliche Therapieoption ermöglicht die Weiterentwicklung des Behandlungsschemas in neuen Kombinationen mit dem langfristigen Ziel, die Überlebensrate zu verbessern", sagt Professor Wolfgang Wick.

Genmutation sagt besseren Krankheitsverlauf voraus

Anaplastische Gliome werden abhängig von ihrer Gewebezusammensetzung in verschiedene Untergruppen eingeteilt, von denen man annimmt, dass sie unterschiedliche Prognosen haben. In dieser Studie jedoch hatten die vormals distinkten Untergruppen der oligodendroglialen Tumoren einen identischen klinischen Verlauf. Mit Hilfe umfangreicher molekularpatholgischer Untersuchungen am entnommenen Tumorgewebe identifizierten die Wissenschaftler einen neuen Prognosefaktor, die sogenannte IDH1-Mutation (Genveränderung der Isozitratdehydrogenase). Sie sagt unabhängig von der Gewebeart des anaplastischen Glioms und unabhängig von der Behandlung einen besseren Krankheitsverlauf voraus. Für den bereits bekannten Prognosefaktor "MGMT-Promotor-Methylierung" wiesen die Forscher nach, dass er nicht für die Chemotherapie prädiktiv, sondern für die Chemotherapie, aber auch für die alleinige Bestrahlung von prognostischem Wert ist. "Die Ergebnisse sind nicht nur für den klinischen Alltag, sondern auch für die aktuellen Studienkonzepte der großen Studiennetzwerke EORTC und RTOG relevant", erläutert Professor Wick.

Literatur:
NOA-04 Randomized Phase III Trial of Sequential Radiochemotherapy of Anaplastic Glioma With Procarbazine, Lomustine, and Vincristine or Temozolomide. Wolfgang Wick, Christian Hartmann, Corinna Engel, Mandy Stoffels, Jörg Felsberg, Florian Stockhammer, Michael C. Sabel, Susanne Koeppen, Ralf Ketter, Richard Meyermann, Marion Rapp, Christof Meisner, Rolf D. Kortmann, Torsten Pietsch, Otmar D. Wiestler, Ulrike Ernemann, Michael Bamberg, Guido Reifenberger, Andreas von Deimling, und Michael Weller, Journal of Clinical Oncology.
Weitere Informationen über die Neuroonkologie des Universitätsklinikums Heidelberg:

www.klinikum.uni-heidelberg.de/Abteilung-fuer-Neuroonkologie.106684.0.html

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Wolfgang Wick
Ärztlicher Direktor
Abteilung Neuroonkologie
Universitätsklinikum Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 400
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 70 75
Fax: 06221 / 56 75 54
E-Mail: wolfgang.wick(at)med.uni-heidelberg.de
Prof. Dr. Michael Weller
Neurologische Klinik
UniversitätsSpital Zürich
Frauenklinikstraße 26
CH-8091 Zürich
Tel.: +41 44 255 5500
Fax: +41 44 255 4507
E-Mail: michael.weller(at)usz.ch
Homepage: www.neurologie.usz.ch
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
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Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)
Bei Rückfragen von Journalisten:
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