Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Therapie für starke Knochen - Erbkrankheit gibt Dresdner Forschern entscheidenden Hinweis

10.12.2012
Wissenschaftler um Prof. Lorenz Hofbauer von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III und Dr. Christine Hamann von der Klinik für Orthopädie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden untersuchten gemeinsam mit ihren Kollegen vom Max-Bergmann-Zentrum Dresden sowie dem Biotechnologiekonzern Amgen ein neues Medikament zum Knochenaufbau, dessen Wirkprinzip auf der Blockade des Knochenproteins Sklerostin beruht.
Dr. Hamann erhielt dafür kürzlich den Young Investigator Award der Amerikanischen Knochengesellschaft ASBMR. Die Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler jetzt im Journal of Bone and Mineral Research.

Südafrika, 1960: Mehrere Insassen eines Vans erleiden bei einem schweren Verkehrsunfall mit einem entgegenkommenden Wagen massive Verletzungen, denen sie wenig später erliegen. Wie durch ein Wunder bleiben die Passagiere des anderen Autos bis auf Abschürfungen unverletzt. Die behandelnden Ärzte befragten die Überlebenden, die der weißen, europäischstämmigen Minderheit der Buren angehörten, und wurden hellhörig: Knochenbrüche waren in deren Großfamilie über Generationen hinweg nicht aufgetreten, weder nach Unfällen noch beim Rugby- oder Fußballspielen. Das offensichtlich äußerst stabile Skelett verdanken sie einer Erbkrankheit, die später als Van-Buchem-Krankheit bezeichnet wurde. Erst 2002 entschlüsselten Humangenetiker die Ursache: Van-Buchem-Erkrankten fehlt das Knochenprotein Sklerostin.

Die Blockade lösen

Und genau hier setzt die Forschung von Professor Lorenz Hofbauer und dessen Team am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden (UKD) und dem Zentrum für Regenerative Therapien Dresden – CRTD (DFG-Forschungszentrum und Exzellenzcluster) an: „Sklerostin ist offenbar ein Bremssignal für die Regeneration des Knochens. Fehlt die „Bremse“ Sklerostin wie bei der Van-Buchem-Krankheit, wird vermehrt Knochen aufgebaut und damit die Knochenstabilität verbessert.“

Dieses Prinzip machte sich Professor Hofbauer in Kooperation mit der Klinik für Orthopädie des UKD und dem Max-Bergmann-Zentrum der TU Dresden sowie einer Industriepartnerschaft mit dem Biotechnologiekonzern Amgen zunutze: gemeinsam konzipierte das Konsortium eine Studie, bei der Sklerostin mit Hilfe einer Antikörpertherapie gehemmt wurde. Dabei untersuchten die Forscher Ratten mit normaler oder aufgrund eines schweren Diabetes mellitus gestörter Knochenregeneration. Die Tiere erhielten zwei Injektionen pro Woche über einen Zeitraum von insgesamt zwölf Wochen. Dr. Christine Hamann, Projektleiterin der Studie aus der Klinik für Orthopädie und Leiterin der Tumororthopädie, fasst die verblüffenden Ergebnisse zusammen: „Die Sklerostin-Antikörpertherapie steigerte die Masse und Festigkeit des gesamten Skeletts sowohl bei den Diabetestieren als auch bei den normalen Ratten um bis zu 86 Prozent! Für mich als Orthopädin war vor allem die beschleunigte Knochenheilung nach einem Knochenbruch faszinierend – höchst wirksam und dabei ohne Nebenwirkungen.“

Die Forschungsergebnisse wurden soeben im Journal of Bone and Mineral Research publiziert und auf der Jahrestagung der Amerikanischen Knochengesellschaft ASBMR in Minneapolis mit dem mit 1.500 US-Dollar dotierten Young Investigator Award ausgezeichnet.

Aktuelle Osteoporosestudie
Als nächstes beabsichtigen die Knochenexperten am Osteoporosezentrum des UKD, dieses Medikament an Frauen mit Osteoporose im Alter zwischen 60 und 90 Jahren im Rahmen einer klinischen Phase-III-Studie zu untersuchen. Dies ist üblicherweise der letzte klinische Schritt vor der Zulassung eines neuen Medikaments. Dabei erhalten die Teilnehmerinnen alle notwendigen Untersuchungen und Medikamente in Form einer Monatsspritze kostenfrei und werden eng vom Ärzte- und Pflegeteam betreut. Die Rekrutierung von Studienteilnehmerinnen beginnt ab Januar 2013. Bei Interesse an der klinischen Studie kann das Sekretariat von Prof. Hofbauer unter Telefon: 0351 458 3173 oder E-Mail an theresa.reiche@uniklinikum-dresden.de kontaktiert werden.
Zitierung
Hamann C, Rauner M, Höhna Y, Bernhardt R, Mettelsiefen J, Goettsch C, Günther KP, Stolina M, Han CY, Asuncion FJ, Ominsky MS, Hofbauer LC. Sclerostin antibody treatment improves bone mass, bone strength, and bone defect regeneration in rats with type 2 diabetes mellitus. J Bone Miner Res. 2012 Oct 29.
doi: 10.1002/jbmr.1803.

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
an der Technische Universität Dresden
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Prof. Dr. med. Lorenz Hofbauer
Tel.: 0351 458 3173
Fax: 0351 458 4309
E-Mail: lorenz.hofbauer@uniklinikum-dresden.de
Internet: www.uniklinikum-dresden.de/mk3
Klinik und Poliklinik für Orthopädie
Dr. Christine Hamann
Leiterin Tumororthopädie
E-Mail: christine.hamann@uniklinikum-dresden.de

Holger Ostermeyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-dresden.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die bestmögliche Behandlung bei Hirntumor-Erkrankungen
28.03.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Demenz: Forscher testen Wirkstoffe im Hochdurchsatz
28.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Warum der Brennstoffzelle die Luft wegbleibt

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chlamydien: Wie Bakterien das Ruder übernehmen

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Sterngeburt in den Winden supermassereicher Schwarzer Löcher

28.03.2017 | Physik Astronomie