Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Therapie bei Knorpelschaden

25.08.2009
UKM führt wissenschaftliche Studie zur „Chondrogenese“ durch

Patienten wissen es: Knorpelschäden im Kniegelenk gehen mit einer großen Einschränkung der Aktivität einher. Unabhängig ob durch einen Unfall bedingt (traumatisch) oder aufgrund von Verschleiß (degenerativ) können die Schmerzen so ausgeprägt sein, dass sie zur Immobilisation führen. Das Problem für den Patienten ist, dass ein Knorpelschaden sich von alleine nicht regenerieren kann.

Operativ stehen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Bei einem Anfrischen (Mikrofrakturierung) kommt es zur Ausbildung eines Ersatzknorpels. Dieses Verfahren kann im Rahmen einer Gelenkspiegelung durchgeführt werden. Bei degenerativen oder größeren Defekten sind die Ergebnisse leider schlechter als bei traumatischen und kleinen Defekten. Bei großen Defekten kann eine Knorpelzelltransplantation durchgeführt werden.

Hier ist ein zweizeitiges Verfahren notwendig. Im Rahmen einer Kniespiegelung werden Knorpelzellen entnommen, die dann innerhalb von 3-4 Wochen in einem Laboratorium vermehrt werden und auf eine Matrix aufgetragen werden. Diese werden dann im Rahmen einer zweiten Operation implantiert. Häufig ist hierfür ein etwas größerer Schnitt notwendig. Da beide Verfahren bei größeren Defekten ähnliche Ergebnisse erzielen, wird die Knorpelzelltransplantation nur in bestimmten Fällen von der Krankenkasse finanziert.

An der Klinik für Unfall- Hand und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Münster wird nun in einer wissenschaftlichen Studie eine neue Form der Knorpeltherapie angewandt. Bei der „Knorpelgenese“ (Chondrogenese) werden die Vorteile der Knorpelzelltransplantation und der Mikrofrakturierung miteinander verbunden. Es handelt sich hierbei um ein einzeitiges Verfahren, dass bei einer Kniespiegelung (Schlüssellochoperation) angewandt wird. Zunächst wird der defekte Knorpel geglättet und eine Anfrischung (Mikrofrakturierung) durchgeführt. Anschließend wird als Gerüst für die neu entstehenden Knorpelzellen dieselbe Matrix wie bei einer Knorpelzelltransplantation implantiert, die nun erst nach der Implantation in das Knie mit Knorpelzellen besiedelt wird.

Die Matrix wird mit einem sich selbst auflösenden Stift fixiert. Dr. Zantop (Funktionsoberarzt Sporttraumatologie der Klinik für Unfallchirurgie) ist von der Methode überzeugt: „Ich halte diese Methode für sehr viel versprechend. Die Matrix kann über eine Schlüsselloch OP eingebracht werden und die Operation ist sehr schonend. Wir können die Patienten nun in einer Operation therapieren statt sie wie früher zur Implantation nochmals operieren zu müssen. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir die unsichere Komponente der entnommenen Knorpelzellqualität eliminieren, wie sie zum Teil bei einer Knorpelzelltransplantation vorhanden ist. „Diese Methode scheint sehr geeignet für Knorpeldefekte, da die Chondrogenese nun mit Hilfe der Matrix auch bei den größeren Defekten genutzt und so die guten Ergebnisse der Mikrofrakturierung erreicht werden können.“

Vorteile einer autologen Matrix induzierten Chondrogenese (Chondrotissue™)
• Sichere Applikation
• Keine zweite Operation notwendig
• Minimal invasiver Eingriff im Rahmen einer Gelenkspiegelung
• Fixation mit einem sich selbst auflösenden Stift
• Stabile Matrixeigenschaften
• Sofortige intra-operative Anwendung möglich
Die ersten Ergebnisse der internationalen Studie sind ermutigend. Die bisher in Münster mit dieser neuen Methode behandelten Patienten sind während der frühen Phasen sehr zufrieden. Univ.-Prof. Dr. med. Michael J. Raschke (Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie): „Wir sind sehr froh, dass wir diese neue Option im Repertoire haben und diese internationale Multicenter Studie initiieren konnten. Es erweitert die Therapieoptionen bei Patienten mit Knorpelschaden enorm. „Mit der Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie in Ghent/Belgien und der für Arthrosetherapie renomierten Praxis für orthopädische Chirurgie in Zürich/Schweiz haben wir zwei sehr kompetente und starke Partner gefunden.“

Während der Studie werden die Patienten engmaschig durch das Ärzteteam betreut. Insgesamt sind nach der Operation sieben Visiten über einen Zeitraum von 2 Jahren notwendig. Weitere Informationen erhalten Sie im Studienbüro der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Münster:

Betreuender Arzt:
FOA Dr. med. Thore Zantop
Sportsprechstunde
Mittwochs 8-15:00h
Studienbüro:
Stefanie Dickmänken Tel.: 0251-83 57604
Stefanie.Dickmaenken@ukmuenster.de

Judith Becker | Universitätsklinikum Münster (UK
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie