Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Diagnosekriterien für die Alzheimerkrankheit

05.07.2011
Frankfurter Wissenschaftler veröffentlicht mit internationalem Team Empfehlungen zu bahnbrechenden Schritten zur Verbesserung der Früh- und Differentialdiagnose von Gedächtnisstörungen und Alzheimer

Im Juni 2011 wurde unter Beteiligung des international renommierten Frankfurter Alzheimerforschers Prof. Dr. Harald Hampel und eines europäischen Expertenteams in einem der weltweit einflussreichsten klinischen Journale Lancet Neurology [1] eine Stellungnahme zu neuen diagnostischen Kriterien der Alzheimerkrankheit (AD) veröffentlicht.

Parallel dazu veröffentlicht Prof. Hampel, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, mit führenden Experten im anerkannten internationalen Hirnforschungsjournal Trends in Neurosciences [2] herausragende Befunde zur besonderen Rolle moderner bildgebender Verfahren (Neuroimaging) bei der Alzheimerfrühdiagnostik.

Die Zahl der AD-Kranken nimmt weltweit dramatisch zu und wird zu einer der führenden Volkskrankheiten. Leider wird die AD im klinischen Alltag oft zu spät erkannt oder mit anderen, klinisch ähnlich verlaufenden Erkrankungen verwechselt. Dies führt zu unzureichender oder gar falscher Behandlung. Eine sichere Frühdiagnostik ist wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Bekämpfung der AD-Epidemie.

Seit Jahren wird daher an einer Verbesserung der AD-Diagnostik gearbeitet: Die neuen Diagnosekriterien, die vom amerikanischen National Institute of Aging und der Alzheimer Association erstellt wurden, tragen diesen jüngsten Fortschritten in der Alzheimerforschung Rechnung. Sie beziehen explizit den Gebrauch von Biomarkern als zusätzliche Methode zur Erhöhung der diagnostischen Sicherheit mit ein. Biomarker sind objektiv messbare Indikatoren (z.B. die Konzentration bestimmter Eiweißstoffe im Nervenwasser oder die Volumenminderung bestimmter Hirnbereiche in bildgebenden Verfahren), die AD-typische pathologische Veränderungen aufzeigen. Zu solchen Veränderungen gehören die Akkumulation des Aβ-Proteins im Gehirn sowie ein fortschreitender Untergang von Nervenzellen mitsamt ihren Verknüpfungen und Nervenbahnen im Gehirn.

Für diese beiden pathologischen Kardinalprozesse liegen mittlerweile zahlreiche validierte Biomarker vor, deren Beobachtung von bildgebenden Verfahren (z.B. der Magnetresonanz- oder Positronemissionstomographie) bis hin zu chemischen und molekularen Untersuchungen des Nervenwassers reichen.

Eine wesentliche Frage betrifft die Anwendung und Anwendbarkeit dieser Biomarker in Praxis und klinischem Alltag. Hier weisen Prof. Hampel und weitere Autoren auf folgende wichtige zu berücksichtigende Aspekte hin.

Der Gebrauch von Biomarkern hilft grundsätzlich, die Früh- und Differentialdiagnose der AD zu verbessern. Jedoch ist die Abnahme, Verarbeitung und Analyse dieser Biomarker noch nicht ausreichend einheitlich standardisiert, was die Ergebnisbeurteilung und die Interpretation zweideutiger oder widersprüchlicher Befunde deutlich erschweren kann.

Deshalb gibt die Expertengruppe, deren Mitglied Prof. Hampel ist, eindeutige Empfehlungen zum Umgang mit diagnostischen AD-Biomarkeruntersuchungen in der klinischen Praxis. AD-Biomarker werden für den Einsatz in der klinischen Diagnostik eindeutig empfohlen, sollen jedoch bevorzugt in klinischen Expertenzentren eingesetzt werden, die über die nötige Methodenexpertise, etablierte Standards und ausreichend Erfahrung verfügen. Denn ausschließlich solche Zentren können die notwendigen Standardprozeduren, die Analysequalität und die korrekte Interpretation der Biomarkerbefunde gewährleisten. Nur so verbessern Biomarker tatsächlich die AD-Diagnose. In der Regel erfüllen vornehmlich größere klinische Zentren mit angeschlossenen Gedächtnis- oder Demenzambulanzen, eigens ausgerüsteten Laboren und langjähriger Erfahrung in der Biomarkerentwicklung diese Anforderungen.

Die neuen Diagnosekriterien sollen baldmöglichst zum breiten klinischen Einsatz kommen. Denn Patienten und Angehörige erwarten ungeduldig, dass diese Fortschritte Wirklichkeit werden. Das Frankfurter Universitätsklinikum mit der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie bietet hierbei die neuesten Diagnose- und Therapieverfahren für Menschen für Gedächtnisstörungen an.

Referenzen:
[1] Frisoni GB, Hampel H, O'Brien JT, Ritchie K, Winblad B. Revised criteria for Alzheimer's disease: what are the lessons for clinicians? Lancet Neurology 2011 Jul;10(7):598-601

[2] Ewers M, Sperling RA, Klunk WE, Weiner MW, Hampel H. Neuroimaging markers for the prediction and early diagnosis of Alzheimer's disease dementia. Trends in Neurosciences 2011 Jun 20. [Epub ahead of print]

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.psychiatrie.uni-frankfurt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

WHZ erhält hochmodernen Prüfkomplex für Schraubenverbindungen

23.05.2017 | Maschinenbau

«Schwangere» Stubenfliegenmännchen zeigen Evolution der Geschlechtsbestimmung

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Tumult im trägen Elektronen-Dasein

23.05.2017 | Physik Astronomie