Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Multiple Sklerose bei Kindern an Augen erkennen

29.08.2012
Multiple Sklerose (MS), eine chronisch-entzündliche Erkrankung von Gehirn und Rückenmark, beginnt bei Kindern und Jugendlichen häufig mit Sehstörungen.
Darauf macht die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) anlässlich einer Studie aufmerksam. Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, da die Behandlung den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen kann.

Multiple Sklerose gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen bei jungen Erwachsenen. Weltweit sind davon etwa 2,5 Millionen Menschen betroffen. In Deutschland leiden von 100◦000 Menschen schätzungsweise 149 an MS. Durch Angriffe der körpereigenen Abwehr auf die Fortsätze der Nervenzellen bilden sich im gesamten Zentralnervensystem Entzündungsherde. Die Symptome reichen von leichten Missempfindungen über Lähmungen bis hin zu schwersten Behinderungen. Häufig treten die ersten Anzeichen im Alter von 20 bis 40 Jahren auf. Etwa jeder zwanzigste Patient erkrankt aber bereits als Kind oder Jugendlicher. Eine rückblickende Untersuchung der Göttinger Universitätsaugenklinik zeigt nun, dass fast die Hälfte der jungen Patienten über Beschwerden an den Augen klagen.

Die Forscher analysierten die Daten von 44 Kindern mit MS, die zwischen 1997 und 2011 an der Universitätsaugenklinik Göttingen untersucht wurden. Darin zeigte sich, dass bei den jungen Patienten häufig eine Entzündung des Sehnervs auftrat. „Diese Neuritis nervi optici macht sich durch plötzliche Sehstörungen bemerkbar, die von Schmerzen begleitet sein können“, sagt DOG-Experte Professor Dr. med. Joachim Esser von der Augenuniversitätsklinik Essen. Die Sehnervenentzündung markiere auch bei Erwachsenen oft den Beginn einer MS. Bei vielen Kindern in der Göttinger Studie äußerten sich erste Anzeichen einer Erkrankung auch in unkontrollierbaren, rhythmischen Augenbewegungen. Dieser sogenannte Nystagmus nimmt bei Menschen mit Multiple Sklerose oft die Form eines „Upbeat-Nystagmus“ an: Dabei bewegen sich die Augen aus der neutralen Position in mehr oder weniger regelmäßiger Folge schlagartig nach oben.

Mitunter führt Multiple Sklerose auch früh zu einer Schwäche in den Augenmuskeln. „Denn die Krankheit befällt oft einen bestimmten Hirnnerv, den Nervus abducens“, sagt Professor Esser, der Experte für Augenmuskel-, Lid- und Orbitachirurgie ist. Der Nerv kontrolliert die Augenbewegung nach außen. Versagt er, sehen Betroffene beim Blick zur Seite Doppelbilder. Bei den jungen Patienten der Studie traten außerdem Entzündungen der Regenbogenhaut im Auge auf. Diese schmerzhafte Uveitis führt zu geröteten, tränenden Augen. Die Betroffenen sind lichtempfindlich und haben ständig das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben.

„Augenärzte sind in der Regel mit den Symptomen von Multiple Sklerose vertraut“, sagt Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Pressesprecher der DOG aus Frankfurt am Main. Die Kollegen überweisen die Patienten an einen Neurologen, damit dieser die Diagnose bestätigt und die Therapie einleitet. Kinder und Jugendliche mit diesen Störungen sollten einen Augenarzt aufsuchen, rät die DOG. Häufig finden sich harmlose Ursachen für die Symptome. Wenn aber eine Multiple Sklerose vorliegt, kann eine frühzeitige Therapie den Verlauf der Erkrankung bessern. Im günstigen Fall lassen sich dadurch spätere Lähmungen hinauszögern oder ganz vermieden.

Literatur:
M. Pfriem, L. Ababneh, M.P. Schittkowski. Augenärztliche Aspekte Multipler Sklerose im Kindes- und Jugendalter. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2012; doi: 10.1055/s-0032-1315045

DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung

Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6000 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Pressekontakt für Rückfragen:
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-552
Telefax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie