Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mini-Moleküle helfen dem Hirn

18.09.2013
Die Philipps-Universität beteiligt sich an einem neuen europäischen Forschungsverbund, der zu einer verbesserten Behandlung von Epilepsie führen soll.

Die beteiligten Wissenschaftler möchten herausfinden, wie so genannte Micro-RNAs die Erkrankung und ihre Behandlung beeinflussen können. Hierfür unterstützt die Europäische Union das Vorhaben unter dem Titel „Micro-RNAs in der Pathogenese, Therapie und Vorbeugung der Epilepsie” (EpiMiRNA) in den nächsten fünf Jahren mit insgesamt 11,5 Millionen Euro. Der Marburger Neurologe Professor Dr. Felix Rosenow koordiniert die klinischen Studien im Rahmen des Konsortiums.

„Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit und betrifft insbesondere Kinder und Jugendliche sowie ältere Personen“, erläutert Rosenow, der das Epilepsiezentrum Hessen an der Philipps-Universität leitet. Mehr als 50 Millionen Menschen sind weltweit betroffen. Derzeit leiden 30 Prozent der Patienten weiterhin unter Anfällen, obwohl sie behandelt werden. Dies wirkt sich in einer erhöhten Sterblichkeit und einem erhöhten Verletzungsrisiko sowie in einer deutlichen Minderung von Lebensqualität und sozialer Teilhabe aus. „Es sind also dringend neue Ansätze erforderlich, um diesen Patienten zu helfen“, stellt Rosenow fest.

Micro-RNAs (MiRNA) sind kurze Kettenmoleküle, die im Bau der Erbsubstanz DNA ähneln. Sie bestimmen, wie häufig aus einem Gen ein Protein entsteht. „Die Mitglieder des Konsortiums sind Pioniere bei der Entdeckung von Micro-RNAs, die speziell für Hirnfunktionen von Belang sind“, konstatiert Rosenow. So beschrieb der Marburger Biochemiker Professor Dr. Gerhard Schratt bereits im Jahr 2006, welche Bedeutung eine bestimmte Micro-RNA-Familie (miR-134) für die Entwicklung von Nervenzellen hat. „EpiMiRNA“- Gesamtkoordinator Professor David Henshall vom Royal College of Surgens in Ireland, Dublin, und andere Verbundmitglieder zeigten, wie sich die Funktionsweise von Micro-RNA experimentell verändern lässt, so dass anfallsbedingte Hirnschädigungen deutlich vermindert werden.

„Der Forschungsverbund zielt darauf, mithilfe von Micro-RNA das Verständnis von Krankheitsprozessen zu verbessern, die zu Epilepsie führen“, erklärt Rosenow; außerdem sind die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darauf aus, die Vorhersage der Krankheit zu erleichtern und neue Behandlungsmöglichkeiten sowie Medikamente zu entwickeln. So wollen die Forscherinnen und Forscher zum Beispiel die Mechanismen der Epilepsie-Entstehung klären, genetische Variationen im Bereich des Micro-RNA-Stoffwechsels bei Patienten aufspüren und die anfallsunterdrückende Wirkung von Micro-RNA experimentell untersuchen. Des Weiteren möchten die Verbundmitglieder herausfinden, ob Micro-RNA dazu geeignet ist, das Ansprechen auf eine Therapie vorherzusagen, etwa auf tiefe Hirnstimulation.

Das Konsortium führt Experten für Neurobiologie, Epilepsiegenetik, Proteinanalyse und Systembiologie aus neun europäischen Ländern, den USA und Brasilien mit Epileptologen zusammen, die Erfahrung mit der Durchführung klinischer Studien besitzen. Vier der beteiligten Wissenschaftlerteams gehören der Philipps-Universität an: Das Epilepsiezentrum Hessen, (Professor Dr. Felix Rosenow), das Institut für Physiologische Chemie (Professor Dr. Gerhard Schratt), das Institut für Pharmakologie und Klinische Pharmazie (Professor Dr. Carsten Culmsee) sowie die Abteilung für Allgemeine und Biologische Psychologie (Professor Dr. Rainer Schwarting). An die Marburger Arbeitsgruppen fließen 2,9 Millionen Euro. Das Konsortium umfasst außerdem mehrere kleine und mittelständische Unternehmen, die sich mit Therapien auf der Basis von Micro-RNA beschäftigen.

Weitere Informationen:
Ansprechpartner: Professor Dr. Felix Rosenow,
Epilepsiezentrum Hessen
Tel.: 06421-58 65348, -65345 (Andrea Schiller, Sekretariat)
E-Mail: Rosenow@staff.uni-marburg.de

Johannes Scholten | idw
Weitere Informationen:
http://www.epimirna.eu
http://www.uni-marburg.de

Weitere Berichte zu: Epilepsie Epilepsiezentrum Hirn Micro-RNA Mini-Moleküle Verbundmitglieder

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neurorehabilitation nach Schlaganfall: Innovative Therapieansätze nutzen Plastizität des Gehirns
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

nachricht Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

Die Stromregelung ist eine der wichtigsten Komponenten moderner Elektronik, denn über schnell angesteuerte Elektronenströme werden Daten und Signale übertragen. Die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datenübertragung wachsen dabei beständig. In eine ganz neue Dimension der schnellen Stromregelung sind nun Wissenschaftler der Lehrstühle für Laserphysik und Angewandte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vorgedrungen. Ihnen ist es gelungen, im „Wundermaterial“ Graphen Elektronenströme innerhalb von einer Femtosekunde in die gewünschte Richtung zu lenken – eine Femtosekunde entspricht dabei dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde.

Der Trick: die Elektronen werden von einer einzigen Schwingung eines Lichtpulses angetrieben. Damit können sie den Vorgang um mehr als das Tausendfache im...

Im Focus: The fastest light-driven current source

Controlling electronic current is essential to modern electronics, as data and signals are transferred by streams of electrons which are controlled at high speed. Demands on transmission speeds are also increasing as technology develops. Scientists from the Chair of Laser Physics and the Chair of Applied Physics at Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) have succeeded in switching on a current with a desired direction in graphene using a single laser pulse within a femtosecond ¬¬ – a femtosecond corresponds to the millionth part of a billionth of a second. This is more than a thousand times faster compared to the most efficient transistors today.

Graphene is up to the job

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hologramm für Moleküle

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Motorprotein tanzt in unseren Zellen

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Tauben beim Multitasking besser als Menschen

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie