Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Millionen-Förderung für Erforschung von Knochenmarkkrebs

07.06.2011
Abteilung Multiples Myelom des Universitätsklinikums Heidelberg will Risikobewertung verbessern und neue Therapien entwickeln

Die Abteilung Multiples Myelom der Medizinischen Universitätsklinik und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg hat im April gleich mit zwei Forschungsprojekten eine ansehnliche Summe an Fördergeldern eingeworben.

In dem Projekt von Professor Dr. Hartmut Goldschmidt, Leiter der Abteilung, geht es unter anderem darum, die Prognose von Patienten mit Multiplem Myelom (einer bösartigen Erkrankung des blutbildenden Systems) genauer bewerten zu können, um dadurch die Therapie zu verbessern. Die Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung beträgt 1,2 Millionen Euro über drei Jahre. Das zweite Projekt wird im Rahmen der Kooperationsforschung der Europäischen Kommission zum Thema "Gesundheit" mit insgesamt knapp drei Millionen Euro gefördert. Rund 500.000 Euro davon fließen dem Teilprojekt in Heidelberg unter der Leitung von Dr. Dirk Hose, Leiter des Labors für Myelomforschung, zu. Die Forscher wollen Resistenzmechanismen der Tumorzellen aufklären und darauf basierend neue Medikamente entwickeln.

Das Multiple Myelom ist eine Tumorerkrankung, die von Antikörper-produzierenden Zellen (einer bestimmten Art weißer Blutkörperchen) im Knochenmark ausgeht. In Deutschland werden jedes Jahr etwa 3.500 Neuerkrankungen festgestellt, etwa 25.000 europaweit. Die Tumorzellen beeinträchtigen die Blutbildung und schwächen die Knochensubstanz. Dadurch kommt es zu Knochenschmerzen, Brüchen, Blutarmut und Infektanfälligkeit. Medikamente können die Symptome bei guter Lebensqualität der Patienten auch langfristig zurückdrängen. Oft kommt es jedoch nach einiger Zeit zu einem Rückfall und zur Therapieresistenz. Bisher ist die Erkrankung meist nicht heilbar. Die mittlere Überlebenszeit ist sehr variabel und beträgt einige Monate bis über 15 Jahre.

HM-Metascore für eine zuverlässigere Prognose

Das Ziel des Projektes "Clinical applicable multimodal prediction of survival in Multiple Myeloma" (CAMPSIMM) ist es, Risikofaktoren und die zu erwartende Überlebenszeit des Patienten verlässlich einschätzen zu können, damit sich der behandelnde Arzt entsprechend dem individuellen Risiko für eine mehr oder weniger aggressive Therapie entscheiden kann. Bislang ist es jedoch schwierig, im klinischen Alltag eine zusammenfassende Prognose abzugeben. Mit dem sogenannten Genexpressions-Report wurde in Heidelberg erstmals eine frei zugängliche Software entwickelt, welche verschiedene Risikofaktoren in einen Befund integriert. Um die Anwendung zu erleichtern, werden die Risikofaktoren im „Heidelberg-Montpellier-Metascore“ (HM-Metascore) zusammengefasst, der es dem Arzt erlaubt, eine einzige prognostische Abschätzung abzugeben. Das Projekt erfolgt in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Bernard Klein von der Universität in Montpellier.

„Wir möchten mit unserem HM-Metascore dem behandelnden Arzt sowie unseren Patienten unter Berücksichtigung aller bekannten Prognoseparameter einen einzigen Wert mit einer klaren Aussage an die Hand geben, der das weitere therapeutische Vorgehen bestimmt“, erklärt Goldschmidt. Er hofft, das klinische Prozedere dadurch zu vereinfachen.

Therapieresistenz verstehen und überwinden

In dem Projekt "Overcoming clinical relapse in Multiple Myeloma by understanding and targeting the molecular causes of drug resistance" (OVER-MyR) geht es darum, die genauen Mechanismen aufzuklären, die einen Rückfall und die Resistenz der Tumorzellen verursachen, um neue Behandlungsstrategien ausarbeiten zu können. Der Hauptgrund für die Unheilbarkeit der Erkrankung ist der, dass die Tumorzellen zwar zunächst auf die Therapie ansprechen, im Laufe der Zeit aber spezifische Mechanismen entwickeln, die die Medikamente unwirksam machen. Kennt man die molekularen Abläufe, kann man neue Substanzen entwickeln, die entweder den Resistenzmechanismus umgehen, oder die Tumorzellen wieder empfindlich machen für die zuvor angewendeten Medikamente.

„Das Multiple Myelom zeichnet sich durch eine enorme Heterogenität aus. Die Resistenzmechanismen, die der Tumor entwickelt, gehen dabei nicht nur ihm selbst aus“, erläutert Hose. „Sie werden auch durch das umliegende Gewebe und die angewendeten Medikamente, meist eine Kombination verschiedener Substanzen, beeinflusst. Das sind alles Faktoren, die die Forschung erschweren.“ Das Projekt wird von der Belgierin Professor Dr. Karin Vanderkerken koordiniert und bündelt die Expertise namhafter europäischer Myelomzentren.

Kontakt:
Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt
Medizinische Klinik V
Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 80 03
Fax: 06221 / 56 56 47
E-Mail: hartmut.goldschmidt@med.uni-heidelberg.de

Dr. med. Dirk Hose
Medizinische Klinik V
Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 6140
Fax: 06221 / 56 62 38
E-Mail: dirk.hose@med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg Im Neuenheimer Feld 672 69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise