Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MHH-Forscher gewinnen neue Erkenntnisse zur Entstehung und Therapie von Leukämie

07.02.2014
Zwei Doktorarbeiten in der Fachzeitschrift „Leukemia“ veröffentlicht

Wissenschaftler der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) konnten neue Erkenntnisse zur Therapie von Leukämie (Blutkrebs) gewinnen. Sie veröffentlichten dazu zwei Arbeiten in der Fachzeitschrift „Leukemia“.

Down-Syndrom-Leukämie: Eosinophile gehen aus Leukämiezellen hervor

In der ersten Arbeit konnten sie für Kinder, die das Down-Syndrom haben und an Leukämie erkrankt sind, eine neue Therapieoption entwickeln und im Reagenzglas testen. Sie wollen nun untersuchen, ob sich mit Hilfe dieser Erkenntnisse die Überlebenschancen für diese Kinder steigern lassen. In Deutschland leben etwa 50.000 Kinder mit Down-Syndrom. Sie haben im Vergleich zu Gesunden ein 20-fach erhöhtes Risiko, an Leukämie zu erkranken.

Die MHH-Forscher haben festgestellt, dass ein Teil der Kinder mit Down-Syndrom und Leukämie vermehrt Eosinophile im Blut aufweist – weiße Blutzellen, die normalerweise nur bei Allergien oder Parasitenbefall gehäuft vorkommen. Dr. Aliaksandra Maroz, die auf Grundlage dieser Arbeiten ihre Doktorarbeit geschrieben hat, konnte nachweisen, dass bei Kindern mit Down-Syndrom-Leukämie die Eosinophilen aus den eigentlichen Leukämiezellen hervorgehen. Sie trugen die gleiche Gen-Mutation wie die Leukämiezellen.

„Wir untersuchten das mutierte Gen genauer und konnten eine neue Erklärung finden, wie das Gen zur Leukämieentstehung beiträgt. Zudem entdeckten wir eine bisher unbekannte Rolle des Gens bei der Bildung von Eosinophilen“, sagt Dr. Jan-Henning Klusmann, in dessen Arbeitsgruppe die Forschungen durchgeführt worden sind.

Micro RNA miR-9 kann Wachstum unreifer Leukämiezellen unterdrücken

Gemeinsam mit Wissenschaftlern des Erasmus Medical Center, Rotterdam, konnte das Team um Dr. Klusmann in der zweiten Arbeit die Bedeutung bestimmter kurzer Ribonukleinsäureketten (microRNA) bei der Leukämieentstehung klären. Sie führten dazu das bisher größte microRNA-Screening bei Kindern mit einem bestimmten Blutkrebs durch, der so genannten akuten myeloischen Leukämie. „Bei Leukämie kommt es zur bösartigen Vermehrung von unreifen Blutzellen. Sie verdrängen die normalen Blutzellen, so dass diese ihre wichtigen Funktionen nicht mehr ausführen können. In dem Screening konnten wir eine microRNA identifizieren (miR-9), die bei einer bestimmten Gruppe der Leukämien das bösartige Wachstum der unreifen Zellen unterdrückt“, erläutert Dr. Klusmann. Dr. Stephan Emmrich promovierte anhand dieser Arbeit und konnte auch den Mechanismus aufklären: miR-9 bringt die unreifen Leukämiezellen zur Ausreifung, wodurch sich diese nicht mehr vermehren können. Zurzeit erproben Wissenschaftler bei verschiedenen Erkrankungen unterschiedliche Therapien, die auf microRNAs basieren. „Vielleicht können in Zukunft auch Leukämien mit Therapien behandelt werden, die auf Veränderungen der microRNA beruhen“, sagt Dr. Klusmann.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Jan-Henning Klusmann, Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, Telefon (0511) 532-3252, klusmann.jan-henning@mh-hannover.de

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Proteomik hilft den Einfluss genetischer Variationen zu verstehen
27.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE