Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Meilenstein in der Leukämieforschung

04.02.2011
Wichtiger Meilenstein in der Behandlung der akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL), der häufigsten Krebserkrankung bei Kindern und Jugendlichen! Einem internationalen Forscherteam unter Leitung einer Arbeitsgruppe der Klinik- für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Ulm ist es gelungen, die charakteristischen genetischen Muster zu entschlüsseln, die bei sehr vielen Patienten zu einem Wiederauftreten (Rezidiv) der lebensbedrohlichen Erkrankung führen.

„Insbesondere der frühe Rückfall innerhalb der ersten zwei Jahre nach Diagnosestellung, zum Teil noch während der Therapie, ist mit einer schlechten Prognose verbunden. Daher ist es notwendig, diese Hochrisikogruppe zu erkennen und entsprechend zu behandeln. Unsere Forschungsergebnisse bieten dafür eine sehr gute Grundlage“, sagt Dr. Lüder Meyer, Funktionsoberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin sowie Leiter der Ulmer Forschergruppe.

Obwohl die erfolgreiche Entwicklung der Behandlung der akuten lymphoblastischen Leukämie in den vergangenen zwei Jahrzehnten dazu geführt hat, dass rund 80 % der Patienten dauerhaft geheilt werden können, kommt es bei jedem fünften Patienten zum Therapieversagen und zum Rückfall, der eine deutlich ungünstigere Prognose bedeutet. „Die Identifizierung von Patienten mit Frührezidiven wurde in der Vergangenheit dadurch erschwert, dass die Mehrzahl dieser Patienten zunächst als Niedrigrisikopatienten eingestuft wurden, also zu Behandlungsbeginn mit den derzeit verfügbaren Methoden nicht als Hochrisikopatienten erkannt werden konnten“, erläutert Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, der zusammen mit Dr. Lüder Meyer und Dr. Sarah Eckhoff die Ulmer Arbeitsgruppe bildet.

Zusammen entwickelten sie ein wissenschaftliches Modell, das, ausgehend von Leukämiezellen die direkt von Patienten stammen, die Leukämieerkrankung nachahmt. „In den vergangenen Jahren konnten wir so eine weltweit einzigartige Sammlung von Leukämien etablieren“, sagt Dr. Meyer und ergänzt: „Wir können nun besondere Subtypen der Leukämie identifizieren, die typisch für Patienten mit einem frühen Wiederauftreten der Leukämie sind.“

Was bedeutet dieses deutlich frühere Wissen für die Therapie? „Durch die detaillierte zell- und molekularbiologische Analyse konnten wir Veränderungen an Signalmolekülen nachweisen, die für Wachstum, Differenzierung und Zelltod von Leukämiezellen verantwortlich sind und die wir durch Medikamente beeinflussen können“, erläutert Prof. Debatin. Somit würden sich gute Hinweise dafür ergeben, dass auch diese mit einer sehr schlechten Prognose in Verbindung gebrachten Frührezidive einer Leukämie im Kindesalter behandelbar sind.

Die Ulmer Ärzte und Forscher in Personalunion sprechen in diesem Zusammenhang von einem Klassifikator, der in Kooperation mit Dr. Hans Kestler vom Institut für Neuroinformatik (Arbeitsgruppe Bioinformatik) der Universität Ulm gefunden wurde. Dieser kann die Hochrisikogruppe definieren und wird derzeit weiterentwickelt. Bestätigt wurde die Bedeutung des typischen Genexpressionsmusters auch im Rahmen der Zusammenarbeit mit Prof. G. Basso und Dr. G. te Kronnie von der Universität Padua (Italien), mit der die Universität Ulm und ihre Graduiertenschule eine Partnerschaft unterhält: In einer unabhängigen Gruppe von Patienten, die nach dem gleichem System behandelt worden sind, konnten ebenfalls die meisten Patienten mit einem frühen Rückfall identifiziert werden.

„Der frühe Rückfall einer akuten lymphoblastischen Leukämie ist generell schwer zu therapieren. Wir arbeiten derzeit innerhalb der internationalen Arbeitsgruppe an einer Weiterentwicklung des Modells und den sich daraus ergebenden therapeutischen Fragestellungen. Wir sind sicher, mit unseren Analysen einen Weg gefunden zu haben, der zur Identifizierung und Charakterisierung von besonderen Risikogruppen bei der ALL beiträgt“, fasst Prof. Debatin zusammen.

Weitere Informationen:
Die Forschungsergebnisse werden in der Februarausgabe des renommierten Wissenschaftsmagazins Cancer Cell unter dem Titel „Early Relapse in Pediatric ALL is identified by Time To Leukemia in NOD/SCID mice and is characterized by a gene signature involving survival pathways“ veröffentlicht.

(doi: 10.1016/j.ccr.2010.11.014)

Gerne helfen wir Ihnen bei der Organisation von Interviews oder Dreharbeiten. Nehmen Sie bitte Kontakt zu Jörg Portius, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Universitätsklinikum Ulm, unter der Rufnummer 0731 500-43043 auf.

Das angehängte Foto zeigt Dr. Lüder Meyer, Funktionsoberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin (Pädiatrische Onkologie und Hämatologie) sowie Leiter der Ulmer Forschergruppe.

Jörg Portius | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-ulm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

nachricht MRT-Kontrastmittel: Neue Studie spricht für Sicherheit
17.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie