Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Magenkrebs: Neue Methode kann Totaloperation ersparen - minimal invasiver Eingriff entfernt den Krebs gezielt

05.11.2008
Magenkrebs - diese Diagnose bedeutete bislang stets das Entfernen des Magens oder ganzer Teile, mit entsprechenden Folgen für die Betroffenen.

Mit einer neuen minimal invasiven Technik können Ärzte jetzt in vielen Fällen während einer Magenspiegelung den Krebs gezielt entfernen, den Magen aber als Ganzes belassen. Möglich macht dies unter anderem die immer frühere und genauere Entdeckung bösartiger Veränderungen.

Darüber berichtet Priv.-Doz. Dr. Siegbert Faiss, Chefarzt der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der Asklepios Klinik Barmbek, in der aktuellen Ausgabe der Asklepios-Ärzteschrift medtropole.

Außerdem präsentiert Faiss das neue Verfahren am kommenden Wochenende auf dem 16. Endo Club Nord, dem größten internationalen Live-Endoskopiekongress, vor mehr als 2.000 Kollegen aus aller Welt.

Endoskopische Kameras liefern heute hochauflösende Bilder vom Zustand des Magens und seiner Schleimhaut. Hier liegt die Chance für das neue Verfahren, die endoskopische Submukosa-Dissektion (ESD). Hinter dem Fachbegriff verbirgt sich nichts anderes als das gezielte Abtragen von Teilen der Verbindungsschicht (Submukosa) zwischen Magenschleimhaut und Magenwand. Ist der Krebs bereits in die aus glatten Muskelzellen bestehende Magenwand eingedrungen, ist oft eine Totaloperation notwendig. Wird dagegen ein früher Krebs rechtzeitig erkannt, kann er heute mit dem Endoskop komplett aus dem Magen geschnitten werden, ohne dass die Magenwand mit entfernt werden muss. Dabei ist der Zeitfaktor von entscheidender Bedeutung. Die Tiefe, in die sich Krebsgeschwüre oder ihre Vorstufen in die Schleimhaut und die darunter liegende Submukosa vorgearbeitet haben, entscheidet über den Erfolg der neuen endoskopischen Methode. Auch die Ausbreitung in der Fläche spielt eine Rolle. Generell gilt: je weniger, desto besser die Chance, mit dem minimal invasiven Eingriff den Krebs oder seine Vorstufen zu entfernen und den Magen als Ganzes zu erhalten.

Auch bei Krebs in der Speiseröhre erfolgreich

Die neue Methode lässt sich auch in der Speiseröhre anwenden. In Speiseröhre und Magen bestehen die besten Aussichten auf Erfolg, wenn lediglich die Magenschleimhaut durch Krebszellen befallen ist, die darunter liegende Schicht jedoch noch nicht. Zwar wird auch bisher schon die erkrankte Magenschleimhaut endoskopisch entfernt, wenn sich dort frühe Krebsstadien finden. Das Hauptproblem dieser Methode war jedoch, dass die Mediziner bei größerem Befall den Krebs bisher nicht in einem Stück entfernen konnten, sondern nur stückweise. Indem sie jetzt die unter der Magenschleimhaut liegende Submukosa gleich mit abtragen, können sie das kranke Gewebe komplett aus dem Magen entfernen. Das ist wichtig, um es im Anschluss an die Operation möglichst genau untersuchen zu können. Nur dann kann der Pathologe feststellen, dass kein krankes Gewebe mehr im Magen ist - unerlässlich für den Erfolg der Therapie und den Erhalt des Magens als Ganzes.

So funktioniert die ESD
Mit der endoskopischen Submukosa-Dissektion (ESD) ist es erstmals möglich, Krebsgeschwüre aus dem Magen in einem Stück zu entfernen. Gegenüber dem bisherigen Abtragen von Geschwülsten auf der Magenschleimhaut geht das neue Endoskopieverfahren eine Schicht tiefer und greift in die Zwischenschicht (Submukosa) ein. Der eigentliche Magenmuskel wird dabei geschont. Um das kranke Gewebe von der Muskelschicht zu trennen, injiziert der Arzt bei dem Eingriff zunächst eine Flüssigkeit in die Submukosa, die die erkrankte Schleimhautschicht vom Untergrund abhebt. Danach schneidet er mit speziellen endoskopischen Schneidewerkzeugen die Magenschleimhaut großflächig um die betroffene Stelle ein. Im nächsten Schritt wird das Bindegewebe darunter, die Submukosa, abgelöst. So lassen sich befallene Stellen großflächig entfernen. Auf diese Weise entstehen zudem saubere Schnitte, es kommt seltener zu Rückfällen. Allerdings dauert der Eingriff länger als bisherige endoskopische Verfahren. Zudem muss vorher geklärt werden, ob in der Submukosa verlaufende Lymph- oder Blutgefäße befallen sind. Idealerweise lassen sich mit der ESD frühe Krebsstadien sicher entfernen und das Risiko für die Entstehung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) sinkt unter fünf Prozent. Für eine endgültige Risikoabschätzung im weiteren Verlauf ist daher die Untersuchung des entnommenen Gewebes maßgebend. Erst sie zeigt, ob die endoskopische Operation ausreichend war. Um in Deutschland eine Übersicht über den Stand der ESD zu gewinnen, haben sich mehrere Kliniken unter Federführung der III. Medizinischen Abteilung der Asklepios Klinik Barmbek zusammengeschlossen, und ein gemeinsames deutschlandweites Register eingerichtet, das Daten über Eingriffe mit dieser Methode verzeichnet. Beteiligt ist auch die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

Jens Oliver Bonnet | idw
Weitere Informationen:
http://www.medtropole.de
http://www.asklepios.com/barmbek/html/fachabt/med3/index.asp
http://www.endoclubnord.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der Krümmung einen Schritt voraus

27.06.2017 | Informationstechnologie

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Überschwemmungen genau in den Blick nehmen

27.06.2017 | Informationstechnologie