Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lysetherapie auch im hohen Alter möglich

01.12.2010
Eine Thrombolyse kann auch bei Schlaganfallpatienten im Alter von über 80 Jahren sinnvoll sein.

Darauf weist die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) anlässlich einer aktuellen Auswertung des internationalen Patientenregisters SITS-ISTR („Safe Implementation of Treatment in Stroke – International Stroke Thrombolysis Register“) hin. Bei der Thrombolyse wird das Blutgerinnsel im Gehirn, das den Schlaganfall verursacht hat, medikamentös aufgelöst.

Die Ergebnisse der Datenanalyse sind kürzlich in der Fachzeitschrift „Stroke“ erschienen.

Auslöser eines Schlaganfalls ist bei etwa 80 Prozent der Betroffenen ein Blutgerinnsel, das ein Hirngefäß verschließt. Eine Thrombolyse, kurz Lyse, kann das Gerinnsel beseitigen und so das Ausmaß der Behinderungen nach einem Schlaganfall vermindern. „Bislang gibt es für die Lyse eine Altersbegrenzung von 80 Jahren. Dies liegt jedoch nur daran, dass ältere Patienten von der Studie, die die Wirksamkeit der Lyse belegt hat, ausgeschlossen waren”, berichtet Professor Dr. med. Joachim Röther, Erster Vorsitzender der DSG und Chefarzt der Neurologischen Klinik an der Asklepios Klinik in Hamburg-Altona.

Das Risiko für einen Schlaganfall nimmt jedoch mit dem Alter deutlich zu. Etwa ein Drittel der Betroffenen ist über 80 Jahre alt. Infolge der steigenden Lebenserwartung werden immer häufiger Patienten in die Klinik eingeliefert, die 90 Jahre oder noch älter sind. Einige Zentren haben deshalb begonnen, die Lyse auch bei über 80-Jährigen durchzuführen. Wie bei den jüngeren Patienten ist auch hier die Therapie nur in den allerersten Stunden nach Auftreten der Schlaganfallsymptome möglich. Zudem müssen die Ärzte darauf achten, dass die Patienten kein erhöhtes Risiko für eine Hirnblutung haben.

„Unter diesen Vorsichtsmaßnahmen ist die Behandlung auch jenseits des 80. Lebensjahres sicher”, erklärt Professor Dr. med. Martin Grond, Vorstandsmitglied der DSG und Chefarzt am Kreisklinikum Siegen. Der Experte verweist auf eine jüngst in der Fachzeitschrift „Stroke“ veröffentlichte Auswertung des internationalen Patientenregisters SITS-ISTR. Dort sind mittlerweile die Daten von mehr als 20 000 Patienten aus 476 Kliniken in 31 Ländern gespeichert – darunter auch 1831 Patienten mit einem Alter von über 80 Jahren. 99 Patienten waren sogar über 90 Jahre alt.

„Im hohen Alter verlaufen Schlaganfälle häufiger tödlich”, berichtet Grond, Mitautor der Studie. „Bei alten Patienten, die bereits vor dem Schlaganfall in ihrer Unabhängigkeit stark eingeschränkt sind, sollte man mit der Lysebehandlung zurückhaltend sein. Die Studie zeigt aber, dass Hochbetagte prinzipiell genauso von der Lyse profitieren können wie jüngere Patienten.” Komplikationen traten nicht häufiger auf als bei Betroffenen, die unter 80 Jahre alt waren. Der Experte plädiert jedoch für eine sorgfältige Auswahl. Die Therapie sei eine Einzelfallentscheidung, so Grond. Er weist zudem darauf hin, dass die Lyse bei Hochbetagten derzeit nur im Rahmen eines sogenannten individuellen Heilversuchs erfolgen darf. Es sei zu hoffen, dass sich dies ändert und es in Anbetracht der aktuellen Daten zu einer Erweiterung der Zulassung kommt.

Quelle:
Gary A. Ford, FRCP; Niaz Ahmed, MD; Elsa Azevedo, MD; Martin Grond, MD; Vincent Larrue, MD; Perttu J. Lindsberg, PhD; Danilo Toni, PhD Nils Wahlgren, MD: Intravenous Alteplase for Stroke in Those Older Than 80 Years Old. Stroke 2010; 41: 2568-2574

Kontakt für Journalisten:

Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft
Pressestelle
Silke Stark
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-572
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: stark@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.dsg-info.de

Weitere Berichte zu: Blutgerinnsel DSG Lysetherapie SITS-ISTR Schlaganfall Thrombolyse stroke

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie