Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leitmerkmalmethode „Manuelle Arbeit“ verbessert

20.10.2011
Rund jeder zehnte Bundesbürger klagt über Beschwerden im Ellbogen-Unterarmbereich, im Hand-Arm-Bereich schmerzt es sogar zwölf Prozent der Menschen.

Nicht nur an Arbeitsplätzen in der Montage beanspruchen sich ständig wiederholende Arbeitsabläufe das Hand-Arm-System sondern auch in der Textilindustrie, bei der Herstellung von Nahrungsgütern und in vielen anderen Bereichen. Damit geht ein hohes Risiko für Muskelskeletterkrankungen einher.

Doch mithilfe einer einfachen und praktischen Methode lässt sich ab sofort bewerten, wie belastend die manuellen Arbeitsschritte für die Beschäftigten sind. In der Broschüre „Manuelle Arbeit ohne Schaden“ stellt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) eine verbesserte und wissenschaftlich abgesicherte Fassung der Leitmerkmalmethode vor. Damit ergänzt die BAuA die bereits erarbeiteten Leitmerkmalmethoden „Heben und Tragen“ sowie „Ziehen und Schieben“.

Mit der Leitmerkmalmethode „Manuelle Arbeit“ lässt sich der Grad der körperlichen Belastung durch Beobachtung und leicht zugängliche Informationen erheben. Sie eignet sich deshalb besonders für Praktiker. Schließlich kommt dieses Instrument ohne aufwändige Berechnungen aus und kann mit Formblatt und Bleistift durchgeführt werden. Beurteilt werden Tätigkeiten, die unter anderem mit überwiegender Belastung des Finger-Hand-Arm-Bereichs, mit häufigen Wiederholungen und Geschicklichkeit verbunden sind.

Die Bewertung ist einfach, aber sehr aussagekräftig: Mithilfe eines Fragebogens wird beispielsweise erfasst, welche Handgriffe wie oft ausgeführt werden, um welche Art der Kraftausübung es sich handelt, wie die Hand-/Arm-Stellung sowie die Körperhaltung ist. Je nach Eintrag ergibt sich am Schluss ein Punkt-Wert. Wer unterhalb der 25-Punkte-Grenze bleibt, muss keine körperliche Überbeanspruchung fürchten. Für trainierte und physisch höher belastbare Beschäftigte ist auch die Überschreitung dieser Grenze akzeptabel.

Ab einem Punktwert von 50 besteht jedoch für alle Beschäftigten die Gefahr von gesundheitlichen Schäden. Die Leitmerkmalmethode ist ein Ampelmodell, das in den Farben Grün, Gelb und Rot eine verlässliche Aussage über das gesundheitliche Risiko von manueller Tätigkeit liefert. Im Jahr 2007 erstmals entwickelt, wurde die Leitmerkmalmethode in der jetzigen Fassung überarbeitet und ist sowohl wissenschaftlich bestätigt als auch erfolgreich betrieblich erprobt.

Die Beurteilung erfolgt grundsätzlich für Teiltätigkeiten am Arbeitsplatz. Es ist jedoch wichtig, die zu beurteilende Teiltätigkeit sehr gut zu kennen, weil nur dann eine Beurteilung mithilfe der Leitmerkmalmethode gemacht werden darf. Grobe Schätzungen oder Vermutungen würden dagegen zu falschen Ergebnissen führen.

Die Broschüre gibt zudem weitere, wichtige Hinweise zum Thema manuelle Arbeit. Wer beispielsweise über einen längeren Zeitraum hinweg kraftvolle und einseitige Bewegungen bei manuellen Tätigkeiten macht, erhöht die Gefahr, dass es zu Beschwerden und Erkrankungen im Bewegungsapparat kommt. Unzureichende Erholung und gleichartige Belastungen sowohl im Arbeits- als auch im Freizeitbereich können diesen Prozess beschleunigen, warnen die Fachleute der BAuA. Wer bei der Arbeit eine „ruhige Hand“ einsetzen muss, dessen Rumpf- und Nackenmuskulatur leidet häufig unter Symptomen wie Verspannungen, mangelnde Durchblutung und Beschwerden im Lendenwirbelsäulenbereich. Dagegen helfen Bewegungspausen, Ausgleichsbewegungen sowie die Vermeidung von einseitigen Belastungen.

Abwechslung bei der Arbeit ist zwar gut – aber Tätigkeiten, die viel Kraftaufwand erfordern, sollten nicht mit solchen abgewechselt werden, für die es großer Geschicklichkeit bedarf. Sonst steigt das Verletzungsrisiko, weil es zu einem Geschicklichkeitsverlust kommen kann. Darüber hinaus kann eine übermäßige Erweiterung und Abwechslung von Tätigkeitsbereichen bei Arbeitnehmern zu einer psychischen Überforderung führen. Akkordarbeiter sollten den sogenannten Richtsatz außerdem nicht übermäßig überschreiten, weil damit die Ermüdung und die Gefahr von Fehlern zunehmen. Außerdem sollten Arbeitnehmer Werkzeuge benutzen, die ergonomisch gut gestaltet und für die Arbeitsaufgabe geeignet sind. Halte- und Haltungsarbeit sollten sie darüber hinaus durch Abstützungen vermeiden.

Die Broschüre "Manuelle Arbeit ohne Schaden" kann in kleinen Mengen kostenlos über das Informationszentrum der BAuA telefonisch, 0231 9071-2071, per Fax, 0231 9071-2070 oder E-Mail, info-zentrum@baua.bund.de, bezogen werden. Eine Version im PDF-Format gibt es zum Herunterladen unter der Adresse http://www.baua.de/publikationen auf der BAuA-Homepage.

Darüber hinaus befinden sich weiterführende Informationen und eine ausführliche Handlungsanleitung mit Beispielen auf der Homepage der BAuA unter www.baua.de/leitmerkmalmethoden.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben – im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Über 600 Beschäftigte arbeiten an den Standorten in Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.

Jörg Feldmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.baua.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften