Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lebenserwartung steigt deutlich: Neue Therapie für Lungenkrebspatienten

30.04.2014

Erfolgreicher und zügiger Innovationstransfer von der Forschung in die Versorgungspraxis: Forschungsprojekte und der Aufbau des „Netzwerkes Genomische Medizin“ an der Uniklinik Köln wurden seit 2011 mit Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Wissenschaftliche Veröffentlichungen dazu belegen ein verlängertes Überleben bei Lungenkrebspatienten durch individuelle Diagnostik und Therapie. Die AOK Rheinland/Hamburg übernimmt als erste gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland die Diagnostik-Kosten.

Personalisierte Therapieansätze auf Basis genetischer Untersuchungen haben insbesondere beim Lungenkrebs in den letzten Jahren zu einem Therapiewechsel und einer höheren Lebenserwartung für die Patienten geführt.

Am Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) an der Uniklinik Köln wird seit 2009 intensiv an den neuen Diagnose- und Therapie-Methoden geforscht. Dabei kommt den Pathologen, die das Tumorgewebe der Patienten genetisch untersuchen, eine besondere Rolle zu.

Sie bestimmen durch ihre Analysen, welche genetische Veränderung zur Entstehung beziehungsweise dem Wachstum des Tumors geführt hat. Die Patienten werden dann mit gezielt wirksamen Medikamenten behandelt und bei vielen wurde dadurch die Überlebenszeit gegenüber klassischen Therapieformen deutlich gesteigert.

Diese überzeugenden Ergebnisse haben jetzt auch die AOK Rheinland/Hamburg als erste Krankenkasse in Deutschland dazu veranlasst, die Kosten für die aufwändige Diagnostik zu übernehmen.

Das Wissenschaftsministerium hat den Aufbau der Forschungsplattform an der Uniklinik Köln mit insgesamt 3,5 Millionen Euro unterstützt. Ministerin Svenja Schulze hob bei einem Pressegespräch vor allem die beeindruckende Geschwindigkeit hervor, mit der in diesem Fall die Übertragung von wissenschaftlichen Ergebnissen in die Routineversorgung gelungen ist: „Im Sinne der Krebspatienten wünsche ich diesem Therapieansatz zwei Dinge: viele weitere Kliniken, die mitmachen und dass auch andere Krankenkassen in die Kostenübernahme einsteigen.“

Matthias Mohrmann, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg, erläuterte die Beweggründe für den Einstieg in die Kostenübernahme: „Wir legen besonderen Wert auf die Versorgung von Schwerstkranken und möchten mit der Förderung der Genom-Analyse dazu beitragen, die Therapiemöglichkeiten bei Lungenkrebs zu verbessern.“

Entscheidend für den Erfolg bei der personalisierten Therapie im Bereich Lungenkrebs war der Aufbau eines großen Netzwerkes, denn „die zwei Herausforderungen bei dieser neuen Therapieform bestehen darin, sie den zum Teil schwer kranken Patienten schnell zukommen zu lassen. Zum anderen müssen wir die Patienten mit seltenen genetischen Veränderungen auch erst einmal identifizieren“, sagte Prof. Dr. Jürgen Wolf, der Ärztliche Leiter des onkologischen Spitzenzentrums an der Uniklinik Köln.

Er leitet zusammen mit Prof. Dr. Reinhard Büttner, Direktor der Pathologie an der Uniklinik Köln, das Netzwerk Genomische Medizin Lungenkrebs. In diesem arbeiten mittlerweile rund 50 Kliniken und Onkologen aus ganz Deutschland eng zusammen. Die Pathologie an der Uniklinik Köln übernimmt dabei zentral die genetische Analyse des Tumorgewebes und erarbeitet zusammen mit den spezialisierten Onkologen für jeden Patienten eine Empfehlung zu verfügbaren Medikamenten oder laufenden klinischen Studien. Neben den Therapie-Empfehlungen wird den Netzwerkpartnern auch ein Zweitmeinungs-Service angeboten, der nun ebenfalls von der AOK vergütet wird.

In Köln werden jedes Jahr rund 3.500 Gewebeproben untersucht, die aus dem Netzwerk eingesandt werden – dies entspricht rund sieben Prozent aller neuen Lungenkrebserkrankungen in Deutschland. Das spezifische Wissen, das über diese große Zahl an Untersuchungen gewonnen wird, ist der Schlüssel zu den Forschungs- und Therapiefolgen: „Wir erleben hier am Beispiel Lungenkrebs mit dem Aufbau einer zentralen Diagnostik-Plattform und einem gut funktionierenden Partner-Netzwerk ein echtes Erfolgsmodell für die Durchsetzung der personalisierten Medizin in der Krebstherapie“, sagte Prof. Büttner.

Weitere Informationen:

http://www.aok.de/rheinland-hamburg
http://www.cio-koeln.de
http://www.ngm.de
http://www.pathologie-neuropathologie.uk-koeln.de

Christoph Wanko | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie