Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Landesweites Netzwerk verstärkt Kampf gegen Krankenhausinfektionen

08.10.2012
„Alerts-Net“ entwickelt Meldesystem für Thüringen / Kliniken, Reha-Einrichtungen und Labore führen Daten zusammen

Ein gemeinsames Netzwerk von Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen und mikrobiologischen Laboren in Thüringen verschärft den Kampf gegen Krankenhausinfektionen.

Im Rahmen des „Alerts-Net“ werden zum ersten Mal in Deutschland in einem Bundesland die Daten von Patienten landesweit zusammen geführt, bei denen krankheitsauslösende Keime im Blut nachgewiesen wurden. In einem zweiten Schritt werden die Netzwerkpartner dann gezielt Schritte zur nachhaltigen Infektionsprävention und verbesserten Diagnostik ausbauen und diese anschließend überprüfen. Gefördert wird das Netzwerk bis 2014 durch das Bundesgesundheitsministerium mit fast 450.000 Euro.

„Durch das gemeinsame Netzwerk können wir nun ein thüringenweites Meldesystem für Blutstrominfektionen entwickeln, also für die tatsächlich festgestellten Infektionen anhand der analysierten Blutkulturproben. Damit wird erstmals eine Übersicht aller Blutstrominfektionen in Thüringen zur Verfügung stehen.

Wir können gemäß den Anforderungen der Thüringer Hygieneverordnung ganz gezielt Patientengruppen identifizieren und daraufhin die zusätzlichen präventiven und diagnostischen Bemühungen ausrichten und so langfristig die Anzahl der Infektionen, aber auch die Antibiotikaresistenz reduzieren“, erklärt Prof. Dr. Frank Brunkhorst vom Universitätsklinikum Jena (UKJ). Brunkhorst leitet die Paul-Martini-Forschergruppe zur Klinischen Sepsisforschung am UKJ, die das Netzwerk koordiniert.

Die Teilnahme am Netzwerk ist freiwillig: „Umso mehr freut es uns, dass bislang 22 Kliniken sowie 14 Reha-Einrichtungen und 14 mikrobiologische Labore am Netzwerk teilnehmen“, sagt Prof. Brunkhorst. Er ist zuversichtlich, dass das Netzwerk weiter wächst. Der Sepsis-Experte leitet auch die seit 2011 laufende „Alerts“-Studie am Universitätsklinikum Jena. In dem Projekt werden in den kommenden Jahren circa 75.000 Patienten des Uniklinikums Jena erfasst und systematisch auf Krankenhausinfektionen untersucht. Bestandteil der Studie sind umfassende Fortbildungsmaßnahmen zur Infektionsprävention und die Bewertung der Wirksamkeit dieser Maßnahmen. Brunkhorst: „Dieser Ansatz wird nun mit dem gestarteten Alerts-Net auf ganz Thüringen ausgeweitet.“

Im jetzt gestarteten Netzwerk werden fortlaufend die Daten der Blutkulturproben von Patientinnen und Patienten erfasst, die an einer Blutstrominfektion (Sepsis) erkrankt sind. Diese Daten werden zentral zusammengeführt und umfassend analysiert. Der Vorteil: „Erstmals in Deutschland werden so für die Patienten in einem Bundesland repräsentative Daten ermittelt, die exakten Aufschluss geben über die Art der Infektion, z.B. welcher Keim die Infektion ausgelöst hat und welches Ausmaß die Antibiotikaresistenz in Thüringen aktuell hat. Außerdem wird die Art der verwendeten Antibiotikatherapie erfasst. Die geltenden Datenschutzbestimmungen werden dabei natürlich berücksichtigt“, betont Brunkhorst.

Bereits anlässlich der Auftaktveranstaltung des Forschungsschwerpunktes „Antibiotikaresistenz, Hygiene und Nosokomiale Infektionen“ des Bundesministeriums für Gesundheit im September in Berlin wurde Alerts-Net ein hohes Maß an Aufmerksamkeit zuteil, speziell im Hinblick auf die zu erwartende umfassende Datenbasis der Erhebung.

Der große Unterschied zu anderen Netzwerken im Kampf gegen Krankenhausinfektionen liegt darin, dass die gemeldeten Daten auf Basis erfolgter Erkrankungen gebündelt werden, nicht etwa aufgrund eines Besiedelungsnachweises durch ein Screening. Dr. Roland Schmitz von der Paul-Martini-Forschergruppe für Klinische Sepsisforschung am UKJ und Projektkoordinator erklärt: „Unser Ziel ist es, dass möglichst alle stationären Einrichtungen Thüringens, also Kliniken und Reha-Einrichtungen an dem Netzwerk mitmachen. Denn Infektionserreger wie z.B. multiresistente Fäkalbakterien (ESBL), MRSA oder andere Keime sind eine Gefahr für alle Patienten, egal wo sie gerade zur Behandlung sind. Und natürlich werden auch Patienten von einer Einrichtung in eine andere verlegt. Gerade daher ist ein solches Netzwerk wichtig und bietet auch die Möglichkeit voneinander zu lernen. Und da es eine einheitliche Methodik bei der Erfassung gibt, sind auch belastbare Vergleiche möglich und der gezielte Einsatz von Verbesserungsmaßnahmen.“
In diesem Jahr wird zunächst mit der Datenerhebung begonnen. Langfristiges Ziel ist auch die Etablierung eines „Gütesiegels“ für die Einrichtungen, die sich aktiv am Netzwerk beteiligen. Prof. Brunkhorst: „Zurecht fragen die Patienten heute danach, welche Strategien zur Infektionsprävention in einer Einrichtung verfolgt werden. Durch die gemeinsame Arbeit im Netzwerk können wir diese erforderliche Transparenz weiter ausbauen und natürlich einen wichtigen Beitrag zur Qualität der Patientenversorgung gemäß der Thüringer Hygieneverordnung leisten.“

Stefan Dreising | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-jena.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neues Hydrogel verbessert die Wundheilung
25.04.2017 | Universität Leipzig

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen