Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kombinationspräparat mindert Schlaganfall-Risiko

29.01.2010
Das frühe Hemmen der Blutplättchen und Mindern von Gefäßwandentzündung beugt Schlaganfall-Wiederholung vor / Wissenschaftler veröffentlichen in Lancet Neurology

Ärzte raten Schlaganfall-Patienten derzeit, umgehend Aspirin einzunehmen, um das Risiko eines erneuten Schlaganfalls zu mindern. Die sofortige Gabe eines Kombinationspräparats aus Dipyridamol und Acetylsalicysäure (ASS) wie Aspirin innerhalb von 24 Stunden ist jedoch bei gleicher Sicherheit wirkungsvoller.

Zu diesem Ergebnis kam eine von Professor Dr. Reinhard Dengler, Klinik für Neurologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), geleitete Studie, an der aus Hannover auch Professorin Dr. Karin Weißenborn, MHH-Klinik für Neurologie, und Professor Dr. Andreas Schwartz, Klinikum Nordstadt des Klinikums Region Hannover beteiligt waren. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Studie in der aktuellen Ausgabe des renommierten Magazins Lancet Neurology. An der Untersuchung beteiligten sich mehr als 250 Neurologen und 543 Patienten aus 46 deutschen Spezialstationen für Schlaganfallpatienten, den so genannten Stroke Units.

Das Kombinationspräparat ist kein neues Medikament. Es kam zunächst als Medikament zur Vorbeugung von Thrombose auf den Markt. Derzeit kommt bereits in der Schlaganfall-Therapie zum Einsatz - jedoch meist erst einige Zeit später, weil die Sicherheit, insbesondere die Blutungsgefahr, bei einer zeitigeren Gabe bisher noch nicht erforscht worden war. "Unsere Studienergebnisse zeigen jedoch, dass das Kombinationspräparat genauso sicher wie Aspirin allein ist", erläutert Professor Dengler. Darüber hinaus ist es wirkungsvoller, weil es nicht nur wie Aspirin das Blut "verdünnt" und die Verklebung von Blutplättchen verhindert, sondern auch Gefäßwandentzündungen mindert. Die Studie verdeutlicht zudem, dass das Risiko eines erneuten Schlaganfalls umso kleiner ist, je eher die Patienten das Kombinationspräparat nach dem ersten Schlaganfall einnehmen.

"Unsere Untersuchungen beweisen darüber hinaus eindrücklich, dass das Wiederholungsrisiko auch bei leichten Schlaganfällen groß ist. Dies sind solche, bei denen sich die Symptome innerhalb von 24 Stunden zurückbilden (sogenannte TIA) oder nur sehr leicht ausgeprägt sind", sagt Professor Dengler. Patienten und Ärzte müssten deswegen beispielsweise auch kurzdauernde neurologische Symptome wie Sprach- oder Sehstörungen sehr ernst nehmen und behandeln.

Das Risiko, nach einem Schlaganfall einen zweiten zu bekommen, liegt - je nach Ursache - in den ersten drei Monaten bei 15 bis 20 Prozent. Aspirin mindert dieses Risiko um 17 Prozent, das Kombinationspräparat reduziert das Risiko hingegen im Mittel um etwas über 30 Prozent. "Wir müssen uns deshalb in der MHH überlegen, die frühe Kombinationstherapie zu forcieren", meint Professor Dengler.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Reinhard Dengler, Direktor der MHH-Klinik für Neurologie, dengler.reinhard@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-2391.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie