Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kognitive Störungen zur Früherkennung von Psychosen

05.06.2012
Bei der Früherkennung von schizophrenen Erkrankungen könnten Störungen von Konzentration und Gedächtnis eine grössere Rolle spielen als vermutet.
Dies berichtet ein internationales Forschungsteam, das diese sogenannten kognitiven Störungen unter Leitung der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel erstmals in einer Metaanalyse mit über 2000 Hochrisikopatienten und Gesunden untersucht hat. Die Studie wird in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift «Archives of General Psychiatry» der American Medical Association veröffentlicht.

Neurokognitive Störungen in den Bereichen Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis gelten seit langem als ein gemeinsames Merkmal von Schizophrenie und sind damit eine wichtige Manifestation dieser Erkrankung. Über die Entwicklung solcher kognitiven Defizite, angefangen bei der ersten psychotischen Episode über den folgenden Verlauf der Erkrankung, ist noch wenig bekannt. Diskutiert wird etwa die Frage, ob die kognitiven Störungen im Lauf der Zeit gleich bleiben oder sich verschlechtern. Ebenfalls unklar war, inwieweit die beobachteten Defizite mit der Anfälligkeit von Menschen für Psychosen zusammenhängen und ob sie möglicherweise zur Früherkennung der Krankheit dienen können.
Die eben veröffentlichte Untersuchung wurde in Zusammenarbeit mit Forschenden aus Grossbritannien, Australien und Italien von der Arbeitsgruppe um Prof. Stefan Borgwardt, Extraordinarius für Neuropsychiatrie der Universität Basel und Leitender Arzt des Zentrums für Diagnostik und Krisenintervention der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel, geleitet. Sie ist die erste Metaanalyse von Studien, welche neurokognitive Störungen bei beginnenden psychotischen Symptomen bei einer derart grossen Gruppe systematisch untersucht: In einer Stichprobe von 1188 Hochrisikopatienten und 1029 gesunden Kontrollpersonen wurde nachgewiesen, dass Erstere deutliche neurokognitiven Beeinträchtigung aufwiesen; besonders in zwei der kognitiven Gebiete wurde dies deutlich (Gedächtnis, Sprachkompetenz). Da die bisherigen klinischen Hochrisiko-Kriterien noch ungenügend sind, können solche kognitiven Marker die Früherkennung von Psychosen und präventive Interventionen möglicherweise verbessern.

Die Untersuchung wirft auch ein neues Licht auf die zugrundeliegenden Mechanismen der schizophrenen Psychose, die weltweit etwa jede hundertste Person erleidet. Betroffene hören zum Beispiel Stimmen, die sonst niemand vernimmt, oder glauben wahnhaft, dass sie verfolgt werden. Ihr manchmal verändertes Verhalten und ihre Ängste können ihr Umfeld befremden und zur sozialen Isolation führen. Früher wurde Schizophrenie oft erst nach vielen Krankheitsjahren diagnostiziert, wobei heute Früherkennungszentren – unter anderem in der Basler Fepsy-Sprechstunde an den Universitären Psychiatrischen Kliniken – frühzeitige Diagnosen ermöglichen.

Originalbeitrag
Paolo Fusar-Poli, Giacomo Deste, Renata Smieskova, Stefano Barlati, Alison R. Yung, Oliver Howes, Rolf-Dieter Stieglitz, Antonio Vita, Philip McGuire, Stefan Borgwardt
Cognitive functioning in prodromal psychosis: A meta-analysis
Archives of General Psychiatry. Arch Gen Psychiatry. 2012;69(6):562-571

Weitere Auskünfte
Prof. Dr. med. Stefan Borgwardt, Zentrum für Diagnostik und Krisenintervention, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel, Tel +41 (0)61 328 61 26 / (0)61 265 51 19 E-Mail: stefan.borgwardt@upkbs.ch

Christoph Dieffenbacher | Universität Basel
Weitere Informationen:
http://archpsyc.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1171955
http://www.researchgate.net/profile/Stefan_Borgwardt
http://www.fepsy.ch/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften