Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Körpereigene Substanz kann vor schweren Lungenschäden schützen

20.09.2013
Schwere Lungenschäden gehören zu den gefährlichsten Krankheitsbildern, mit denen die moderne Medizin zu kämpfen hat. Ist das empfindliche Atmungsorgan einmal gestört, gibt es selten eine Chance auf Heilung.

In einer Studie zu den Mechanismen der akuten Lungenschädigung haben Forscher aus Leipzig und Kanada jetzt eine Substanz erfolgreich getestet, die einen effektiven Schutz der Lunge bieten könnte. Die Ergebnisse wurden jetzt in Critical Care Medicine veröffentlicht.

Versagt die Lunge ihren Dienst, kann das unterschiedliche Ursachen haben: Verletzungen, Erkrankungen wie Lungenentzündung oder Sepsis, oder Schäden als Folgen anderer Organstörungen. Der Effekt dagegen ist immer gleich – es entstehen Entzündungsreaktionen in der Lunge, die zu Flüssigkeitsansammlungen (Ödemen) führen sowie die Strukturen nachhaltig schädigen und schließlich zum Lungenversagen führen.

Auch die dann eingesetzte künstliche Beatmung ist für die Lunge nicht ungefährlich – die vorgeschädigten Lungenbläschen können durch den Einsatz der Medizintechnik überdehnt und dadurch weiter geschädigt werden. Ein Teufelskreislauf, aus dem bisher keine geeignete Behandlungsmethode herausführt. Noch immer versterben nahezu 40% aller Patienten mit einem akuten Lungenschaden, der damit als Todesursache eine vergleichbare Häufigkeit hat wie zum Beispiel Brustkrebs.

In einer Studie zeigen jetzt Wissenschaftler aus Leipzig und Kanada, dass ein körpereigenes Peptid hier schützend eingreift und die Schädigungen nicht nur aufhält, sondern sogar repariert. Dazu haben der Leipziger Biochemiker Prof. Thomas Walther und der derzeit in Kanada tätige Physiologe Prof. Wolfgang Kübler im Tiermodell den Effekt des Angiotensin-(1-7), einer körpereigenen Substanz des Menschen, bei schwerem Lungenversagen untersucht.

Getestet wurde bei einigen der häufigsten auftretenden Probleme, der Schädigung durch Säure wie beim Einatmen von Magensaft nach schweren Unfällen und der sogenannten Hyperventilation, oder auch Überbeatmung, bei schweren Lungenerkrankungen.

„Das Ergebnis ist wirklich ermutigend: Entzündungen und Ödeme gingen deutlich zurück, die Barrierefunktion der Lunge blieb erhalten, und der schwere Verlauf eines Lungenversagen wurde sogar soweit gemildert, dass die aufgetretenen Schäden sich zurückbildeten“, erklärt Prof. Walther die Ergebnisse der jetzt in der Fachzeitschrift Critical Care Medicine veröffentlichten Studie.

Auf diese Weise ließen sich künftig schwere Fälle von Lungenversagen wirksam behandeln und Spätschäden mildern, so der Studienleiter Thomas Walther, der am UKL als wissenschaftlicher Direktor des Fetalzentrums tätig ist. Der Vorteil – die Substanz lässt sich über den Blutkreislauf schnell verabreichen und wird sehr gut vertragen, da sie auf körpereigenen Stoffen basiert.

„Damit haben wir erstmals Hinweise auf eine mögliche Behandlungsmethode gefunden, die tatsächlich Heilung verspricht“, so Walther. Auch wenn er überzeugt ist, dass sich dieses Verfahren vergleichsweise schnell in die Praxis umsetzen ließe, stehen vor einem Einsatz am Patienten in den Krankenhäusern jetzt zunächst erste klinische Studien an.

Kontakt:

Prof. Thomas Walther
Wiss. Direktor des Fetalzentrum am Universitätsklinikum Leipzig
Tel. 0341-97 26400
E-Mail: thomas.walther@uniklinik-leipzig.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie