Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Knochenbruch: Immer weniger junge Patienten müssen operiert werden

14.10.2013
Im Kindes- und Jugendalter passieren viele Unfälle: Bis zum 18. Lebensjahr erleidet jeder Vierte mindestens einen Knochenbruch. Zwar liegt die Zahl der Frakturen damit deutlich höher als bei Erwachsenen, junge Patienten müssen jedoch sehr viel seltener operiert werden.

Warum viele dieser Verletzungen – aber auch orthopädische Erkrankungen wie Fehlstellungen an Hüften und Füßen – in jungen Jahren erfolgreich konservativ behandelt werden können und sollten, darüber sprechen Experten auf einer Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) am 25. Oktober in Berlin.

Außerdem berichten sie über eine derzeit laufende Studie an 40 Krankenhäusern, die die Effizienz der nicht-operativen Versorgung von häufigen Knochenbrüchen untersucht.

Meist betreffen Frakturen im Jugendalter die langen Röhrenknochen – am häufigsten die Knochen im Unterarm. Die Lage des Bruchs und die Verschiebung der Frakturen entscheiden darüber, ob operiert werden muss. „Sogenannte Wulst- und Grünholzbrüche, bei denen der Knochen nur wenig oder gar nicht verformt ist, können wir in der Regel konservativ behandeln", erklärt Privatdozent Dr. med. Dirk Sommerfeldt, Leiter der Sektion Kindertraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU).

Auch Brüche, die mit einer Fehlstellung einhergehen, müssen nicht immer operiert werden. Dies gilt vor allem für Ober- und Unterarm. Je jünger der Patient ist und je näher die Fraktur an einer noch aktiven Wachstumsfuge liegt, desto eher wachsen sich Fehlstellungen von selbst wieder aus. „Das Längenwachstum der Knochen beim Kind wirkt begradigend, sodass sich einige Fehlstellungen von selbst ausgleichen", erläutert Sommerfeldt vom Altonaer Kinderkrankenhaus in Hamburg. Vielen jungen Patienten bleibt so die Belastung einer Operation und Narkose erspart.

Auch bei orthopädischen Erkrankungen wurden konservative Behandlungskonzepte mit großem Erfolg entwickelt und eingeführt. Insbesondere bei Fehlstellungen der Hüfte, wie der Hüftdysplasie, erzielen Orthopäden große Therapie-Erfolge. Entscheidend sei die Früherkennung, so Professor Dr. med. Rüdiger Krauspe, Direktor der Orthopädischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf: „Im Alter von vier bis sechs Wochen werden daher alle Säuglinge in Deutschland per Ultraschall daraufhin untersucht.“ Auffallende Befunde könnten so in über 90 Prozent der Fälle konservativ und vor allem ambulant behandelt werden. „Deutlich weniger Korrektureingriffe nehmen Ärzte auch beim Klumpfuß vor – eine angeborene, seltene Fehlstellung,“ ergänzt Krauspe.

Die Ponseti-Methode, eine weitgehend konservative Behandlung, verlaufe aber nur dann erfolgreich , wenn ein erfahrener Kinderorthopäde die Betroffenen betreue und die Eltern die Therapievorgaben gemeinsam mit ihrem Kind konsequent durchführen. Denn die Klumpfußschiene müsse über vier bis fünf Jahre hinweg jede Nacht angelegt werden. Auch bei vielen Fußfehlformen, Achsfehlstellungen der Beine sowie bei Wirbelsäulenverkrümmung kommt man unter einer fachkundigen Beobachtung und nicht-operativen Behandlung häufig ohne operative Eingriffe aus.

Die Möglichkeiten und Grenzen der konservativen Therapie bei orthopädischen Verletzungen und Erkrankungen beleuchten die Experten auf einer Pressekonferenz auf dem DKOU am 25. Oktober 2013 in Berlin. Sommerfeldt stellt außerdem eine laufende Studie zur konservativen Versorgung von Brüchen am Unterarm im Kindesalter vor: An insgesamt 40 Kliniken wird untersucht, inwiefern eine nicht-operative Versorgung von mäßig abgeknickten Brüchen der Operation ebenbürtig ist. Darüber hinaus berichtet Krauspe über ein neues Erkrankungs- und Regionen bezogenes Kurssystem, dass Fachärzte insbesondere auf die Therapie der jungen Patienten spezialisieren soll.

Terminhinweise:
DKOU 2013
Termin: 22. bis 25. Oktober 2013
Ort: Messegelände Süd, Berlin
Kongress-Pressekonferenz des DKOU 2013
„Endstation Operation? Erfolge mit und ohne Skalpell“
Termin: Freitag, 25. Oktober 2013, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Pressezentrum, Raum 411, Messe Süd Berlin
Eines der Themen:
Versorgung von orthopädischen Erkrankungen und Verletzungen bei Kindern: Auch ohne Skalpell möglich?
Universitätsprofessor Dr. med. Rüdiger Krauspe
Direktor der Orthopädischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD
und
PD Dr. med. Dirk W. Sommerfeldt
Leiter der Sektion Kindertraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU); Leitender Arzt der Abteilung für Kinder- und Jugendtraumatologie am Altonaer Kinderkrankenhaus, Hamburg
Pressekontakt:
Pressestelle DKOU 2013
Anne-Katrin Döbler, Christina Seddig, Kathrin Gießelmann
Postfach 20 11 30; 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-442; Fax: 0711 8931-167
E-Mail: seddig@medizinkommunikation.org

Elke Leopold | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkou.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

nachricht MRT-Kontrastmittel: Neue Studie spricht für Sicherheit
17.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie