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Was Kinder zappelig macht

13.09.2012
Es gibt einen Zusammenhang zwischen ADHS, Schwangerschaftsdiabetes und Armut.
Diesen bereits vor wenigen Monaten veröffentlichten Befund haben Mediziner aus Würzburg und Dresden jetzt bestätigt. Sie haben dafür die Daten von mehr als 13.000 Kindern und Jugendlichen ausgewertet.

Kinder aus armen Familien tragen ein erhöhtes Risiko, eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ADHS zu entwickeln. Darüber hinaus steigt das Risiko auch dann, wenn ihre Mütter eine Schwangerschaftsdiabetes entwickeln. Dieses Ergebnis haben US-amerikanische Wissenschaftler Anfang des Jahres publiziert. Für ihre Studie hatten sie 212 Kinder im Alter von drei bis vier Jahren und danach noch einmal im Alter von sechs Jahren getestet.

„Wir haben diese Veröffentlichung mit großem Interesse gelesen“, sagt Professor Marcel Romanos, Leiter der Würzburger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Allerdings seien deren Aussagen unter anderem wegen der geringen Zahl an Teilnehmern aus wissenschaftlicher Sicht eingeschränkt. „Wir haben deshalb untersucht, ob sich diese Ergebnisse in einer Studie mit sehr viel mehr Teilnehmern bestätigen lassen“, so Romanos.

Gemeinsam mit Professor Jochen Schmitt, Direktor des Zentrums für evidenzbasierte Gesundheitsversorgung an der TU Dresden, hat Romanos Daten aus der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland KiGGS analysiert. In dieser repräsentativen Studie hat das Robert Koch-Institut die gesundheitliche Entwicklung von mehr als 17.000 Kindern und Jugendlichen über den Zeitraum von 2003 bis 2006 hinweg erfasst. Die Daten von insgesamt 13.488 Kindern im Alter von drei bis 17 Jahren haben Romanos und Schmitt in ihre Auswertung einbezogen.

Rauchen schadet, Stillen nutzt

Der Ergebnis: “Unsere Studie bestätigt auch in einer großen Stichprobe den Zusammenhang zwischen einem geringen soziökonomischen Status, dem Auftreten von Schwangerschaftsdiabetes und ADHS”, erklärt Professor Jochen Schmitt.
Allerdings stießen die beiden Wissenschaftler in ihrer Untersuchung auf weitere Zusammenhänge: Demnach sinkt das Risiko für Kinder an ADHS zu erkranken möglicherweise, wenn sie ausreichend lange gestillt werden. Raucht ihre Mutter hingegen während der Schwangerschaft, nimmt das Risiko zu. Es steigt auch, wenn bei den Kindern um den Geburtstermin herum gesundheitliche Probleme aufgetaucht sind.

Die Schlussfolgerung aus diesen Befunden lautet nach Ansicht der beiden Mediziner deshalb: „Präventionsprogramme, die an diesen Punkten ansetzen, könnten dazu beitragen, die Häufigkeit von ADHS zu verringern.“

Prenatal and Perinatal Risk Factors for Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder, Jochen Schmitt, Marcel Romanos, Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine, Published online September 10, 2012. doi:10.1001/archpediatrics.2012.1078

Kontakt

Prof. Dr. Marcel Romanos, T: (0931) 201-78000
E-Mail: romanos@kjp.uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Jochen Schmitt, T: (0351) 458-6494
E-Mail: Jochen.Schmitt@uniklinikum-dresden.de

Gunnar Bartsch | Uni Würzburg
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-dresden.de
http://www.uni-wuerzburg.de

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