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Kinder mit Grunderkrankungen sollten gegen Influenza geimpft sein

26.01.2011
Infektionsepidemiologische Forschung hat einen hohen Stellenwert, um Ursachen, Folgen und die Verbreitung von Infektionskrankheiten besser zu verstehen und gezielte Präventionsmaßnahmen zu empfehlen.

In der amerikanischen Fachzeitschrift Emerging Infectious Diseases haben Infektionsepidemiologen des Robert Koch-Instituts eine Studie mit Daten zu schweren und tödlichen Erkrankungen durch pandemische Influenza (Influenza A(H1N1) 2009 oder „Schweinegrippe“) bei Kindern und Jugendlichen veröffentlicht.

Für diese Gruppe gab es bislang europaweit kaum wissenschaftliche Daten. Die Ergebnisse zeigen deutlich mehr schwere Erkrankungen als in den Jahren zuvor und unterstreichen die Bedeutung der Influenzaschutzimpfung insbesondere für Kinder mit Grunderkrankungen, die von der Ständigen Impfkommission seit Jahren empfohlen wird.

Da derzeit „Influenza A(H1N1) 2009“ dominiert, muss insbesondere beim Vorliegen von Grundkrankheiten auch bei jüngeren Erwachsenen und Kindern weiterhin mit schweren Erkrankungen gerechnet werden. Die Impfung gegen Influenza ist für Chronisch Kranke aller Alterstufen empfohlen, für Schwangere, Menschen über 60 Jahre und Medizinpersonal. “Auch wenn die Influenzawelle bereits begonnen hat, kann die Impfung noch sinnvoll sein, man sollte seinen Arzt ansprechen“ sagt Prof. Dr. Reinhard Burger, Präsident des RKI.

Das Wissenschaftler-Team untersuchte intensivstationspflichtige und tödliche Fälle von pandemischer Influenza bei Kindern unter 15 Jahren. Die RKI-Epidemiologen befragten zwischen August 2009 und April 2010 monatlich rund 380 Kinderkliniken. Sie kooperierten dabei mit der „Erhebungseinheit für Seltene Pädiatrische Erkrankungen in Deutschland“ (ESPED) an der Universität Düsseldorf, in der alle Kinderkliniken beteiligt sind. Mehr als 80 Prozent der ausgeteilten Fragebogen wurden ausgefüllt und zurückgeschickt.

Für die Studie wurden die Angaben zu 93 schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen mit laborbestätigten Influenzainfektionen ausgewertet, 15 von ihnen sind gestorben (16 Prozent). Im selben Zeitraum wurden in Deutschland insgesamt 29 influenzaassoziierte Todesfälle bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren gemeldet. Der Unterschied zwischen Studien- und Meldedaten dürfte dadurch zustande kommen, dass in der Studie nur Fälle in Kinderkliniken untersucht wurden.

Drei Viertel der Patienten aus der RKI-Studie hatten mindestens eine chronische Grunderkrankung, am häufigsten neurologische Entwicklungsstörungen, gefolgt von chronischen Atemwegserkrankungen, Immunschäden und Herzkrankheiten. In einer Studie mit dem selben Kliniknetzwerk waren in den drei Influenza-Saisons 2005/06, 2006/07 und 2007/08 insgesamt nur zwei Todesfälle registriert worden. „Die höhere Zahl in der Pandemie könnte teilweise auf die erhöhte Aufmerksamkeit während der Pandemie zurückgehen“, vermutet Walter Haas, Leiter des Fachgebiets Respiratorisch übertragbare Erkrankungen und Mitautor der Studie. Nur neun Prozent der Kinder über sechs Monaten waren gegen die pandemische Influenza geimpft, alle überlebten. Allerdings stand der Impfstoff erst Anfang November 2009 zur Verfügung.

Neun der 93 Kinder erkrankten während des Krankenhausaufenthaltes. Das Risiko einer solchen (nosokomialen) Übertragung ist auch in zwei Studien in anderen Staaten belegt worden. Diese Studien zeigen, dass das pandemische Virus vermutlich durch Medizinpersonal übertragen worden war. Dies unterstreicht die Notwendigkeit der Impfung des Medizinpersonals und einer raschen Diagnostik.

Vorab-Veröffentlichung: Altmann et al., Severe cases of Pandemic (H1N1) 2009 in Children, Germany, Emerg Infect Dis., 2/11, http://www.cdc.gov/eid/content/17/2/186.htm

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