Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovative Therapie gegen Multiple Sklerose

18.08.2010
Manipulierte T-Zellen setzen Neuronen-schützendes Protein frei

Eine neuartige viel versprechende Therapie könnte schon bald für Multiple-Sklerose-Patienten zur Anwendung kommen. Einer Forschungsgruppe des krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS) ist es gelungen, T-Zellen zu manipulieren. Diese richten sich bei MS-Patienten gegen die eigenen Nervenzellen und zerstören sie. Dadurch konnte ein Neuronen-schützendes Protein durch die Blut-Hirn-Schranke geschleust werden, ohne die Immunantwort zu beeinflussen.

"Die tatsächliche Anwendung bzw. Weiterentwicklung dieser Therapie ist in Sicht", erklärt KKNMS-Vorstand Ralf Gold, Direktor der Neurologischen Klinik an der Ruhr Universität Bochum, im pressetext-Interview. "Außerdem konnten wir nachweisen, dass die bereits etablierte Therapie der schubförmigen MS mit Glatirameracetat die Produktion des Neuronen-schützenden Proteins BNDF in Immunzellen begünstigt." Modell-Studien wurden bis jetzt an Mäusen gemacht.

Neurotrophine stabilisieren Nervenschutzhülle

Forscher nehmen schon seit längerem an, dass auch T-Zellen produzierte Neurotrophine wie das BDNF eine Neuronen-schützende Wirkung haben. "Der Nachweis war bisher jedoch schwierig, da Organismen sterben, wenn BDNF fehlt", erklärt Gold. In einem speziellen Tiermodell konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass Nervenschäden zunehmen, wenn BDNF aus T-Zellen und Fresszellen - sogenannten Monozyten - verbannt wurde.

Als große Herausforderung hat sich auch das Einschleusen des künstlich hergestellten BDNF von außen erwiesen. "Solche Versuche scheitern in der Regel an der Blut-Hirn-Schranke, die eine Schutzfunktion des Gehirns gegen körperfremde Eindringlinge wie etwa Krankheitserreger ist", erklärt der Wissenschaftler. Daher nutzten sie T-Zellen als Transportmittel, die mit dem erzeugten BDNF erfolgreich präpariert wurden. "Die T-Zellen passierten nicht nur die Blut-Hirn-Schranke, auch das zugeführte BDNF entfaltete seine Neuronen-schützende Wirkung", so Gold.

Positive Therapie mit Arzneimittel

Im Zuge der Untersuchungen haben die Forscher auch die positive Wirkung des immunmodulatorischen Arzneistoffs Glatirameracetat bestätigt. Diese Substanz gibt es bereits im Handel. "Wir wollen nun nach ähnlichen Substanzen suchen, die diese Wirkung noch verstärken können", erklärt Gold. Dazu untersucht man zukünftig im Netzwerk auch Patienten, die auf dieses Arzneimittel besonders gut ansprechen.

Eine Heilung bereits geschädigter Nerven sei aller Wahrscheinlichkeit auch mit den neuen Substanzen nicht möglich. Golds Team konnte jedoch belegen, dass Galtirameracetat nicht nur die Produktion entzündungshemmender Zellen fördert, sondern auch die BDNF-Produktion begünstigt und damit der Verlust der Nervenfunktion gedämpft wird.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-multiplesklerose.de
http://www.rub.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie