Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hoffnung auf innovative Therapie bei Pankreaskrebs: natürliches Protein als Wirkstofftran

02.08.2011
Forscher der Chirurgischen Klinik des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München haben eine innovative Strategie zur gezielten Behandlung von Pankreaskarzinomen mitentwickelt.

Dabei konnte das Protein Shiga Toxin B als Wirkstofftransporter für Medikamente eingesetzt werden. Die Originalarbeit erscheint in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Molecular Cancer Therapeutics.


Mikroskopische Aufnahme von humanem Pankreas-Tumor. Mit fluoreszenz-markiertem Shiga Toxin B wurden Krebszellen rot angefärbt, die den Rezeptor Gb3 ausprägen. Farbig markiert sind: Zellkerne in blau, Shiga Toxin B in rot, proliferierende Zellen in grün.
Klinikum rechts der Isar

Bösartige Tumore der Bauchspeicheldrüse gehören zu den aggressivsten Krebserkrankungen überhaupt. Das Fünf-Jahres-Überleben liegt unter Berücksichtigung aller Tumorstadien bei lediglich sechs Prozent.

Die Behandlungsmöglichkeiten sind sehr begrenzt: Nur ein kleiner Teil der Patienten spricht auf die aktuell angewandte Chemotherapie an. Gleichzeitig haben die eingesetzten Therapien den Nachteil, dass sie nicht nur auf Tumorzellen, sondern auch auf das normale Gewebe wirken und damit teils beträchtliche Nebenwirkungen verursachen. Neuartige Verfahren zur frühzeitigen Diagnose und zielgerichteten Therapie sind daher dringend erforderlich.

Die Forschergruppe von Privatdozent Dr. Klaus-Peter Janssen an der Chirurgischen Klinik arbeitet daher seit längerem an der Entwicklung eines so genannten Vektors, eines Wirkstofftransporters, der sich gezielt in Krebszellen anreichert, nicht jedoch im Normalgewebe. Dadurch soll die Chemo- oder Strahlentherapie ganz auf den Tumor konzentriert werden können, um eine effiziente Tumorbehandlung möglichst ohne Nebenwirkungen zu erreichen.

In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Institut Curie in Paris setzte die Arbeitsgruppe auf einen Vektor, der diese Vorgaben auf natürlichem Weg erfüllt: das Shiga Toxin B. Das ursprünglich aus einem Darmbakterium stammende Protein ist ungiftig und verursacht für sich genommen keine nennenswerten physiologischen Störungen. Durch die Kopplung an radioaktive oder chemotherapeutische Substanzen lässt sich das Shiga Toxin B jedoch in ein effektives Werkzeug zur diagnostischen Tumordarstellung verwandeln und möglicherweise auch zur Therapie einsetzen.

In der aktuellen Veröffentlichung überprüfte die Forschergruppe, ob Pankreaskarzinome den natürlichen Rezeptor für das Shiga Toxin B (Gb3 / CD77) ausprägen und sich somit potentiell für Diagnose und Therapie mit dem Protein eignen. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass der Rezeptor in Krebszellen deutlich stärker ausgeprägt ist als in gesundem Gewebe. Zellkulturversuche waren vielversprechend: Zelllinien von Pankreastumoren nahmen das Shiga Toxin B rasch und hochspezifisch auf. Die Forscher konnten nun ein Chemotherapeutikum (einen sog. Topoisomerase-Inhibitor) direkt an das Shiga Toxin B koppeln. Diese neuartige Kombination wurde nur von Krebszellen aufgenommen, die den Rezeptor Gb3 enthalten und hatte eine vielfach stärker abtötende Wirkung auf Krebszellen als das unveränderte Medikament. Damit ist der Nachweis erbracht, dass eine Therapie auf Basis des Shiga Toxins B gezielt auf Krebszellen wirkt.

Weitere präklinische Studien müssen nun zeigen, ob diese Form der zielgerichteten Krebstherapie für einen zukünftigen klinischen Einsatz geeignet ist.

Ansprechpartner:
PD Dr. rer. nat. Klaus-Peter Janssen
Tel.: 089-4140-2066
E-mail: klaus-peter.janssen@lrz.tum.de

Tanja Schmidhofer | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.tu-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie