Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hochschule sorgt mit Schneckentechnik für sauberere Zähne

04.07.2012
Eine neuartige Diagnose- und Reiniger-Einheit soll Karies und Parodontose vorbeugen. Das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium fördert das zweijährige Projekt mit rund 320.000 Euro. Neben der Hochschule sind Unternehmen aus Bochum, Solingen und Witten beteiligt.

Das Problem liegt zwischen den Zähnen: 70 Prozent der Zahnfüllungen wurden 2009 bei gesetzlich Versicherten nötig, weil zwischen den Zähnen Karies die Zähne angriff. Und alle Parodontose geht auch von hier aus.


Wohin Zahnbürste und Zahnseide zur Zahnreinigung nicht kommen, dort soll vor allem in den Zahnzwischenräumen ein Zahnreinigungsgerät arbeiten, das bis 2014 an der Westfälischen Hochschule in Bocholt entwickelt wird. Es basiert auf dem Prinzip der Raspelzunge der Schnecke. Mit im Forschungsboot sind Unternehmen aus Bochum, Solingen und Witten. Foto: WH/BL, Abdruck honorarfrei

Ursache sind Biofilme, die vor allem in den Zahnzwischenräumen weder von der Zahnbürste noch von Zahnseide ausreichend entfernt werden können. Das will die Westfälische Hochschule und hier speziell der Bionik-Forschungsbereich an der Hochschulabteilung Bocholt jetzt mit einer Kombination aus Bionik, Mikrotechnik und Nanotechnologie ändern.

Als erstes will Prof. Dr. Andrea Springer mit einem Team aus wissenschaftlichen Mitarbeitern, Studierenden und externen Unternehmenspartnern aus Bochum, Solingen und Witten eine Diagnose-Einheit entwickeln, mit der der Zahnarzt die Zahnzwischenräume seiner Patienten untersucht und feststellt, ob Zahn und Zahnfleisch gesund sind. Dabei kommt Mikrotechnik zum Zug, denn zwischen den Zähnen ist es so eng, dass nicht einmal die bisherige Röntgentechnik hier ausreichend Auskunft geben kann. Sensoren vermessen nicht nur mögliche Schäden, sondern geben auch ein genaues Bild der individuellen Geometrie zwischen den Zähnen, woraus der Zahnarzt auch ableitet, wie groß oder besser wie winzig die Reinigungseinheiten sein müssen.

Dann kommt die Bionik ins Spiel, denn zur Reinigung der Biofilme kopieren die Wissenschaftler technisch die Schneckenzunge: Mit feinsten Zähnchen auf der Zunge raspelt das Weichtier in der Natur Fressbares von Oberflächen ab. Nach diesem Vorbild soll eine Mikro-Reinigereinheit entstehen, die dahin kommt, wohin die Zahnbürste nicht kommt. Dabei sollen die Bakterienfilme schonend mechanisch abgetragen werden und so verhindern, dass die Säuren der Bakterien den Zahnschmelz angreifen. Das ist so gründlich, dass der Patient diese spezielle Reinigung sogar nur dreimal wöchentlich durchführen muss, um seine Zähne und sein Zahnfleisch dauerhaft zu schützen. Zum Zahnarzt muss er dafür nicht, sondern kann das bequem zu Hause selber machen.

Das Projekt, das bei der Fachhochschule unter der Überschrift „med.clean&control“ läuft, wird vom nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium im Rahmen des Programms „PerMed.NRW“ mit rund 320.000 Euro gefördert. „PerMed.NRW“ soll Ideen für die personalisierte Medizin zur Verwirklichung begleiten. Aus 145 Wettbewerbsideen wurden sieben für die finanzielle Förderung in Höhe von insgesamt über elf Millionen Euro ausgewählt, darunter auch der Wettbewerbsbeitrag von Prof. Dr. Andrea Springer aus der Abteilung Bocholt der Westfälischen Hochschule. „Die vorgeschlagenen Vorhaben sind innovativ und haben ein großes Potenzial, sowohl die personalisierte Medizin in Nordrhein-Westfalen inhaltlich voranzubringen wie auch einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung zu leisten“, so Ministerin Svenja Schulze bei der Vorstellung der sieben Gewinner. Das Projekt läuft über zwei Jahre bis Juni 2014 einschließlich.

Mit im Forschungsboot sitzen drei Unternehmen: Die Firma Ingpuls aus Bochum kümmert sich um Sensortechnologie, ein Solinger Unternehmen soll die nötigen Werkzeuge bauen, damit die winzigen Geräte in Spritzgießtechnik produziert werden können, ein Unternehmen aus Witten konzipiert und entwickelt die Vermarktung.

Ihre Medienansprechpartnerin für weitere Informationen:
Prof. Dr. Andrea Springer, Fachbereich Maschinenbau der Abteilung Bocholt der Westfälischen Hochschule, Telefon (02871) 2155-927 oder 2155-902 (Dekanatssekretariat), E-Mail andrea.springer@w-hs.de

Hinweis: Seit dem ersten März 2012 heißt die Fachhochschule Gelsenkirchen „Westfälische Hochschule“. Der neue regionale Name zeigt die Zusammengehörigkeit der Standorte Gelsenkirchen, Bocholt und Recklinghausen. Auch unter ihrem neuen Namen lebt die Fachhochschule ihre mittlerweile zwanzigjährige Tradition berufsnaher akademischer Ausbildung sowie anwendungsorientierter Forschung und Entwicklung.

Dr. Barbara Laaser | idw
Weitere Informationen:
http://www.w-hs.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs
13.12.2017 | Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten