Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hirntumore: Neue Therapie überraschend erfolgreich

02.03.2009
Durch Kombination zweier Medikamente lässt sich die Therapie bestimmter Hirntumore entscheidend verbessern. Das zeigen Forscher der Universität Bonn zusammen mit deutschen und Schweizer Kollegen in einer aktuellen Studie.

Sie behandelten 39 Patienten, bei denen ein so genanntes Glioblastom diagnostiziert worden war. Die Betroffenen überlebten durchschnittlich 23 Monate; bei der Standardtherapie beträgt diese Frist im Schnitt 14,6 Monate. Glioblastome sind die aggressivsten und häufigsten hirneigenen Tumore.

Unbehandelt führt die Erkrankung binnen weniger Wochen zum Tod. Die Studie ist im Journal of Clinical Oncology erschienen (doi: 10.1200/JCO.2008.19.2195).

Glioblastome sind bis heute nicht heilbar - daran ändert auch die neue Kombinationstherapie nichts. Dennoch spricht Professor Dr. Ulrich Herrlinger vom Schwerpunkt Klinische Neuroonkologie der Uni Bonn von einem herausragenden Erfolg: "Die ungewöhnlich deutliche Verlängerung der Überlebensdauer hat uns selbst überrascht. Unsere Ergebnisse bieten die Chance, diese aggressive Krebserkrankung besser in den Griff zu bekommen. Jetzt sind weitere Untersuchungen mit einer größeren Patientenzahl nötig, um die Therapie eventuell noch zu optimieren. Die Planungen dafür laufen in Bonn bereits."

Bislang behandeln Mediziner Glioblastome mittels Bestrahlung und einer begleitenden Chemotherapie. Als "Goldstandard" gilt dabei seit einigen Jahren der Wirkstoff Temozolomid. Er wird bis heute als der wichtigste Durchbruch bei der Therapie des Glioblastoms gefeiert. Die Forscher kombinierten dieses Präparat mit dem Medikament Lomustin. Gleichzeitig erhielten die Patienten eine Strahlentherapie. Die 39 so behandelten Patienten überlebten den Tumor im Schnitt 23,1 Monate. Bei der Standardtherapie ist diese Frist mehr als ein Drittel kürzer. Sieben Patienten überlebten sogar länger als vier Jahre.

Gene entscheiden über Therapie-Erfolg

Entscheidend für den Therapie-Erfolg scheinen bestimmte Veränderungen des Erbguts zu sein. "Bei elf Studienteilnehmern war die Information eines Gens in charakteristischer Weise modifiziert", erklärt Ulrich Herrlinger. "Diese Patienten überlebten im Schnitt gut 34 Monate. Bei den anderen Patienten scheinen die Medikamente gegenüber einer reinen Strahlentherapie keinen Vorteil zu bringen - zumindest nicht in der von uns getesteten Dosis. Möglicherweise lässt sich also mit einem einfachen Gentest entscheiden, wem eine begleitende Chemotherapie helfen kann." Ein Nachteil der neuen Methode sind die Nebenwirkungen. Sie treten allerdings hauptsächlich während der mehrmonatigen Behandlungsphase auf. "Danach klingen sie in der Regel vollständig ab, und die Patienten klagen über keinerlei Beschwerden", betont Herrlinger.

Die Mediziner suchen nun in Zusammenarbeit mit dem Bonner Life&Brain-Zentrum nach verträglicheren, noch wirksameren Medikamenten. "Wir wollen dazu unter anderem in Zellkulturen von Originaltumoren untersuchen, was die in der Studie eingesetzten Präparate genau bewirken", erklärt Dr. Martin Glas, einer der Autoren der Studie.

Long-Term Survival of Patients With Glioblastoma Treated With Radiotherapy and Lomustine Plus Temozolomide. Martin Glas, Caroline Happold, Johannes Rieger, Dorothee Wiewrodt, Oliver Bähr, Joachim P. Steinbach, Wolfgang Wick, Rolf-Dieter Kortmann, Guido Reifenberger, Michael Weller, and Ulrich Herrlinger. Journal of Clinical Oncology, Februar 2009

Kontakt:
Prof. Dr. Ulrich Herrlinger
Leiter des Schwerpunkts Klinische Neuroonkologie
Neurologische Universitätsklinik Bonn
Telefon: 0228/287-19887 oder -15736
E-Mail: Ulrich.Herrlinger@ukb.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics