Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hirntumor im Kindesalter – Operation als Schlüssel zum Therapieerfolg

20.04.2011
Eingriffe sollten in spezialisierten Zentren durchgeführt werden

Hirntumoren sind nach der Leukämie die zweithäufigste Krebserkrankung im Kindesalter. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 300 bis 350 Kinder an einem Hirntumor. Sie haben die besten Heilungschancen, wenn es gelingt, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen.

Die Operation sollte deshalb in Zentren mit einer hohen Expertise in der Chirurgie von Hirntumoren durchgeführt werden. Dies betont die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) im Vorfeld ihrer Jahrestagung. Der Kongress findet vom 7. bis zum 11. Mai 2011 in Hamburg statt. Die pädiatrische Neurochirurgie ist ein Themenschwerpunkt des Kongresses.

Hirntumoren liegen bei Kindern häufig in schwer zugänglichen Hirnregionen. Hinzu kommt, dass die Vielfalt der Tumorarten im Kindesalter besonders hoch ist. „Eine hochwertige kernspintomographische Bildgebung – gegebenenfalls in Narkose – und eine genaue Kenntnis der Tumoreigenschaften sind für Therapiestrategie und -erfolg von herausragender Bedeutung.

Kleine Patienten sollten deshalb in Zentren operiert werden, die mit der neurochirurgischen Versorgung von Kindern viel Erfahrung haben“, erklärt Privatdozentin Dr. med. Martina Messing-Jünger, Chefärztin an der Asklepios-Kinderklinik in Sankt Augustin bei Köln. Fachpublikationen belegen, dass dort oft bessere Operationsergebnisse erzielt werden als in neurochirurgischen Abteilungen, die nicht auf Kinder spezialisiert sind.

Ziel der Operation ist es, den Tumor komplett zu entfernen und dabei alle Hirnfunktionen zu erhalten. Gutartige Tumoren sind durch eine Operation heilbar. Bei bösartigen Tumoren muss sie häufig durch eine Chemo- oder Strahlentherapie ergänzt werden. Beide sind jedoch mit Nebenwirkungen für die kleinen Patienten verbunden: So kann die Strahlentherapie die Hirnentwicklung wesentlich beeinträchtigen. Die Chemotherapie schädigt zwar nicht das Gehirn, belastet jedoch den übrigen Körper sehr.

Vor allem der Strahlentherapie sind bei kleinen Kindern enge Grenzen gesetzt. „Das Gehirn ist bei der Geburt noch nicht ausgereift. Viele Funktionen werden in den ersten Lebensjahren erworben. Eine Strahlentherapie kann deshalb die Entwicklung der Intelligenz stören“, erläutert Messing-Jünger im Vorfeld der DGNC-Jahrestagung. Zudem ziehe sie die Steuerzentren für die Hormonproduktion in Mitleidenschaft. Deshalb werde heute in den ersten drei Lebensjahren auf eine Strahlentherapie verzichtet. Erst nach dem siebten Lebensjahr seien Bestrahlungen mit geringerem Risiko durchführbar. „Natürlich gilt auch hier: Wenn wir auf die Strahlentherapie verzichten können, dann tun wir das. Voraussetzung hierfür ist aber ein optimales Operationsergebnis”, so die Expertin.

Allerdings bietet die Strahlentherapie oft sehr gute Heilungschancen, wenn ein Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte. Grundlegend für den Behandlungserfolg ist, dass sich Neurochirurgen, Kinderonkologen und Strahlentherapeuten nach der Operation eng miteinander austauschen, um postoperative Bildgebung und intraoperative Verhältnisse abzugleichen. Auch dies unterstreicht, wie wichtig es ist, die Operation an einem Zentrum durchzuführen, in dem alle beteiligten Fachärzte ein integriertes Team bilden. So ist der Neurochirurg zwar oft der erste Ansprechpartner für die betroffene Familie. Ein interdisziplinäres Vorgehen bei Therapieplanung und -umsetzung sei jedoch entscheidend: „Wir stimmen uns eng mit den Kinderonkologen und Strahlentherapeuten ab. Ziel ist, gemeinsam ein optimales Therapiekonzept zu entwerfen, das auf Tumorart und Alter des Patienten zugeschnitten ist”, so Messing-Jünger. Hierzu gehöre auch die Mitarbeit am zentralen Tumorregister, das die Behandlungsergebnisse auswertet, sowie eine dauerhafte Nachsorge mit allen beteiligten Ärztegruppen.

Terminhinweise:

Kongress-Pressekonferenz
Montag, 9. Mai 2011, 12.15 – 13.15 Uhr
Congress Center Hamburg, Saal 12, Am Dammtor/Marseiller Straße, 20355 Hamburg
Themen und Referenten der Kongress-Pressekonferenz:
+ Neurochirurgie – Entwicklungen des Faches und Schwerpunkte der Jahrestagung
Professor Dr. med. Manfred Westphal, Tagungspräsident, Ärztlicher Leiter der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
+ Das Kind als Patient in der Neurochirurgie: Junge Krebspatienten gezielt behandeln – Nebenwirkungen minimieren

PD Dr. med. Martina Messing-Jünger, Chefärztin der Abteilung für Kinderneurochirurgie, Asklepios Klinik Sankt Augustin

+ Tumoren der Wirbelsäule fächerübergreifend therapieren: Schmerzen lindern und Lähmungen beheben

Professor Dr. med. Bernhard Meyer, Direktor der Neurochirurgischen Klink und Poliklinik, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

+ Die Zeitbombe im Kopf entschärfen: Welche Gefäßfehlbildungen des Gehirns sind gefährlich? Wie lassen sie sich behandeln?

Professor Dr. med. Volker Seifert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, Klinikum und Fachbereich Medizin der Goethe-Universität, Frankfurt am Main

+ Warum Hirntumor nicht gleich Lungentumor ist: Hirntumoren stärker beforschen und individualisierte Behandlungskonzepte entwickeln

Professor Dr. med. Jörg-Christian Tonn, Direktor der Neurochirurgischen Klink und Poliklinik, Klinikum der Universität München, Campus Großhadern

Kontakt für Journalisten:

Silke Stark
Pressestelle
62. Jahrestagung der DGNC
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: +49 (0)711 8931-572
Fax: +49 (0)711 8931-167
tark@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.dgnc.de/2011/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Lymphdrüsenkrebs programmiert Immunzellen zur Förderung des eigenen Wachstums um
22.02.2018 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Forscher entdecken neuen Signalweg zur Herzmuskelverdickung
22.02.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics