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Hallesche Forscher auf der Suche nach neuen Therapieansätzen bei Diabetes mellitus

04.12.2008
Förderung durch das Land

Hallesche Wissenschaftler vom Institut für Anatomie und Zellbiologie begeben sich auf die Suche nach neuen Therapieansätzen bei Diabetes mellitus. Sie wollen den Einsatz von Stammzellen erforschen. Für dieses Forschungsprojekt erhält das Institut Unterstützung vom Land Sachsen-Anhalt

Eine Nachwuchsforschergruppe am Institut für Anatomie und Zellbiologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Direktor Professor Dr. med. Dr. agr. Bernd Fischer) ist auf der Suche nach einer neuen Therapiemöglichkeit bei Diabetes mellitus. Dabei soll erforscht werden, ob Stammzellen als Quelle für Insulin produzierende Zellen genutzt werden können. Die Zuckerkrankheit betrifft immer mehr und immer jüngere Menschen. Dieser Trend und die damit verbundene Zunahme von Folgeerkrankungen erfordern die Entwicklung von Verfahren zum Ersatz und/oder der Regeneration der Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Auf Grund ihres hohen Entwicklungspotentials stellen Stammzellen dabei eine Erfolg versprechende Quelle dar.

Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt das Vorhaben im Rahmen der Förderung innovativer Forschungsprojekte in den kommenden Jahren. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen den Arbeitsgruppen von Prof. Fischer in der halleschen Anatomie und von Frau Professor Dr. Anna Wobus vom Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben. Dr. Insa Schröder leitet die Nachwuchsforschergruppe "Stammzellforschung". Sie studierte Lebensmittelchemie und arbeitet bereits seit etwa zehn Jahren auf dem Gebiet der Stammzellforschung.

Derzeit gibt es kein Verfahren, aus adulten (erwachsenen) oder embryonalen Stammzellen eine ausreichende Zahl funktioneller Insulin produzierender Zellen für therapeutische Zwecke zu gewinnen. Voraussetzung für die Etablierung derartiger Verfahren ist die Kenntnis der molekularen und zellulären Prozesse, die die Entwicklung dieser Zellen steuern. Die Nachwuchsforschergruppe wird sich mit der Gewinnung Insulin produzierender Zellen aus so genannten pluripotenten embryonalen Stammzellen und der Analyse von Glukose regulierten Stoffwechselwegen befassen. Als pluripotent bezeichnet man Stammzellen, die sich nahezu in alle Zelltypen, die beim Menschen vorkommen, differenzieren können.

Ziel ist es zunächst, am Modell embryonaler Stammzellen der Maus die zellulären Differenzierungsprozesse zu analysieren. Da der Einsatz humaner embryonaler Stammzellen für die Forschung aus ethischen Gründen problematisch ist, sollen die entwickelten Differenzierungsmodelle auf humane sogenannte reprogrammierte induzierte pluripotente (iPS-) Stammzellen übertragen werden, die aus adulten Körperzellen gewonnen werden können. Damit wird die Nachwuchsforschergruppe eine hochinnovative Forschungsrichtung aufnehmen, die es ermöglicht, aus patienteneigenen Spenderzellen iPS-Zellen zu gewinnen und zu Insulin produzierenden Zellen "umzufunktionieren". Dieser Forschungsansatz wurde im Rahmen des TRM Awards 2008 auch vom Translationszentrum für regenerative Medizin (TRM) in Leipzig gewürdigt, das die Nachwuchsgruppe mit zusätzlichen Personal- und Sachmitteln unterstützt.

Mit der Etablierung der Nachwuchsforschergruppe ist die Fortführung der am Leibniz-Institut (IPK) Gatersleben etablierten und international anerkannten Stammzellforschung gesichert. Durch die Ansiedlung im Anatomischen Institut werden die in Gatersleben und Halle vorhandenen Expertisen gebündelt. "Die Nachwuchsforschergruppe wird zu einer besseren inneruniversitären Vernetzung der Stammzellforschung beitragen und bestehende Kooperationen zu externen Institutionen im In- und Ausland fortsetzen und erweitern", sagt Professor Bernd Fischer.

Laut Professor Fischer sind im Rahmen dieses Forschungsförderungsprogrammes durch das Land etwa 170 Anträge eingegangen. Ungefähr zehn Prozent wurden positiv beschieden, davon drei an der Martin-Luther-Universität. Alle drei bewilligten Projekte stehen in Verbindung mit der Medizinischen Fakultät.

Jens Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

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