Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gentherapie für seltene Bluterkrankung

18.12.2017

MHH-Forscher entwickeln Zell- und Gentherapie für besseren Schutz gegen Krankheitserreger / Veröffentlichung in „Blood“

Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben erstmals eine erfolgreiche Zell- und Gentherapie für eine genetisch bedingte Infektionskrankheit entwickelt. Sie verspricht eine vielversprechende Therapie für die lebensbedrohliche und seltene Erkrankung „Mendelian Susceptibility to Mycobacterial Disease (MSMD)“ zu sein, indem sie die Erkrankten vor mykobakteriellen Krankheitserregern schützt. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse in „Blood“, dem renommierten Fachjournal der „American Society for Hematology ASH“.


Privatdozent Dr. Nico Lachmann mit zwei der drei Erstautoren: Patrick Blank und Dr. Miriam Hetzel.

Foto: MHH

Das Immunsystem des Menschen ist mit einer Vielzahl unterschiedlicher Blutzellen ausgestattet, um jeden Tag gegen verschiedene Krankheitserreger anzukämpfen. Eine Schwächung des Immunsystems kann dazu führen, dass Patienten schwere Infektionskrankheiten erleiden.

Eine bestimmte Ursache dafür können Mutationen im Erbgut sein, die dazu führen, dass die Fresszellen (Makrophagen) im Körper nicht mehr funktionieren und somit Krankheitserreger wie etwa Mykobakterien nicht mehr richtig beseitigen können. Dies tritt unter anderem bei der Erkrankung MSMD auf, bei der Patienten schwere und zum Teil tödlich verlaufende Infektionen durch Mykobakterien erleiden. MSMD ist eine genetisch bedingte Erkrankung, die sich bereits im Kleinkindalter manifestiert und für die es derzeit keine effektive heilende Therapie gibt.

Das internationale Team um Privatdozent Dr. Nico Lachmann aus dem Institut für Experimentelle Hämatologie und dem Exzellenzcluster REBIRTH hat nun erstmals den Grundstein für eine effektive und langanhaltende Therapie für MSMD entwickelt. „Für die schwerste Form der MSMD, die IFNgR1 Defizienz, haben wir Genfähren entwickelt, die es uns erlauben, den genetischen Defekt in den Zielzellen zu korrigieren und so die Funktion in den Makrophagen wiederherzustellen“, sagt Dr. Lachmann.

Das Team aus Wissenschaftlern und Ärzten aus Hannover, Italien, Frankreich und den USA hat die neuartige Therapie bereits erfolgreich in einem Mauskrankheitsmodell belegen können. „Die Therapie ist so wirksam, dass nur wenige genetisch korrigierte Zellen ausreichen, um den gesamten Organismus vor den schweren Infektionen durch Mykobakterien zu schützen“ sagt Dr. Miriam Hetzel, die sich die Erstautorenschaft mit Dr. Adele Mucci (früher MHH, jetzt am San-Raffaele-Krankenhaus in Mailand) und Patrick Blank vom TWINCORE teilt.

Die genetisch korrigierten Blut-Stammzellen wandern nach der Transplantation ins Knochenmark und fangen dort sofort an, die fehlenden Fresszellen zu bilden. Die Forscher waren überrascht, dass die neu gebildeten Fresszellen dann sehr schnell in die einzelnen Organe wandern, um dort ihre Arbeit aufzunehmen. „Wir waren erfreut zu sehen, wie gut und schnell diese Therapie schützt“, sagt Dr. Lachmann, der bereits daran arbeitet, auf den Menschen zu übertragen.

Dass nur wenige korrigierte Zellen für eine Therapie nötig sind, lässt auf eine schnelle Umsetzung in die Klinik hoffen. „Aufgrund dieser Erkenntnis arbeiten wir gerade daran, nur die defekten Fresszellen durch gesunde Zellen in den Lungen zu ersetzen. Diese Art der zellbasierten Therapie eröffnet dann ganz neue Wege in der regenerativen Medizin“ sagt Dr. Lachmann.

Die Originalpublikation finden Sie im Internet unter folgendem Link: http://www.bloodjournal.org/content/early/2017/12/12/blood-2017-10-812859

Weitere Informationen erhalten Sie bei Privatdozent Dr. Nico Lachmann, lachmann.nico@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-5266.

Stefan Zorn | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Revolutionär: Ein Algensaft deckt täglichen Vitamin-B12-Bedarf
23.04.2018 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Verleihung GreenTec Awards 2018 – Kategorie »Energie« am 24. April 2018 auf der Hannover Messe

23.04.2018 | Förderungen Preise

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics