Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Im Fokus: Bisher vernachlässigte Infektionskrankheiten

06.11.2008
BMBF-gefördertes Projekt rückt bisher vernachlässigte Infektionskrankheiten in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen. Es sollen Marktpotenzial und die Entwicklungskosten für neue Diagnostika und Impfstoffkandidaten in der Human- und Tiermedizin ermittelt sowie ein Konzept für ihre Verwertung erstellt werden.

"Angesichts der beobachteten Zunahme bisher seltener Infektionskrankheiten in vielen Ländern, auch in Deutschland und Europa, und der Zunahme der Wirtschaftskraft zahlreicher Länder außerhalb Europas besteht neuerdings größeres Interesse von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen an Diagnostika und Impfstoffen für diese Krankheiten.

Hinzu kommt, dass Diagnostika heute wesentlich kostengünstiger entwickelt und Impfstoffe durch ein einzelnes Verfahren für ganz Europa gleichzeitig zugelassen werden können.", erklärt Professor Hermann Müller, Direktor des Institutes für Virologie im Zentrum für Infektionsmedizin an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig und einer der Teilnehmer des neuen BMBF-Projektes.

Das Projekt ordnet sich ein in das BMBF-Forschungsprogramm "Forschung für den Markt" (ForMat). Es steht unter der Federführung von Prof. Dr. Christian Jassoy, Institut für Virologie der Medizinischen Fakultät und soll das Marktpotenzial und die Entwicklungskosten für neue Diagnostika und Impfstoffkandidaten in der Human- und Tiermedizin ermitteln sowie ein Konzept für ihre Verwertung erstellen.

Ab 2010 ist eine Technologieförderung möglich, mit der die Diagnostika und Impfstoffkandidaten bis zur Verwertung weiter entwickelt werden können. Antragsteller sind weiterhin wie erwähnt Professor Dr. Hermann Müller und Prof. Dr. Uwe Truyen, Institut für Hygiene und Öffentliches Veterinärwesen im Zentrum Veterinary Public Health, Veterinärmedizinische Fakultät.

Über die Arbeit an der Entwicklung von Diagnostika für Viruskrankheiten hinaus sollen durch weitere Projekte junge Wissenschaftler mit Erfahrung in der Grundlagenwissenschaft an die angewandte Infektionsforschung und den Prozess der Technologieverwertung herangeführt werden. Die Nachwuchswissenschaftler sollen auch die Möglichkeit erhalten, sich durch persönliche Kontakte und die Zusammenarbeit mit örtlichen Unternehmen in der Region zu verankern. Schließlich soll die engere Vernetzung von Forschern und Verwertern dazu beitragen, den Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt Infektionskrankheiten in der Human- und Tiermedizin im Raum Leipzig weiter voran zu bringen.

Hintergrund:

"Obwohl von medizinischer Seite dringender Bedarf besteht und die technische Umsetzung möglich ist, gibt es für zahlreiche human- und veterinärmedizinische Infektionskrankheiten bisher keine geeigneten Diagnostika und Impfstoffe", sagt Professor Dr. Hermann Müller. "Dabei handelt es sich insbesondere um Infektionen, bei denen die Zahl der Erkrankungsfälle bisher nur gering ist oder das Einsatzgebiet regional begrenzt bleibt beziehungsweise in wirtschaftlich weniger potenten Ländern liegt. Dazu kommen Krankheiten bei Tierarten von geringerer wirtschaftlicher oder seuchenhygienischer Bedeutung."

Für solche Krankheiten wird gelegentlich auch der Begriff "vernachlässigt" bzw. "neglected" verwendet. Der Terminus "Vernachlässigung" bezieht sich hierbei auf die Tatsache, dass die großen Unternehmen der Pharmazeutischen Industrie aufgrund verhältnismäßig kleiner Fallzahlen oder aufgrund der bisher geringeren Zahlungsbereitschaft beziehungsweise -fähigkeit der Endkunden keine Anstrengungen zur Etablierung entsprechender Produkte unternommen haben.

Aus den bereits genannten Gründen hat sich die Situation verändert und es werden verstärkt Anstrengungen unternommen, die bisher vernachlässigten Infektionskrankheiten in den Mittelpunkt der Forschung zu rücken. Um die Kompetenzen bei der Erforschung von Infektionskrankheiten zu bündeln, haben sich Forschergruppen der Veterinärmedizinischen Fakultät und der Medizinischen Fakultät sowie der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie und des Fraunhofer Instituts für Zelltherapie und Immunologie, die auf dem Gebiet der infektionsmedizinischen Grundlagenforschung aktiv und an einer praktischen Umsetzung ihrer Forschungsergebnisse arbeiten, zusammengeschlossen. Der lose Verbund unterstützt die Institute beim Ausbau der infektionsmedizinischen Forschung und dem Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse. Ziel ist die Stärkung der bereits vorhandenen Forschung und Entwicklung im Bereich der human- und veterinärmedizinischen Infektionskrankheiten in der Region Leipzig zum Nutzen für Mensch und Tier.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Hermann Müller
Telefon: 0341 97-38200
E-Mail: virology@vetmed.uni-leipzig.de
Prof. Dr. Christian Jassoy
Telefon: 0341 97-13302
E-Mail: christian.jassoy@medizin.uni-leipzig.de

Prof. Dr. Uwe Truyen
Telefon: Telefon: 97 38 150
E-Mail: truyen@vmf.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.vmf.uni-leipzig.de
http://www.vmf.uni-leipzig.de
http://www.uni-leipzig.de/~virology

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften