Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste Nierentransplantation trotz Blutgruppenunverträglichkeit

14.11.2008
Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Jena ermöglicht jetzt auch "inkompatible" Organübertragung

Ein neues Kapitel der Transplantation in Thüringen ist in diesem Jahr am Universitätsklinikum Jena (UKJ) aufgeschlagen worden. Zum ersten Mal übertrugen die Jenaer Ärzte in einer engen Zusammenarbeit von Urologen, Internisten und Transfusionsmedizinern eine Niere, obwohl Spender und Empfänger unverträgliche Blutgruppen aufwiesen.

Dieses in Stockholm entwickelte Verfahren zur "Blutgruppen-inkompatiblen" Transplantation ist eine neue Chance im Kampf gegen die knappen Ressourcen in der Transplantationsmedizin und kommt bei der Lebendnierenspende zum Einsatz. Möglich wird die Organübertragung durch eine medikamentöse Vorbehandlung und eine spezielle Blutwäsche, die eine Abstoßung des Organs durch gegen die fremde Blutgruppe gerichtete Antikörper verhindert.

"Bisher konnten nur Verwandte mit identischen bzw. kompatiblen Blutgruppen als Spender den schwer nierenkranken Patienten helfen", erklärt Prof. Dr. Jörg Schubert, Direktor der Klinik für Urologie am Jenaer Uniklinikum. "Das schloss beispielsweise Ehepartner oft aus, denn sehr oft sind hier die Blutgruppen unverträglich." Mit dem neuen Verfahren kann der Ehemann oder die Ehefrau dem erkrankten Partner nun auch in diesem Fall mit der Spende einer gesunden Niere helfen. "Für den Spender ist das Risiko minimal, aber für den Empfänger bedeutet es oft die einzige Chance zu einem Leben ohne Dialyse", so der Jenaer Urologe.

Diese Chance genutzt hat das erste am UKJ auf diese Weise transplantierte Paar: Ein 63-Jähriger erhielt von seiner 60-jährigen Ehefrau trotz unverträglicher Blutgruppen eine Niere. "Die Spenderin hatte Blutgruppe B, der Empfänger Blutgruppe A. Das ist eine der ungünstigsten Kombinationen, die es gibt", beschreibt der behandelnde Nephrologe Prof. Dr. Gunter Wolf, Direktor der Klinik für Innere Medizin III. "Dennoch hat die Transplantation hervorragend funktioniert, der Patient ist heute sogar schon wieder voll berufstätig."

Inzwischen werden weitere Patienten in Jena auf die Blutgruppeninkompatible Transplantation vorbereitet. "Auch die ersten Daten zur längerfristigen Verträglichkeit aus Schweden und Deutschland sind sehr gut, so dass wir hier für viele Patienten eine echte Alternative gewonnen haben", so Schubert. Denn derzeit beträgt die Wartezeit auf eine nach dem Tod gespendete Niere im Schnitt sieben bis acht Jahre, eine lange Zeit, in der die Patienten auf die ständige Dialyse angewiesen sind. Schubert: "Mit dem neuen Verfahren hoffen wir, einigen der 400 Patienten auf unserer Warteliste wesentlich schneller helfen zu können."

Das Verfahren zur Blutgruppeninkompatiblen Nierentransplantation wurde erstmals vor vier Jahren in Deutschland angewendet und bisher weltweit erst ca. 100 Mal durchgeführt.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Dr. h. c. Jörg Schubert / PD Dr. Thomas Steiner
Klinik für Urologie, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641/935206
E-Mail: Joerg.Schubert[at]med.uni-jena.de
Prof. Dr. Gunter Wolf / OÄ Dr. Undine Ott
Klinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641/9324301
E-Mail: Gunter.Wolf[at]med.uni-jena.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten