Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elf Millionen chronische Schmerzpatienten – nur zwei Prozent werden von Spezialisten behandelt

02.05.2013
In Deutschland leiden elf Millionen Menschen andauernd unter Kopf-, Gelenk-, Rücken-, Nerven- oder Narbenschmerzen. Aber nur zwei Prozent der Betroffenen werden von Ärzten betreut, die sich auf dem Gebiet der Schmerztherapie spezialisiert haben.

Deshalb müssen viele Patienten unnötig chronische Schmerzen ertragen, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) im Vorfeld ihrer 64. Jahrestagung. Ihnen könnte die multimodale Schmerztherapie helfen: Dabei kombinieren Ärzte Verfahren wie Medikamententherapie, Patientenschulung, Psychotherapie, Entspannungsverfahren und Schmerzbewältigungstraining bis hin zur Implantation von Elektroden.

Neue Entwicklungen in der Schmerztherapie sind ein Schwerpunkt der 64. Jahrestagung der DGNC, die vom 26. bis 29. Mai 2013 in Düsseldorf stattfindet.

„Meist bestehen die chronischen Schmerzen schon sehr lange“, erläutert Dr. med. Susanne Stehr-Zirngibl, Chefärztin des Schmerztherapeutischen Zentrums am St. Vinzenz-Krankenhaus Düsseldorf. „Jeder fünfte Patient leidet seit mehr als zwanzig Jahren.“ Zu den häufigsten Schmerzarten zählen Kopf-, Gelenk- und Rückenschmerzen. Um die Beschwerden zu lindern, setzen Ärzte bei mehr als der Hälfte der Patienten Schmerzmittel in Form von Tabletten und Tropfen sowie Massagen ein, in etwa einem Drittel der Fälle Wärmebehandlungen und Schlammpackungen. „Das allein hilft aber meist nicht weiter“, meint Schmerzspezialistin Stehr-Zirngibl. „Denn diese Therapien sind passiv, der Patient muss nicht selbst aktiv werden. Aktivierung ist aber dringend erforderlich.“
Zu den aktivierenden Verfahren gehören Krankengymnastik, Entspannungsmethoden, Schmerzbewältigungstraining und psychologische Anleitung. „Chronische Schmerzen sind häufig die späte Folge einer traumatischen Erfahrung in der Kindheit“, berichtet Stehr-Zirngibl. „Viele Menschen stecken eine solche Verletzung zunächst weg. Aber wenn später ein einschneidendes Ereignis wie der Tod des Ehepartners, Arbeitsplatzverlust oder eine Operation hinzukommt, kann das Trauma wieder aufbrechen und sich mit chronischen Schmerzen äußern.“ In solchen Fällen hilft eine Kombination aus Antidepressiva und Aktivierung sowie Psychotherapie besonders gut, belegen Studien.

Dauerschmerzen können aber auch Folge von Narbenbildung oder Nervenverletzungen bei einer Operation sein – Experten sprechen von „neuropathischen“ Schmerzen. Sie treten beispielsweise nach Leistenbrucheingriffen oder wiederholten Rückenoperationen auf. Um diese Schmerzen zu lindern, implantieren Neurochirurgen in bestimmten Fällen auch Elektroden. Dabei legen sie die Elektroden entweder in die Nähe des Rückenmarks in den Wirbelkanal oder unter die Haut. Die Elektroden werden mit einer kleinen Batterie verbunden, die ebenfalls am Bauch oder Gesäß ins Fettgewebe eingepflanzt wird. So können die Elektroden leichte Stromimpulse abgeben, die die Weiterleitung der Schmerzsignale ans Gehirn verhindern sollen. Über den Einsatz dieser sogenannten neuromodulativen Verfahren diskutieren Experten auf der 64. Jahrestagung der DGNC.

In Frage kommen Patienten, die unter ins Bein ziehenden Schmerzen nach Rückenoperationen, Morbus Sudeck oder Narbenschmerzen nach Leistenbruchoperationen leiden. „Bei bis zu 50 Prozent dieser Patienten mit neuropathischen Schmerzen haben neuromodulative Verfahren Erfolg“, erklärt Professor Dr. med. Volker Tronnier, Direktor der Neurochirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Lübeck. Ob ein neuropathischer Schmerz vorliegt, klären Neurologe oder Neurochirurg in einer umfassenden neurologischen Untersuchung, die auch den Schmerz gezielt testet und analysiert. „Verursacht bereits das Bestreichen mit einem Wattebausch über die Leistengegend Schmerz oder unangenehme Missempfindungen, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein neuropathischer Schmerz vor“, erklärt Tronnier. Bevor operative Maßnahmen wie die Implantation von Elektroden zum Einsatz kommen, sollten andere Verfahren im Rahmen der multimodalen Therapie ausgeschöpft worden sein.

Weitere Informationen sowie das Programm der 64. DGNC-Jahrestagung sind unter http://www.dgnc.de/2013 abrufbar.

Terminhinweis:

Kongresspressekonferenz
Termin: Montag, 27. Mai 2013, 11.00–12.00 Uhr
Ort: CCD – Congress Center Düsseldorf
Anschrift: Stockumer Kirchstraße 61, 40747 Düsseldorf

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle
64. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC)
Kerstin Ullrich
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-641
Fax: 0711 8931-167
ullrich@medizinkommunikation.org

Kerstin Ullrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgnc.de/2013/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Lymphdrüsenkrebs programmiert Immunzellen zur Förderung des eigenen Wachstums um
22.02.2018 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Forscher entdecken neuen Signalweg zur Herzmuskelverdickung
22.02.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics