Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elektronisches Programm erleichtert Analyse von Nervenschmerzen

14.01.2009
Die Quantitativ Sensorische Testung (QST) ermöglicht eine umfassende Analyse neuropathischer Schmerzen. Die ärztliche Auswertung der QST-Daten erfolgte bislang für jeden QST-Wert und jeden Patienten einzeln.

Hilfe in Form des elektronischen QST-Auswertungsformulars "eQuiSTA" bietet nun der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Deutsche Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz (DFNS).

Nach Eingabe der einzelnen QST-Werte eines Patienten führt das Analysetool zu einer Bewertung des neuropathischen Schmerzsyndroms. Das einfach zu handhabende QST-Auswertungsformular kann jeder Arzt ab sofort auf der Homepage des DFNS nach einmaliger Registrierung kostenfrei nutzen.

Die QST ermöglicht mit einfachen Mitteln eine umfassende Analyse der neuropathischen Schmerzsymptomatik. Damit lassen sich Rückschlüsse auf die dem Schmerz zugrunde liegenden biologischen Mechanismen ziehen. Und so ist auch der Weg für eine gezielte Therapie geebnet. Doch nach der QST-Untersuchung folgt erstmal die Auswertung der Daten, die der untersuchende Arzt bisher für jeden Patienten und jeden QST-Wert einzeln durchführen musste. Und ab wann gilt ein QST-Wert eigentlich als krankhaft?

Dem DFNS ist es gelungen, seine Forschungsergebnisse in eine Service-Leistung zu überführen, die hier Erleichterung verspricht: "Wir haben das elektronische QST-Auswertungsformular eQuiSTA programmiert, das bei Eingabe der üblichen QST-Werte eines Patienten, ein individuelles sensorisches Profil erstellt und dieses auch grafisch darstellt. eQuiSTA berücksichtigt bei der Analyse Alter und Geschlecht des Patienten sowie das untersuchte Körperareal. Durch Abgleich der Patientendaten mit denen unserer Datenbank Neuropathischer Schmerz, gibt unser Analysetool auch Auskunft darüber, ob die einzelnen Messwerte im Normbereich liegen oder als pathologische Werte einzustufen sind", so Elena Krumova, Ruhr-Universität Bochum, die die Programmierung koordinierte. Der Befund kann im Anschluss ausgedruckt werden, beispielsweise zur Dokumentation oder als weiterführende Information für den Patienten. Darüber hinaus ist das Programm einfach und schnell bedienbar.

Der DFNS stellt das elektronische QST-Auswertungsformular ab sofort allen Ärztinnen und Ärzten nach einmaliger Registrierung kostenfrei auf seiner Homepage in der Rubrik "Arzt-Info" im Menüpunkt "eQuiSTA" zur Verfügung (http://www.neuro.med.tu-muenchen.de/dfns/arzt/qstform.html). Prof. Christoph Maier, Bochum, dessen Arbeitsgruppe die Datenbank Neuropathischer Schmerz verwaltet, erklärt abschließend: "Der DFNS rückt mit diesem Bewertungstool seinem Ziel, der Einführung der QST-Untersuchungsbatterie in die klinische Routine, einen großen Schritt näher."

QST-Protokoll und Datenbank des DFNS bilden die Basis des Programms

Die Programmierung des QST-Formulars basiert auf zwei grundlegenden Forschungserrungenschaften des DFNS. Zum einen gelang es, das Verfahren der QST zu optimieren. Die Forscher konnten ein standardisiertes QST-Protokoll entwickeln und es erfolgreich in den klinischen Alltag implementieren [1]. Die Mainzer Arbeitsgruppe um Prof. Rolf-Detlef Treede, Universität Heidelberg, sicherte hier die standardisierten Schulungen der DFNS-Mitarbeiter. Die QST-Testbatterie des DFNS erhebt insgesamt 13 Parameter. Geprüft werden verschiedene Eigenschaften des Temperaturempfindens, der Wahrnehmung und Sensitivität von Berührung und Schmerz sowie diverse Schmerzschwellen.

Dank einer Datenbank, die umfangreiche Angaben zu etwa 1200 Patienten sowie etwa 180 gesunden Probanden enthält, konnte der DFNS zum anderen für jeden QST-Test standardisierte Normwerte ermitteln. Abschließend Prof. Maier: "Die Datenbank ermöglichte uns, die Patientendaten mit denen der gesunden Probanden direkt zu vergleichen. So konnten wir einstufen, welche QST-Werte normal bzw. krankhaft sind. Auf dieser Grundlage gelang es uns schließlich, das elektronische QST-Auswertungsformular eQuiSTA zu programmieren."

Literatur: [1] Rolke R, Baron R, Maier C, Tölle TR, Treede RD et al. (2006) Quantitative Sensory Testing in the German Research Network on Neuropathic Pain (DFNS): Standardized Protocol and Reference Values. Pain 123(3):231-243. Erratum in: Pain (2006) 125(1-2):197

Über den Deutschen Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz (DFNS)
Der DFNS, der seit 2002 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird, hat das Ziel, die medizinische Versorgung von Patienten mit Nervenschmerzen grundlegend zu verbessern. Dazu erforscht der Verbund die Pathophysiologie, Prävention und Therapie neuropathischer Schmerzen. Alle Projekte des DFNS sind darauf ausgerichtet, den klinisch-wissenschaftlichen Leitgedanken, dass jeder einzelne Schmerzmechanismus eine spezifische Therapie erfordert, kurz die mechanismen-orientierte Therapie, in konkrete und zeitnah klinisch anwendbare Ergebnisse umzusetzen. Die beiden Sprecher des DFNS sind Prof. Ralf Baron, Kiel, und Prof. Thomas R. Tölle, München. http://www.neuropathischer-schmerz.de

Ansprechpartner:

Prof. Dr. med. Christoph Maier
Klinik für Anaesthesiologie, Intensiv-,
Palliativ - und Schmerzmedizin
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum
Bergmannsheil GmbH
Ruhr-Universität Bochum
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234-302-6366
E-Mail: christoph.maier@rub.de
Elena Krumova
Klinik für Anaesthesiologie, Intensiv-, Palliativ - und Schmerzmedizin
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Ruhr-Universität Bochum
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234-302-6366
E-Mail: Elena.Krumova@rub.de
Pressekontakt DFNS:
Vedrana Romanovic
Geschäftsstelle des DFNS
Neurologische Klinik und Poliklinik
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Ismaninger Str. 22
81675 München
Tel.: 089 - 4140 - 4628
E-Mail: romanovic@lrz.tum.de

Tanja Schmidhofer | idw
Weitere Informationen:
http://www.neuro.med.tu-muenchen.de/dfns/arzt/qstform.html
http://www.neuro.med.tu-muenchen.de/dfns/presse/bilder_PI_QSTform_012009.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie