Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dialyse: Blutprotein als Risikofaktor

07.03.2013
Ein verändertes Blutprotein erhöht bei Dialyse-Patienten das Sterblichkeitsrisiko. Das berichten Forscher aus Würzburg und Boston in „Science Translational Medicine“. Sie haben auch eine Idee, wie sich der Risikofaktor ausschalten lassen könnte.

Diabetes und Bluthochdruck können dazu führen, dass die Nieren nicht mehr richtig funktionieren und am Ende ihren Dienst versagen. Für die Betroffenen ist das lebensgefährlich. Sie müssen dann regelmäßig zur Dialyse – wobei die künstliche „Blutwäsche“ die Funktion der Nieren nur zu etwa zehn Prozent übernehmen kann. Außer Lebensgefahr sind Dialyse-Patienten darum erst dann, wenn sie eine Niere transplantiert bekommen. Doch dieses Glück hat nicht jeder, da Spenderorgane rar sind.

Warum ist es so fatal, wenn die Nieren ihre Arbeit nicht mehr tun? Weil sich im Blut dann Abfallstoffe anhäufen, die eigentlich mit dem Harn aus dem Körper ausgeschieden werden sollen. Dadurch wächst das Risiko für zusätzliche Krankheiten, etwa für Arterienverkalkung (Atherosklerose), Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Harmloser Harnstoff ergibt toxisches Cyanat

Im Blut von Nierenkranken häuft sich unter anderem Harnstoff an, ein eigentlich harmloses Abfallprodukt des Stoffwechsels. „Aus dem Harnstoff kann allerdings toxisches Cyanat entstehen, das sich an die Blutproteine bindet“, erklärt die Ärztin Christiane Drechsler aus der Nephrologie des Würzburger Universitätsklinikums.

Das gefährliche Cyanat setzt sich auch an Albumin fest, einem der wichtigsten Blutproteine. Das hat drastische Folgen: Das carbamylierte Albumin – so der Fachausdruck – neigt nun dazu, sich an schadhafte Stellen in den Blutgefäßen anzulagern. Damit verstärkt es den Prozess der Arterienverkalkung und mindert so die Überlebenschancen der Dialyse-Patienten.

Aminosäuren können Risiko verringern

„Wir haben einen deutlichen Zusammenhang gefunden: Je mehr carbamyliertes Albumin im Blut ist, desto kleiner fällt die Überlebenschance der Patienten aus“, sagt Christiane Drechsler. Und die Konzentration des gefährlichen Albumins wiederum ist umso höher, je weniger Aminosäuren sich im Blut befinden. Denn offenbar können Cystein, Histidin, Lysin und andere Aminosäuren die Entstehung des „Risiko-Albumins“ verhindern – auch das haben die Würzburger Wissenschaftler mit Kollegen aus Boston (USA) nachgewiesen. Für die Studie wurden Daten von 1.255 Dialyse-Patienten ausgewertet.

Pilot-Studie mit 200 Patienten geplant

Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe des Journals „Science Translational Medicine“ veröffentlicht. Sie zeigen einen neuen Weg auf, über den sich die Lebenserwartung von Nieren- und Dialyse-Patienten möglicherweise erhöhen lässt: durch die Verabreichung von Aminosäuren als vorbeugendes Mittel. „Ob das funktioniert, wollen wir nun mit rund 200 Dialyse-Patienten in einer Pilotstudie klären, die wir derzeit vorbereiten“, so Professor Christoph Wanner, Leiter der Nephrologie am Würzburger Universitätsklinikum.

Drei Haupterträge der Untersuchung

Die Studie der Würzburger und Bostoner Wissenschaftler zeigt nicht nur eine neue Möglichkeit auf, die Überlebensraten von Dialyse-Patienten zu verbessern. Sie birgt noch zwei weitere Vorteile, wie Christiane Drechsler erklärt: „In der Diagnostik bietet sich carbamyliertes Albumin als prognostischer Marker an. Außerdem könnte daraus ein Marker werden, mit dem sich die Qualität der Dialyse-Behandlung über einen längeren Zeitraum beurteilen lässt, ähnlich wie beim HbA1c-Test für Diabetiker.“

„Carbamylation of Serum Albumin as a Risk Factor for Mortality in Patients with Kidney Failure”, Anders H. Berg, Christiane Drechsler, Julia Wenger, Roberto Buccafusca, Tammy Hod, Sahir Kalim, Wenda Ramma, Samir M. Parikh, Hanno Steen, David J. Friedman, John Danziger, Christoph Wanner, Ravi Thadhani, S. Ananth Karumanchi. Science Translational Medicine, 6. März 2013, Vol. 5 Issue 175, p. 175ra29, DOI: 10.1126/scitranslmed.3005218

Kontakt

Dr. Dr. Christiane Drechsler, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Würzburg, T (0931) 201-39972, drechsler_c@klinik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | Uni Würzburg
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

16.01.2017 | Architektur Bauwesen

Herzforschung - Neue Katheterklappe in Tübingen entwickelt

16.01.2017 | Medizintechnik