Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Diabetes Typ 2 verdoppelt Risiko für Gelenkverschleiß an Knie und Hüfte

14.11.2012
Bei Menschen mit Diabetes Typ 2 verschleißen die Gelenke von Knie und Hüfte häufiger als bei anderen.
Das Arthrose-Risiko nimmt mit der Dauer der Erkrankung zu und lässt sich nicht allein auf das bei Diabetespatienten häufig vorkommende Übergewicht zurückführen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeitstudie, die in der Fachzeitschrift Diabetes Care erschienen ist.

„Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel ist offenbar ein eigenständiger Risikofaktor für Arthrose“, erklärt Studienautor Professor Dr. med. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3 am Universitätsklinikum Erlangen. Die Studie unterstreiche einmal mehr die Notwendigkeit einer frühzeitigen und konsequenten Behandlung des Typ-2-Diabetes, ergänzt Professor Dr. med. Stephan Matthaei, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Jedes Jahr erhalten fast 400 000 Menschen in Deutschland ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk. Auffallend viele von ihnen sind Diabetespatienten. „Da beide Erkrankungen im Alter häufig sind und Übergewicht ein wichtiger Risikofaktor ist, wurde lange kein direkter Zusammenhang zwischen Diabetes und Arthrose gesehen“, erläutert Georg Schett. „Dabei ist die Verbindung offensichtlich“, fügt der DDG-Experte hinzu, der die Daten der Bruneck-Studie ausgewertet hat.

Mediziner des Krankenhauses Bruneck in Südtirol sammeln seit 1990 die Gesundheitsdaten aller älteren Einwohner der Ortschaft. „Da dieses Krankenhaus die einzige Anlaufstelle für die klinische Versorgung ist und die Migration der Bevölkerung in der abgelegenen Region in den Alpen sehr gering ist, liefert die Studie sehr verlässliche Daten zur Erforschung von Krankheitsrisiken“, sagt Schett.

Seine Auswertung ergab: Typ-2-Diabetiker erhalten viermal häufiger ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk als der Rest der Bewohner. Auch wenn der Einfluss von Alter und Übergewicht herausgerechnet wurde, hatten Menschen mit Typ-2-Diabetes immer noch ein zweifach erhöhtes Risiko auf einen Gelenkersatz. Das Risiko stieg mit Dauer der Erkrankung, was einen wichtigen Hinweis auf einen ursächlichen Zusammenhang darstellt.

„In den Ultraschalluntersuchungen war der Gelenkverschleiß bei den Diabetespatienten deutlich weiter fortgeschritten, als man aufgrund von Alter und Körpergewicht erwarten würde“, führt Schett aus. Für den Internisten ist dies keine Überraschung. „Neuere Studien zeigen immer wieder, dass die Abnutzung der Gelenke nicht die einzige Ursache für die Arthrose ist“, so Schett.
Die Entzündung der Gelenke werde vielmehr durch weitere Faktoren vorangetrieben – offenbar auch durch den Diabetes. Dessen Einfluss lasse sich biologisch gut begründen, betont Schett. So sei bekannt, dass der Blutzucker in den Gelenkknorpel gelangt. Er schädige dort möglicherweise die Knorpelzellen und stimuliere die Bildung von entzündlichen Proteinen wie dem Tumornekrosefaktor alpha, dessen gelenkschädigende Wirkung von der Rheumakrankheit her bekannt ist. „Auch die diabetische Neuropathie könnte eine Rolle spielen“, fügt Schett hinzu. Die Nervenschädigung entsteht durch einen langfristig erhöhten Blutzucker und könnte dazu führen, dass Diabetespatienten Fehlhaltungen und Belastungen der Gelenke nicht mehr richtig spüren.

„Vieles spricht dafür, Arthrose als eine weitere Spätkomplikation des Typ-2-Diabetes zu betrachten“, resümiert DDG-Präsident Matthaei. „Daraus folgt, dass ein optimales Diabetesmanagement vermutlich auch Arthrosen vorbeugen könnte.“ Das deutsche Gesundheitswesen investiert jährlich mehr als 7,6 Milliarden Euro in die Behandlung von Arthrosen.

Literatur:
Schett G, Kleyer A, Perricone C, Sahinbegovic E, Iagnocco A, Zwerina J, Lorenzini R, Aschenbrenner F, Berenbaum F, D'Agostino MA, Willeit J, Kiechl S.
Diabetes Is an Independent Predictor for Severe Osteoarthritis: Results from a longitudinal cohort study.
Diabetes Care. 2012 Oct 5. [Epub ahead of print]
Abstract:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23002084

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle DDG
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-552, Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Deutsche Diabetes Gesellschaft
Geschäftsstelle
Reinhardtstr. 31
10117 Berlin
Tel.: 030 3116937-11
Fax: 030 3116937-20
info@ddg.de

Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten