Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chronobiologische Forschungsergebnisse: Relevanz für die Schlafmedizin

20.10.2014

Die 22. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) befasst sich mit den Auswirkungen von unzureichendem und nicht erholsamem Schlaf auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Menschen. Vom 4. bis 6. Dezember 2014 werden im Congress-Centrum Ost Koelnmesse in Köln unter dem Leitthema „Schlaf und Rhythmus“ zur größten europäischen Tagung dieses Fachgebietes über 2000 Mediziner und Wissenschaftler erwartet.

Die Schlafmedizin ist das Gebiet in der Medizin, welches chronobiologische Gesichtspunkte am häufigsten in ihre Krankheitskonzepte integriert hat. Sie könnte damit Vorreiter für eine allgemeine Entwicklung in der Medizin werden. Klinische Chronobiologie bzw. Chronomedizin beschäftigt sich mit den endogen generierten 24-Stunden-Rhythmen in der Physiologie und dem Verhalten sowie deren Beeinflussung durch insbesondere äußere Einflussfaktoren.

„Das gehäufte Auftreten fast jeder Erkrankung bei chronischer Schichtarbeit lässt bislang nur erahnen, welche Möglichkeiten die Berücksichtigung der zugrundeliegenden Mechanismen für die allgemeine Gesundheit haben könnten“, weiß Dr. Dieter Kunz, Leiter der AG Schlafforschung und klinische Chronobiologie der DGSM.

Die 24-Stunden-Variation von Physiologie und Verhalten sind wahrscheinlich das evolutionäre Ergebnis der Erdrotation. Der konstante 24-Stunden-Wechsel von Licht und Dunkelheit und damit verbunden Warm und Kalt hat bei allen Lebewesen zur Entwicklung eines Systems an inneren Uhren geführt, die diesen Wechsel vorhersehen.

Vom Einzeller bis zum Säugetier inklusive des Menschen haben sich Mechanismen ausgeprägt, die eine Ähnlichkeit aufweisen, wie sie in keinem anderen biologischen System zu finden sind. Es war vor ca. 40 Jahren eine Sensation, als deutlich wurde, dass auch der Mensch ein solches System an inneren Uhren besitzt. Gerade medizinische Fachrichtungen wie Psychiatrie und Schlafmedizin, in denen Verhaltensbeobachtungen Kern der Diagnostik sind, sahen viele Möglichkeiten, ihre Störungsbilder über Veränderungen einer inneren Uhr erklären zu können.

In den vergangenen 30 Jahren hat die chronobiologische Grundlagenforschung wesentliche neue Erkenntnisse erbracht, die nun zur klinischen Reife gelangen. Es ist bekannt, dass die individuelle 24-Stunden-Information in jeder einzelnen Zelle vorhanden ist. 10 Prozent aller Gene exprimieren ihre Eiweiße im 24-Stunden-Rhythmus. Dementsprechend hat jedes einzelne System, ob Niere, Leber, Haut, Herz, Drüsen oder Nervensystem einen eigenen 24-Stunden-Rhythmus. Diese verlaufen aber nicht parallel, sondern - einem mathematischen Chaos gleich - muss jedes einzelne System zu einem bestimmten Zeitpunkt seinen Beitrag leisten. Dementsprechend funktioniert der menschliche Körper nachts völlig anders als tagsüber.

Störungen im System kennt jeder, der Zeitverschiebungen erlebt, ob Sommer-/Winterzeit oder Transkontinental-Flug. Symptome beinhalten Schwindel, Kopfschmerz, Müdigkeit, Schlafstörung, Verdauungsstörungen u.a. Gleiche Symptome mit stärkerem Ausprägungsgrad erfahren Menschen, die chronisch Schicht arbeiten.

„Diese Symptome sind allerdings nur „die Spitze des Eisbergs“. Sie sind Ausdruck eines „Nicht-Funktionierens“ des Systems an inneren Uhren. Einem Schweizer Uhrwerk gleich, in das Sand geschüttet wird, knirscht es hier und knirscht es da, am Ende geht die Sollbruchstelle des Körpers zu Bruch. Es resultieren Erkrankungen aus jedem Bereich der Medizin“, warnt Dieter Kunz.

Die Schlafmedizin hat in den vergangenen Jahren eine Reihe erstaunlicher Zusammenhänge zwischen Schlafverkürzung, Schlafstörung und Schlaf zum falschen Zeitpunkt einerseits sowie Störungen des circadianen Systems und deren Konsequenzen für die allgemeine Gesundheit andererseits vorgestellt. Damit ergeben sich neue Perspektiven für eine Vielzahl von Erkrankungsbildern, auch bei denen Schlaf bislang nicht im Fokus stand.

Neben der verbesserten Diagnostik auf insbesondere molekularbiologischer Ebene wird in naher Zukunft die Möglichkeit der positiven Beeinflussung im Mittelpunkt stehen. Das System an inneren Uhren muss getaktet werden durch helles und qualitativ optimiertes Licht am Tag sowie Dunkelheit bzw. das System nicht negativ beeinflussende Beleuchtung in der Nacht. 

Die entsprechenden Perspektiven scheinen verstanden zu werden. Insbesondere in Deutschland entstehen Forschungsverbünde, die z.B. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms Photonik Forschung Deutschland unterstützt werden. Eine Leitlinie wird in absehbarer Zukunft Konsequenzen für die Arbeitsmedizin in Deutschland vorstellen.

Das gesamte Programm der Jahrestagung ist ersichtlich auf der Homepage www.dgsm-kongress.de. Medienvertreter sind herzlich eingeladen die 22. Jahrestagung der DGSM im Dezember in Köln zu besuchen. Die Akkreditierung ist über die Kongresshomepage oder direkt über den Pressekontakt möglich!

Pressekontakt:
Conventus Congressmanagement, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Romy Held
Tel.: 03641/3116280, romy.held@conventus.de

Weitere Informationen:

http://www.dgsm-kongress.de - Kongress-Homepage

Wolfgang Müller | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

nachricht MRT-Kontrastmittel: Neue Studie spricht für Sicherheit
17.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie