Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brustkrebs: Radiotherapie kann Patientinnen schmerzhaftes Lymphödem ersparen

13.11.2014

Bei Brustkrebspatientinnen untersuchen behandelnde Ärzte immer auch, ob die Lymphknoten in der Achselhöhle befallen sind. Ist das der Fall, werden diese operativ entfernt. Eine Folgewirkung der Operation kann sein, dass sich Lymphflüssigkeit staut und der Arm schmerzhaft anschwillt. 

Bei vielen Frauen im Frühstadium des Brustkrebses kann das Lymphödem verhindert werden, wenn sie nach der Wächterlymphknotenentfernung keine weitere Operation, sondern eine Radiotherapie erhalten. Dies kam in einer europäischen Studie heraus, die nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) die Behandlung des Brustkrebses verändern wird.

An der Studie hatten neun europäische Länder und fast 5000 Frauen mit einem Frühkarzinom teilgenommen. Der Tumor war bei ihnen kleiner als drei Zentimeter und die Lymphknoten in der Achsel waren noch nicht tastbar.

„In dieser Situation besteht die Behandlung in einer brusterhaltenden Entfernung des Tumors, des Wächterlymphkotens und einer Bestrahlung der Brust“, berichtet DEGRO-Präsident Professor Dr. med. Michael Baumann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Dresden.

Da ein Tastbefund den Befall der Achsel nicht sicher ausschließt, werden heute vor der Operation durch Einspritzen von Farbe jene Lymphknoten markiert, die für das Ableiten der Lymphe aus der Brust zuständig sind. „Die probeweise Entfernung und Untersuchung dieser sogenannten Wächter-Lymphknoten zeigt uns, ob die Lymphknoten in der Achsel tatsächlich nicht befallen sind“, erläutert Professor Baumann.

Die Behandlung bestand bei Befall des Wächterlymphknotens bisher in der operativen Entfernung weiterer Lymphknoten aus der Achsel. „Die Ausräumung der Axilla hat bei vielen Frauen eine schmerzhafte und dauerhafte Schwellung des Arms mit Bewegungseinschränkungen zur Folge, die wir als Lymphödem bezeichnen“, fährt der DEGRO-Präsident fort.

Die AMAROS-Studie – die Abkürzung steht für After Mapping of the Axilla: Radiotherapy or Surgery? – hat in den vergangenen Jahren untersucht, ob eine Strahlentherapie bei einem positiven Lymphknotenbefund die Ausräumung der Achselhöhle ersetzen kann.

„Diese Frage kann jetzt eindeutig bejaht werden“, sagt DEGRO-Pressesprecher Professor Dr. med. Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim. Die Studie habe gezeigt, dass es unter den Teilnehmerinnen mit einem positiven Wächter-Lymphknoten nach der Strahlentherapie nicht signifikant häufiger zu einem Tumorrückfall in der Achselhöhle kommt. Zudem hatten die Patientinnen, die eine Radiotherapie erhalten hatten, signifikant seltener ein Lymphödem als die operierten Patientinnen:

Nach der Operation litten im ersten Jahr 28 Prozent an der schmerzhaften Schwellung des Arms, nach fünf Jahren waren es noch 23 Prozent. Bei der Bestrahlungsgruppe waren es im Vergleichszeitraum nur 15 beziehungsweise 14 Prozent. „Das Lymphödem ist eine dauerhafte Folge der Operation, mit der sich die betroffenen Frauen für den Rest ihres Lebens arrangieren müssen“, erläutert Professor Wenz. Vielen scheint dies zu gelingen. Bei einer Fragebogenerhebung zur Lebensqualität gab es zwischen den beiden Patientinnengruppen diesbezüglich keinen Unterschied.

„Die Folgen können im Einzelfall jedoch schwerwiegend sein und die Strahlentherapie ist eine Möglichkeit, das Risiko zu mindern“, meint Professor Wenz. Die Konkurrenz zur Operation sollte nach Ansicht beider Experten jedoch nicht überbewertet werden. Beide Therapien waren äußert effektiv.

Literatur:
Mila Donker, Geertjan van Tienhoven, Marieke E Straver et al.: Radiotherapy or surgery of the axilla after a positive sentinel node in breast cancer (EORTC 10981-22023 AMAROS): a randomised, multicentre, open-label, phase 3 non-inferiority trial. Lancet Oncol 2014. Published Online October 16, 2014 http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(14)70460-7

Zur Strahlentherapie:
Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Pressekontakt für Rückfragen:

Dagmar Arnold
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.
Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: arnold@medizinkommunikation.org


Weitere Informationen:

http://www.degro.org

Medizin - Kommunikation | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Abstoßung von Spenderorganen: Neue Biomarker sollen Komplikationen verhindern
15.12.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Antibiotikaresistenzen durch Nanopartikel überwinden?
15.12.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik