Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bochumer Mediziner transplantieren Nabelschnurblut

20.07.2009
3 Monate altes Kind nach Hirnschaden behandelt
Gute Erfahrung mit erstem Fall im Januar

Zum zweiten Mal haben Mediziner der Ruhr-Universität am 16. Juli ein Kind mit bei dessen Geburt eingefrorenem Nabelschnurblut behandelt. Der drei Monate alte Säugling hatte durch eine Hirnhautentzündung einen schweren Hirnschaden erlitten, der zu spastischen Lähmungen führte.

Die Mediziner der Campus Klinik Gynäkologie (Prof. Dr. med. Arne Jensen) und der Universitätskinderklinik am St. Josef-Hospital (Direktor Prof. Dr. med. Eckhard Hamelmann) hoffen, dass Stammzellen aus dem Nabelschnurblut die geschädigten Bereiche des Gehirns zur Regeneration anregen werden.

Eine ähnliche Behandlung im Januar 2009 hatte ermutigende Ergebnisse erbracht: Der damals behandelte dreijährige Patient, der nach einen Herzstillstand unter anderem erblindet war, hat inzwischen sein Sehvermögen wiedererlangt und beginnt bereits wieder zu sprechen.

Zellen regen andere zur Teilung an

Wie genau Stammzellen aus dem Nabelschnurblut wirken, ist noch nicht erforscht. Grundlagenuntersuchungen und Ergebnisse aus Tierversuchen legen jedoch nahe, dass geschädigte Hirnnervenzellen bestimmte Eiweißstoffe freisetzen, die die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut, das als Bluttransfusion verabreicht wird, anziehen. Die Stammzellen schütten dann wahrscheinlich vor Ort im Gehirn Substanzen aus, die Entzündungsprozesse hemmen und die Narbenbildung verhindern können. Außerdem scheinen sie verbliebene gesunde Nervenzellen zur Teilung anregen zu können, so dass diese dann die Funktionen der zerstörten Zellen übernehmen können. Wie lange nach einer Hirnschädigung diese Prozesse noch funktionieren können, wissen die Forscher nicht. "Zu diesem Thema gibt es weltweit noch keine Publikationen, abgesehen von einigen Zeitungsberichten aus den USA und China, die allerdings nicht auf wissenschaftlichen Studien basieren", erklärt Prof. Jensen. Auch bei den Bochumer Behandlungen handle es sich lediglich um Heilversuche, unterstreicht er. Studien seien in Vorbereitung.

Jetzt heißt es abwarten

Die bisherigen Erfahrungen sind allerdings ermutigend: Das dreijährige Kind, das im Januar wegen eines Hirnschadens nach einem Herzstillstand mit eigenem Nabelschnurblut behandelt worden war, hat sich gut erholt. Die Nervenfunktionen des Gehirns haben sich seit der Behandlung deutlich verbessert, das Kind hat sein Sehvermögen wiedererlangt und beginnt wieder zu sprechen. Vor der Behandlung hatte es nur jammern können. Etwa eine Woche nach dem Heilversuch gab es erste Zeichen einer Besserung. Im aktuellen Fall muss das erst drei Monate alte Kind jetzt genau beobachtet werden. "Die Stammzellen sind unseren Untersuchungen zufolge etwa ein bis zwei Tage nach der Bluttransfusion vor Ort im Gehirn", sagt Prof. Jensen. "Wann genau eine Verbesserung der Hirnfunktion eintritt, müssen wir abwarten."

Titelaufnahme

Meier C, Middelanis L, Wasilewski B, Neuhoff S, Roth-Haerer A, Gantert M, Dinse H, Dermietzel R, Jensen A (2006): Spastic paresis after perinatal brain damage in rats is reduced by human cord blood mononuclear cells. Pediatric Research 59(2) 244-249.

Weitere Informationen

Prof. Dr. med. Arne Jensen, Campus Klinik Gynäkologie, Universitätsstr. 140, 44799 Bochum, Tel.: 0234 588 196-0, E-Mail: arne.jensen@rub.de

Prof. Dr. med. Eckhard Hamelmann, Universitätskinderklinik St. Josef-Hospital, Alexandrinenstr. 5, 44791 Bochum, Tel.: 0234 509 2610, E-Mail: e.hamelmann@klinikum-bochum.de

Redaktion: Meike Drießen

Dr. Josef König, | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum-bochum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Anzeichen einer Psychose zeigen sich in den Hirnwindungen
26.04.2018 | Universität Basel

nachricht Revolutionär: Ein Algensaft deckt täglichen Vitamin-B12-Bedarf
23.04.2018 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

IFAT 2018: Phosphorgewinnung aus Klärschlamm und andere regionale Nutzungskonzepte für Biomassen

26.04.2018 | Messenachrichten

Der Mensch im Zentrum: wandlungsfähige Produktion in der Industrie 4.0

26.04.2018 | Informationstechnologie

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics