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Blutwäsche kann Abstoßung von Spenderniere verhindern

20.05.2014

Heidelberger Wissenschaftler und Transplantationsmediziner zeigen: Bestimmte Eiweiße des Immunsystems sind besonders gefährlich für das Spenderorgan / Neues Behandlungskonzept bereits europaweit im Einsatz / Dietmar Hopp Stiftung unterstützte Projekt mit rund 360.00 Euro

Ärzte und Immunologen des Universitätsklinikums Heidelberg haben ein Therapiekonzept entwickelt, das eine schnelle Abstoßung der Spenderniere zuverlässig verhindert. Mit Hilfe des Verfahrens, das inzwischen an zahlreichen Zentren in Europa zum Einsatz kommt, werden bestimmte Bestandteile des Immunsystems, sogenannte Antikörper, die eine Gefahr für das neue Organ darstellen, identifiziert und aus dem Blut gefiltert.

So können auch Hochrisiko-Patienten auf planbare Transplantationen nach Lebendspende vorbereitet werden. Validierung dieses neuen Behandlungskonzepts und Umsetzung des Verfahrens in die klinische Routine sind in den letzten beiden Jahren von der Dietmar Hopp Stiftung mit rund 360.000 Euro gefördert worden.

Die beste Therapie für Patienten mit endgültigem Nierenversagen ist derzeit die Transplantation einer Spenderniere. Doch selbst wenn Blutgruppe und sogenannte Gewebemerkmale übereinstimmen, ist das Immunsystem des Organempfängers in der Lage, die neue Niere als fremd zu erkennen und gegen sie eine Immunantwort auszubilden.

Transplantierte Patienten müssen daher ihr Leben lang Medikamente einnehmen, um Abwehrreaktionen zu unterdrücken. Trotz komplexer Therapien wird das neue Organ bei ca. zehn Prozent der Patienten innerhalb der ersten drei Jahre abgestoßen. Eine entscheidende Rolle bei der Abstoßungsreaktion spielen Antikörper, die speziell gegen bestimmte Oberflächenmerkmale des Spenderorgans gerichtet sind. Sie binden an das fremde Gewebe und markieren es gewissermaßen zum Abschuss.

Einige Patienten weisen bereits vor der Transplantation Antikörper gegen Oberflächenmerkmale des zukünftigen Spenders auf. Die Abwehrreaktion des Körpers fällt dann besonders heftig aus, da die entsprechenden Immunzellen und Antikörper nicht erst gebildet werden müssen, sondern zum Zeitpunkt der Transplantation schon im Blut vorhanden sind.

Nieren-Lebendspende trotz vorbestehender Gewebe-Unverträglichkeit

Diese Patienten profitieren von einem in Heidelberg entwickelten Therapiekonzept zur Desensibilisierung des Immunsystems. Zentraler Bestandteil dieser Desensibilisierung ist die sogenannte Immunadsorption zur Entfernung von schädlichen Antikörpern aus dem Blut des Patienten. Durch die anschließende Gabe des Medikaments Rituximab wird gleichzeitig die Bildung neuer Antikörper verhindert. „Wir können bereits vor Transplantation die Menge der schädlichen Antikörper gegen das Spenderorgan fast komplett eliminieren“, sagt Privatdozent Dr. Christian Morath, Oberarzt am Nierenzentrum Heidelberg.

Ähnliche Ausgangsbedingungen und Langzeitergebnisse Hochrisiko-Patienten

Im Rahmen eines von der Dietmar Hopp Stiftung großzügig geförderten Projekts konnten Arbeitsgruppen des Nierenzentrums der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg (Ärztlicher Leiter: Professor Dr. Martin Zeier) und der Abteilung Transplantationsimmunologie des Immunologischen Instituts (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Gerhard Opelz) dieses Verfahren in den letzten beiden Jahren weiterentwickeln und inzwischen bei einer Vielzahl von Patienten erfolgreich einsetzen.

Im Rahmen von Studien zeigte sich, dass es unter den zahlreichen Arten von Antikörpern, die in jedem Menschen vorkommen, bestimmte Varianten gibt, die schwer zu unterdrückende Abstoßungsreaktionen fördern. „Bei Patienten mit diesen Antikörpern im Blut kommt es deutlich häufiger zum Versagen des Spenderorgans“, erklärt Professor Dr. Caner Süsal, Leiter des Antikörperlabors in der Abteilung für Transplantationsimmunologie. Die Studien zeigten zudem, dass eine genaue Kenntniss dieser Antikörper und der zielgerichtete Einsatz der Immunadsorption vor und nach Transplantation die Funktion der Spenderniere nachhaltig schützen kann.

Bislang wurden in Heidelberg ca. 60 Patienten mit sehr hohem Abstoßungsrisiko auf diese Weise zur Lebendspende vorbehandelt. Nach einem Jahr funktionieren noch rund 95 Prozent der Transplantate. Inzwischen entsprechen die Ergebnisse denen von Patienten ohne erhöhtes Risiko. „Auf diese Weise ersparen wir vielen Patienten eine erneute und sehr belastende Dialyse-Therapie oder die erneute Transplantation“, sagt Dr. Morath. Das Langzeitergebnis nach mehr als drei Jahren ist inzwischen annähernd vergleichbar mit dem von Patienten ohne vorsensibilisiertes Immunsystem.

„Die Behandlung verschafft Hochrisiko-Patienten zunächst fast die gleichen Ausgangsbedingungen, erfordert aber auch nach der Transplantation sorgfältiges Wirken und vor allem regelmäßige Einnahme der das Abwehrsystem unterdrückenden Medikation“, sagt Professor Süsal. „Selbst kleine Lücken in der Medikation können in solchen Fällen zum Wiedererwachen des Immunsystems führen“.

Transplantation anderer Organe und Blutgruppenunverträglichkeit

Das neue Therapiekonzept findet inzwischen auch dann Anwendung, wenn zwischen Spender und Empfänger eine Blutgruppenunverträglichkeit vorliegt, sowie bei der Transplantation anderer Organe: So wurde der erste Patient mit Antikörper-vermittelter Abstoßungsreaktion nach einer Lebertransplantation erfolgreich behandelt.

Solche Eingriffe sind nur an wenigen Transplantationszentren in Deutschland in diesem Maße möglich, da neben einer guten Chirurgie und Nephrologie auch eine leistungsstarke transplantationsimmunologische Abteilung benötigt wird. Nur in Zentren mit solchen Strukturen kann geforscht und die in der Forschung erzielten Ergebnisse, wie in Heidelberg, umgehend in die Routine überführt werden.

Weitere Informationen im Internet:
http://www.nierenzentrum-heidelberg.com
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Transplantationszentrum.103682.0.html
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Transplantations-Immunologie.1250.0.html?&...

Literatur:
- Becker LE, Süsal C, Morath C. Kidney transplantation across HLA and ABO antibody barriers. Curr Opin Organ Transplant. 2013 Aug;18(4):445-54.
- Klein K, Süsal C, Schäfer SM, Becker LE, Beimler J, Schwenger V, Zeier M, Schemmer P, Macher-Goeppinger S, Scherer S, Opelz G, Morath C. Living donor kidney transplantation in patients with donor-specific HLA antibodies enabled by anti-CD20 therapy and peritransplant apheresis. Atheroscler Suppl. 2013 Jan;14(1):199-202.
- Morath C, Becker LE, Leo A, Beimler J, Klein K, Seckinger J, Kihm LP, Schemmer P, Macher-Goeppinger S, Wahrmann M, Böhmig GA, Opelz G, Süsal C, Zeier M, Schwenger V. ABO-incompatible kidney transplantation enabled by non-antigen-specific immunoadsorption. Transplantation. 2012 Apr 27;93(8):827-34.
- Morath C, Beimler J, Opelz G, Scherer S, Schmidt J, Macher-Goeppinger S, Klein K, Sommerer C, Schwenger V, Zeier M, Süsal C. Living donor kidney transplantation in crossmatch-positive patients enabled by peritransplant immunoadsorption and anti-CD20 therapy. Transpl Int 2012 May;25(5):506-17.
- Morath C, Beimler J, Opelz G, Ovens J, Scherer S, Schmidt J, Schmied B, Gross ML, Schwenger V, Zeier M, Süsal C. An integrative approach for the transplantation of high-risk sensitized patients. Transplantation 2010 Sep 27;90(6):645-53.

Ansprechpartner:
Priv.-Doz. Dr. Christian Morath
Medizinische Universitätsklinik Heidelberg
Nierenzentrum
Tel.: 06221 91120
E-Mail: christian.morath@med.uni-heidelberg.de

Prof. Dr. Caner Süsal
Antikörperlabor
Abteilung Transplantationsimmunologie
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 56-5546
E-Mail: caner.suesal@med.uni-heidelberg.de


Über die Dietmar Hopp Stiftung

Die Dietmar Hopp Stiftung wurde 1995 gegründet, um die Umsetzung gemeinnütziger Projekte zu ermöglichen. Das Stiftungsvermögen besteht überwiegend aus SAP-Aktien, die Dietmar Hopp aus seinem privaten Besitz eingebracht hat. Seit ihrer Gründung hat die Stiftung, die zu den größten Privatstiftungen Europas zählt, rund 375 Millionen Euro ausgeschüttet. Der Schwerpunkt der Förderaktivitäten liegt in der Metropolregion Rhein-Neckar, mit der sich der Stifter besonders verbunden fühlt. Auf Antrag fördert die Stiftung Projekte gemeinnütziger Organisationen in den Bereichen Jugendsport, Medizin, Soziales und Bildung. Darüber hinaus setzt die Dietmar Hopp Stiftung ihre satzungsgemäßen Zwecke durch eigene Förderaktionen um. Die neueste Aktion will unter dem Titel „alla hopp!‘‘ alle Generationen für mehr Bewegung begeistern. Daher spendet die Stiftung Bewegungs- und Begegnungsanlagen an 18 Kommunen der Region im Gesamtwert von 40 Millionen Euro. Die Dietmar Hopp Stiftung ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen, im Verein Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar und in der Sportregion Rhein-Neckar e.V.

Dietmar Hopp Stiftung
Raiffeisenstraße 51
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Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

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69120 Heidelberg
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E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de

Julia Bird
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des Universitätsklinikums Heidelberg und der
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