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Wenn das Blut in den Adern stockt

04.05.2012
Seltene Thrombosen können eine genetische Ursache haben. Vieles weist darauf hin, dass die Art der Mutation bestimmt, wie schwer die zugrunde liegende Gerinnungsstörung ausgeprägt ist. Am Gefäßzentrum der Frankfurter Universitätsklinik setzen Forscher deshalb auf die Sammlung seltener Thrombosen in einem webbasierten Register und auf genetische Kartierung.

Die meisten Thrombosen entstehen im höheren Lebensalter, als Folge einer längeren Ruhigstellung oder der Einnahme von Hormonpräparaten. Bei einigen aber wird das Gerinnsel, das Venen oder Arterien verstopft, durch eine angeborene oder erworbene Thrombophilie verursacht.

Manche dieser Gerinnungsneigungen sind häufig, andere sehen selbst die Ärzte im Schwerpunkt Angiologie/Hämostaseologie des Gefäßzentrums der Frankfurter Uniklinik höchstens ein-, zweimal im Monat. Daher fehlen auch belastbare Erkenntnisse zur Therapie dieser seltenen Thromboseformen. Dies zu ändern, ist das Ziel des Teams um Prof. Edelgard Lindhoff-Last.

Wie die Wissenschaftlerin in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ berichtet, sind genetische Untersuchungen und die Einrichtung eines webbasierten Thromboseregisters wichtige Schritte zum besseren Verständnis dieser lebensbedrohlichen Erkrankung.

Von seltenen Thrombosen sprechen die Ärztinnen des Gefäßzentrums, wenn die Armvenen, die Bauchvenen oder die Hirnvenen betroffen sind. Verursacht werden diese Thrombosen meist durch eine gestörte Regulation der Gerinnung. Wiederkehrende Thrombosen, oft sowohl im arteriellen als auch im venösen System, führen zum Verlust von Extremitäten oder gar zum Tod zum Beispiel durch eine Lungenembolie oder durch einen Schlaganfall, manche Mutation lässt bei einer Schwangerschaft den Fötus bereits im Mutterleib sterben.

Ein Beispiel ist die Krankengeschichte der mexikanischen Malerin Frida Kahlo. Sie erlitt zwei Fehlgeburten, die man damals auf die schweren Verletzungen nach einem früheren Unfall zurückführte. Dass es sich um eine noch nicht bekannte seltene Form der Thrombose, ein sogenanntes Antiphospholipid-Syndrom handelte, legt der weitere Krankheitsverlauf nahe: 1953 wurde ihr vermutlich wegen eines arteriellen Verschlusses am rechten Bein der Unterschenkel amputiert. Ein Jahr später erkrankte sie an einer Lungenentzündung. Kurz nach ihrem 47. Geburtstag starb sie mutmaßlich an einer Lungenembolie.

Das Antiphospholipidsyndrom (APS) wird durch Antikörper verursacht, die gegen körpereigene Phospholipid-Gerinnungsproteinkomplexe gerichtet sind. Diese können unter anderem sowohl an Blutplättchen als auch an Endothelzellen binden, die das Innere der Blutgefäße auskleiden, und dadurch eine vermehrte Thromboseneigung verursachen. Wie bei vielen anderen Autoimmunerkrankungen bietet auch das erworbene APS ein buntes Bild an Symptomen: Der Erkrankungsgipfel liegt bei etwa 34 Jahren, Frauen sind viermal so oft betroffen wie Männer, die Thrombosen können sowohl in Arterien als auch in Venen auftreten.

Seltene angeborene Thromboseneigungen wie der angeborene Antithrombin-, Protein-C- oder Protein-S-Mangel geben darüber hinaus den Wissenschaftlern auch heute noch Rätsel auf: „Es gibt über 200 verschiedene Mutationen allein am Protein-S-Gen, die alle zu einem Mangel führen können. Fast jede Familie hat ihre eigene Mutationsvariante“, so Edelgard Lindhoff-Last. Diese frühzeitig zu entdecken, ist wesentlich für das Rezidivrisiko, das Wiederauftreten der Thrombose, das die Angiologen durch eine geeignete Therapie verhindern wollen. Dabei genügt es nicht allein, den Mangel eines Proteins für die Blutgerinnung festzustellen. Denn offenbar hängt es auch von der Art der Mutation ab, wie schwer die Gerinnungsstörung ausgeprägt ist. Die Forscherinnen setzen deshalb auf eine konsequente Sammlung aller seltenen Thrombosen und die genetische Kartierung der zugrunde liegenden Mutationen. Dafür arbeiten sie eng mit dem Blutspendedienst in Frankfurt zusammen.

In diesem Jahr ist MAISTHRO, das von Lindhoff-Last initiierte Main-Isar-Thromboseregister, in die zweite Runde gegangen. Das Register gibt es schon seit zehn Jahren. Dafür haben die Frankfurter Angiologen zusammen mit den Unikliniken Würzburg und München bereits Daten von 1400 Patienten erhoben. Während einer Pilotphase des nun webbasierten Systems werden zunächst drei Abteilungen der Frankfurter Uniklinik, die Angiologie, die Kinderklinik und das Hämophiliezentrum ihre Datensätze einbringen. 2013 soll das Register dann auch für andere Zentren außerhalb der Frankfurter Uniklinik offen stehen.
„Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de Im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de

Informationen: Prof. Edelgard Lindhoff-Last, Gefäßzentrum, Schwerpunkt Angiologie/Hämostasiologie, Universitätsklinik, Sekretariat: Vera Neumann, Tel. (069) 6301-5096; vera.neumann@kgu.de.

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die „Science City“ auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.
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Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation Telefon (069) 798 – 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30, E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de

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