Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bessere Vergleichbarkeit von Blutuntersuchungen

25.01.2012
PTB entwickelt Primärnormal zur Qualitätssicherung hämatologischer Untersuchungen

Die Ergebnisse von Blutuntersuchungen liefern Ärzten entscheidende Hinweise auf den Gesundheitszustand ihrer Patienten. Das sogenannte Kleine Blutbild gehört zu den am häufigsten durchgeführten Untersuchungen der Labormedizin.

Hierbei werden unter anderem Anzahl und Beschaffenheit von roten und weißen Blutkörperchen sowie Blutplättchen untersucht. Wissenschaftler der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) haben nun ein Primärnormal zur Konzentrationsbestimmung von roten Blutkörperchen entwickelt, mit dem sich die Qualitätssicherung bei Blutuntersuchungen verbessern lässt. Damit erhalten Mediziner eine verlässlichere Grundlage für Diagnose und Behandlung. Die jüngsten Ergebnisse sind gerade in der Fachzeitschrift LaboratoriumsMedizin erschienen.

Das Primärnormal der PTB wird in Ringversuchen zur Bestimmung von Referenz-Messwerten eingesetzt, mit deren Hilfe teilnehmende Laboratorien regelmäßig die Qualität ihrer Ergebnisse prüfen und bewerten können. Seit 2002 schreiben die Richtlinien der Bundesärztekammer solche Ringversuche zum Kleinen Blutbild für klinische Laboratorien zur externen Qualitätssicherung vor.

Damit wird sichergestellt, dass die Ergebnisse vergleichbar sind und sich die Gefahr von Fehlmessungen, die zu Fehldiagnosen und möglicherweise falschen Behandlungsansätzen führen könnten, verringert. Neu ist nun nicht nur eine erhöhte Genauigkeit, die durch das neue Primärnormal zustande kommt, sondern auch die Möglichkeit, das Verfahren bei sehr kleinen Flüssigkeitsmengen einsetzen zu können, wie z.B. bei der Untersuchung von Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit).

Nächstes Ziel der Forscher ist es, primäre Referenz-Messverfahren für weitere Zelltypen zu entwickeln und Medizinern außerdem ein auf Relativmessungen beruhendes sekundäres Referenz-Messverfahren an die Hand zu geben, das sie selbst direkt vor Ort im Labor anwenden können, um die Qualität der eigenen Analysen zu überprüfen. Langfristig unterstützen die PTB-Wissenschaftler das Bestreben, international harmonisierte Standards einzuführen, um medizinische Diagnosen länderübergreifend vergleichbar zu machen.

Das in der PTB entwickelte primäre Referenz-Messverfahren zur Konzentrationsbestimmung von Erythrozyten beruht auf dem durchflusszytometrischen Nachweis von Zellen durch Impedanzmessungen. Um zufällige, sowohl von instrumentellen Parametern als auch von den Eigenschaften der Probe abhängige Zählverluste zu berücksichtigen, werden Verdünnungsreihen untersucht. Der Referenz-Messwert der Zellkonzentration wird dabei durch Extrapolation auf verschwindenden Volumenanteil der Probe in der Messsuspension bestimmt. Mit diesem Verfahren werden Messunsicherheiten erreicht, die um eine Größenordnung geringer als die Bewertungsgrenzen der verpflichtenden Ringversuche sind.

In der Metrologie ist es üblich, Messungen physikalischer Größen mithilfe eines primären Messverfahrens auf die Basiseinheiten des Internationalen Einheitensystems (Kilogramm, Meter, Sekunde, Mol, Candela, Ampere, Kelvin) zurückzuführen. Die festgelegte Definition dieser Einheiten bietet somit den gemeinsamen Bezugsrahmen, auf den sich alle Messungen beziehen – dadurch werden sie untereinander vergleichbar. Bei Messungen an biologischen Systemen ist das ungleich schwieriger, denn eine vollständige Analyse der Einflussgrößen und Störfaktoren sowie eine detaillierte Messunsicherheitsbetrachtung sind für viele Analyte in biologischen Systemen aufgrund ihrer Komplexität nur schwierig zu erfüllen. Daher sind auch bei der Blutzellzählung nur für wenige Targetzellen – nämlich Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten – standardisierte Verfahren beschrieben, die potenziell als primäre Referenz-Messverfahren geeignet sind.

Zukünftige Forschungen in der PTB werden die Zählung immunologisch relevanter Targetzellen mit einbeziehen, wie beispielsweise CD4 positive T-Helfer-Lymphozyten. Eine Konzentration dieser Zellen unterhalb eines bestimmten Schwellwertes kann auf eine HIV-Infektion hinweisen. (if/ptb)

Kontakt:
Dr. Jörg Neukammer, PTB-Arbeitsgruppe 8.32
Durchflusszytometrie und Mikroskopie,
Tel.: (030) 3481- 7241,
E-Mail: joerg.neukammer@ptb.de

Wissenschaftliche Veröffentlichung:
M. Kammel, A. Kummrow, J. Neukammer, Referenzmessverfahren für die genaue Bestimmung von Zellkonzentrationen: Status und zukünftige Entwicklungen, LaboratoriumsMedizin 36, Issue 1 (Jan 2012) Pages 25–35, ISSN (Online) 1439-0477, ISSN (Print) 0342-3026, DOI: 10.1515/JLM-2011-0008

Vorveröffentlichung im Internet: http://www.degruyter.com/view/j/labm

Imke Frischmuth | idw
Weitere Informationen:
http://www.ptb.de
http://www.degruyter.com/view/j/labm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs
13.12.2017 | Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften