Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesundheitsrisiko von Atomversuchen untersucht

15.05.2002


Geheime Berichte aus Kasachstan werden in britischem Labor analysiert

Tausende streng geheime Gesundheitsblätter aus dem ehemals sowjetischen Atomtestgebiet in Kasachstan werden im englischen Institute of Cancer Research untersucht. Dabei soll wissenschaftlich belegt werden, in welchem Zusammenhang Krebserkrankungen und Nukleartests miteinander stehen, berichtet BBC.

Von 1949 bis 1989 wurden 470 Nukleartests in der ehemaligen Sowjetrepublik durchgeführt: 26 davon an der Oberfläche, 90 in der Luft und 354 unterirdisch. Insgesamt entsprechen alle Tests einer Sprengkraft von 17 Mio. Tonnen TNT. Nach Angaben der BBC gebe es bereits Hinweise auf Krebserkrankungen und Missbildungen bei Neugeborenen durch mutierte Gene nach Atomversuchen. Die britischen Untersuchungen sollen nun erstmals wissenschaftlich belegen, ob es auch zu einer zunehmenden Kindersterblichkeitsrate und einer höheren Krebsrate kommt.

Insgesamt untersuchen die britischen Wissenschaftler über 50.000 Gesundheitsaufzeichnungen von Bewohnern der Stadt Semipalatinsk, der Stadt, die nur 150 Kilometer vom Atomtestgebiet entfernt liegt. Die Arbeit des britischen Instituts wird von den Vereinten Nationen gefördert, da die Region Semipalatinsk von der UNO-Generalversammlung als "Zone besonderer Besorgnis" eingestuft wurde. In drei Jahren sollen die ersten Ergebnisse vorliegen.

Heftige Kritik an ungenauen Gesundheitsuntersuchungen und mangelhaften Aufzeichnungen über radioaktive Verseuchung nach Atomtests gibt es auch im Pazifischen Ozean. Nach amerikanischen Atomversuchen auf dem Bikini-Atoll im Jahre 1954 gab es eine radioaktive Wolke über dem benachbarten Rongelap-Atoll. Die dortige Bevölkerung wurde nicht evakuiert. Nach dem radioaktiven Fallout, der sich als schneeähnlicher Niederschlag zeigte, wurden die Bewohner des Atolls zwei Tage später von ihrer Insel weggebracht. 1956 wurde das Atoll wieder von den Einheimischen besiedelt, nachdem die US-Regierung die Insel als "gesundheitlich unbedenklich" erklärte. Unter den Insulanern durchgeführte Gesundheitsuntersuchungen zeigten ein düsteres Bild: die Plutoniumkonzentration im Harn war zehn Mal höher als die der Bewohner von Bikini. Darüber hinaus gab es auf der Insel vermehrt Fälle von missgebildeten Kindern und Krebs. Die 1973 durchgeführten Gesundenuntersuchungen blieben 14 Jahre lang unter Verschluss. 1985 verließen die Bewohner ihre Insel erneut. Drei Jahre später erklärte die amerikanische Regierung die Insel für sicher. Andere Untersuchungen warnten jedoch vor einer Rückkehr der Bevölkerung, die heute noch immer auf einer anderen Insel lebt.

Wolfgang Weitlaner | pte.monitor
Weitere Informationen:
http://www.icr.ac.uk
http://news.bbc.co.uk
http://www.unfpa.org

Weitere Berichte zu: Atomversuch BBC Krebserkrankung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen