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Wenn der Darm seine Abwehr mobilisiert

30.11.2000


Das darmeigene Immunsystem spielt offenbar eine wichtige Rolle bei der Entstehung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen. Dies zeigen Forschungsarbeiten an der Medizinischen Klinik B der Universität Münster.

Bauchschmerzen und blutige Durchfälle, wiederholte Operationen, ein stetiges Gefühl von Abgeschlagenheit und Mattigkeit, und, was mindestens ebenso schlimm ist, enorme psychische Belastung bis hin zur gesellschaftlichen Isolation kennzeichnen das Leben der Menschen, die an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung leiden. Wenngleich die Medikamente im Laufe der Zeit besser geworden sind, so lindern sie doch lediglich die Symptome. Auf eine Behandlung, mit der die Krankheit sozusagen an der Wurzel angegangen werden kann, warten die Betroffenen, deren Zahl in Deutschland bei etwa 100.000 liegt, nach wie vor vergeblich.

Die Entwicklung heilender Therapiestrategien für die an den beiden häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leidenden Patienten steht und fällt mit dem Fortschreiten der Grundlagenforschung über die vielfältigen Mechanismen, die das Entzündungsgeschehen auslösen und steuern. Zu den Wissenschaftlern, die weltweit daran arbeiten, den Ursachen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen auf die Spur zu kommen, gehört Dr. Thomas Spahn von der Medizinischen Klinik B der Universität Münster. Gemeinsam mit den Privatdozenten Dr. Norbert Lügering und Dr. Torsten Kucharzik richtet er sein Augenmerk dabei speziell auf die Rolle Hunderter winziger Lymphbläschen in der Darmwand sowie der Lymphknoten im Bereich der darmversorgenden Blutgefäße. Aufgrund der Ergebnisse der bisherigen experimentellen Arbeiten auf diesem Gebiet geht er davon aus, dass dieses so genannte Darm-assoziierte lymphatische System eine wichtige Rolle bei der Regulation der Entzündung im Darm spielt. Und zwar scheint alles darauf hinzudeuten, dass das Immunsystem des Darms die Ausbildung entzündungshemmender Zellen ankurbelt. Eine Fehlregulation innerhalb dieses Systems könnte demnach die Ursache dafür sein, dass keine oder zu wenig solcher Abwehrzellen auf den Plan gerufen werden, um die Entzündung zu bekämpfen und zu verhindern, dass sich ein Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa manifestiert.

Neben der allgemeinen Verstärkung der Entzündungsreaktionen bei fehlendem oder unzureichend entwickeltem darmeigenen Immunsystem wurde in den experimentellen Studien auch eine stärkere Schrumpfung des entzündeten Darms beobachtet. In
enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Hermann Herbst vom Institut für Pathologie der Universität Münster hat sich Spahn auf die Suche nach den Molekülen gemacht, die für die Schrumpfungsvorgänge im Darm verantwortlich sind. Neben diesen molekularbiologischen Arbeiten wird auch schon über eine mögliche Behandlung nachgedacht. So wollen die beiden Wissenschaftler jetzt untersuchen, ob eine bestimmte Substanz, mit der Herbst im Tierexperiment ein Aufhalten der Organschrumpfung im Fall von Leberzirrhose nachweisen konnte, auch bei einer Schrumpfung des entzündeten Darms wirksam ist.

Jutta Reising | idw

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